Kleine Parade zuckelt über die Oberhausener Marktstraße

Da liegt Musik in der Luft: Auf einem Anhänger lässt sich das Jazz-Trio für die „Wohnst du hier auch“-Parade die Marktstraße hinunterziehen. Fotos:Herbert Höltgen
Da liegt Musik in der Luft: Auf einem Anhänger lässt sich das Jazz-Trio für die „Wohnst du hier auch“-Parade die Marktstraße hinunterziehen. Fotos:Herbert Höltgen
Mit Hilfe von Künstlern will Kulturdezernent Apostolos Tsalastras die Altstadt beleben. Den Auftakt des Projekts bildete am Samstag eine Musik-Parade

Oberhausen.. Die Erwartungen sind hoch an diesem Samstag. Eine „Wohnst du hier auch“-Parade auf der Marktstraße soll die Anwohner aus ihren Häusern locken. Kostümiert oder mit Musikinstrumenten sollen sie sich der Parade anschließen. So soll der Auftakt gemacht werden für das Projekt „Phänomen O. - Identität im Wandel“. Damit will Kulturdezernent Apostolos Tsalastras die Innenstadt dank künstlerischer Kreativität wieder neu in Schwung bringen.

Tatsächlich sind es dann rund 20 Personen, die sich am Phoenix-Brunnen an der oberen Marktstraße einfinden. Aber kostümiert ist von ihnen nur Czeslaw Golebiewski, der Betreiber der Kult-Gaststätte Gdanska am Altmarkt. Mit seinem Geländewagen zieht er jenen Anhänger, auf dem ein Jazz-Trio Platz genommen hat. Es unterhält die Wartenden mit Klassikern wie „Down by the Riverside“ und „Mackie Messer“. Dezernent Tsalastras ist gekommen, bleibt bis zum Schluss dabei.

Zu einem Boogie-Woogie setzt sich der kleine Zug dann in Bewegung. Die obere Marktstraße ist zu diesem Zeitpunkt fast menschenleer. In Höhe Alsenstraße wird kurz gehalten. Zu den Klängen eines Walzers geht es weiter. An einem Blumenladen ist der nächste Halt. Hier gibt es den ersten Applaus für das schwungvolle Trio. Die Geigerin führt jetzt beim Beatles-Hit „Let It Be“ die Melodie.

Wasserbombe verfehlt ihr Ziel

Einer der mitmacht, ist Michael Bülow. „Ich wohne seit acht Jahren in der Innenstadt und unterstütze alle Aktivitäten, die zu ihrer Belebung beitragen“, sagt der Alt-Oberhausener. Dann rätselt er darüber, woran es liegen mag, dass sich in Berlin Viertel, die früher eher als heruntergekommen galten, heute zu kulturellen Zentren entwickelt haben. Den Ortsteil Kreuzberg nennt er als ein Beispiel.

Eine Mitarbeiterin vom Projektbüro „part 3“, das für dieses und die nachfolgenden Projekte engagiert wurde, hat eine Erklärung: In Berlin sei der Wohnraum knapp, müssten kreative Köpfe auch auf Viertel wie Kreuzberg ausweichen.

In der Oberhausener Innenstadt ist der Wagen mit dem Jazz-Trio längst weitergezogen, da klatscht ein mit Wasser gefüllter Luftballon vom Balkon eines Hauses auf das Pflaster. Er verfehlt aber die Teilnehmer. Die Band stimmt derweil „What an Wonderful Day“ an.

Je weiter sich der Zug in Richtung Altmarkt bewegt, desto belebter wird die Marktstraße. Aber die Passanten haben es eilig, bahnen sich ihren Weg an der Parade vorbei. Auch die Geschäftsleute reagieren gleichgültig, schauen dem Treiben lediglich zu.

Mit Pippi-Langstrumpf loslaufen

Mit dem fröhlichen Pippi-Langstrumpf-Lied wird die Wörthstraße überquert. „Die Marktstraße wird schlecht geredet. Es wird viel gemeckert. Aber wenn dann mal etwas gemacht wird, kommen sie nicht“, ärgert sich eine ältere Frau. Sie gibt aber auch zu bedenken, dass der Zug mit 14 Uhr für die Marktstraße spät gestartet sei. „Um 16 Uhr ist die Markstraße samstags tot“, meint sie.

Nach einer Stunde ist der Altmarkt erreicht. Der Kreis der Teilnehmer ist auf etwa 30 Personen gestiegen. Gdanska-Chef Czeslaw Golebiewski dreht ein paar Ehrenrunden um die Gedenksäule, den die Alt-Oberhausener den „Friedensengel“ nennen. Dann tritt Ehefrau Maria Golebiewski, ebenfalls kostümiert, hinzu. Leidenschaftlich will sie die Leute mit einem Tanz in Stimmung zu bringen. Doch die meisten hören lieber weiter der Musik zu und beobachten, wie zwei Künstler den Ausfluss des Brunnens mit Gegenständen, die die Leute mitbringen sollten, verzieren, einer Maske und einem Regenschirm zum Beispiel.

Der Kulturdezernent zeigt sich am Ende dennoch zufrieden. Dass die Belebung der Altstadt mühsamer wird, ist auch ihm klar.

 
 

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