Kinder in Oberhausen sprechen über Flucht und Migration

Andrea Rickers
Schulrätin stößt Projektwoche an Oberhausener Schulen an. Anlass ist der heutige Welttag des Buches. Geschichten und Bilder erzählen von Schicksalen

Oberhausen. Was würdet ihr mitnehmen, wenn ihr von zu Hause weggehen müsstet und nicht mehr zurückkommen könnt? Die Frage hat Lehrerin Anika Gründel den Kindern ihrer vierten Klasse an diesem Vormittag gestellt. „Geld, Kuscheltiere und etwas zu trinken“, sagt Ece. Ihr Mitschüler Dominik packt lieber Essen, seinen Ausweis und ein Handy ein, aber nicht, um damit zu spielen, sondern..., Dominik überlegt, „...sondern um Kontakt zu den Angehörigen zu halten?“, fragt Petra Püttmann, Leiterin der Adolf-Feld-Schule. Der Junge nickt.

Mit dem Thema „Migration und Flüchtlinge“ haben sich am Freitag alle Klassen der Adolf-Feld-Schule beschäftigt. Aber nicht nur die Grundschule in der Oberhausener Innenstadt hat anlässlich des heutigen „Welttag des Buches“ einen Projekttag veranstaltet, schon die ganze Woche über haben alle Grundschulen in der Stadt und auch weiterführende Schulen Flucht und ihre Ursachen, Ankommen und Aufnehmen auf den Stundenplan gehoben.

Initiative von der Schulrätin

Initiiert hat die Projektwoche die Oberhausener Schulrätin Silke vom Bruch. Um ein Zeichen zu setzen für eine Willkommenskultur an den hiesigen Schulen. „Ich freue mich sehr“, sagt vom Bruch, „dass sich alle Schulen mit der Situation auseinandersetzen, die Menschen auf der Flucht erleben.“ Der Schulaufsichtsbeamtin ist die Initiative auch deshalb wichtig, weil Schulleiter, die sich für Flüchtlinge engagieren, verbalen Angriffen ausgesetzt waren.

Als Beitrag für mehr Toleranz und Respekt versteht die Schulrätin die Aktionen deshalb in dieser Woche. Der Welttag des Buches ist ein guter Aufhänger, denn: „Es gibt viele neue (Bilder)Bücher und andere Medien wie Filme zum Thema Flucht“, sagt vom Bruch. Den Schulen wurde eine Materialliste zur Verfügung gestellt, Lehrer bestellten die Bücher.

Wie zum Beispiel „Bestimmt wird alles gut“ von Kirsten Boie, das die Klasse von Anika Gründel gelesen hat. Erzählt wird die Geschichte einer Familie aus Syrien, die aus dem Bürgerkriegsland nach Deutschland flieht. Die Klasse von Marcus Rehwinkel hat sich mit „Karlinchen: Ein Kind auf der Flucht“ beschäftigt. Seine Schüler haben sich Gedanken darüber gemacht, was sich Karlinchen wohl wünscht, fern der Heimat: Einen Platz zum Schlafen, ein Stück Brot, Freunde, Zuneigung haben sie auf Karten notiert.

Schüler aus 17 Nationen

Der Umgang mit zugewanderten Kindern, die nicht oder nicht gut Deutsch sprechen, ist für die Adolf-Feld-Schule nicht neu. Schüler aus 17 Nationen tummeln sich auf dem Schulhof, auch ohne die zusätzliche Internationale Vorbereitungsklasse für derzeit 18 Flüchtlingskinder. „Es funktioniert gut“, sagt Schulleiterin Püttmann, „man muss sich drauf einlassen, dann läuft es schon“.

Einige weiterführende Schulen erklärten sich spontan bereit, bei der Projektwoche mitzumachen (Fasia-Jansen, Hans-Sachs, Bertha-von-Suttner, Elsa-Brändström, Freiherr-vom-Stein oder Sophie-Scholl). Schüler der Gesamtschule Weierheide setzten sich zum Beispiel „kritisch mit der Entstehung, Funktion und den Folgen von Gerüchten im Zusammenhang mit der Flüchtlingsdebatte auseinander“.