Oberhausen

Kettcar gesteht in Oberhausen: „Wir hatten Angst vor diesem Auftritt“

Kettcar hatte ein wenig Angst vor dem Auftritt in der Turbinenhalle Oberhausen.
Kettcar hatte ein wenig Angst vor dem Auftritt in der Turbinenhalle Oberhausen.
Foto: Daniel Sobolewski / DER WESTEN

Oberhausen. Lampenfieber haben viele Künstler auch noch nach hunderten Auftritten. Doch das erstaunte schon: Als Kettcar in Oberhausen auftrat, gestand die Hamburger Band der Turbinenhalle: „Wir hatten Angst vor diesem Auftritt!“

Das lag weniger daran, dass sich Kettcar vor dem Halt auf der Tour „Live 2019“ am Mittwochabend zuletzt 2003 in Oberhausen blicken ließ – damals spielte die noch junge Band noch im Zentrum Altenberg auf einer ihrer ersten Deutschlandtouren.

Kettcar in Oberhausen: Mutter des Gitarristen machte Band Angst vor Auftritt

Den wahren Grund für das Muffensausen offenbarte Reimer Bustorff, Gitarrist der Rockband: „Ich habe heute mit meiner Mutter telefoniert. Ich sagte ihr, ich sei in Oberhausen für einen Auftritt. Da entgegnete sie: Das wird schwierig. Da kommt doch Sondaschule her, die gehen ja wohl noch ein bisschen mehr ab als ihr. In Oberhausen sind schon ganz andere gescheitert.“

Die Sorge war unberechtigt: Mit ihren tiefsinnigen Texten voller emotionaler Appelle gegen Hass, Rassismus und Homophobie begeisterte Kettcar in Oberhausen.

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Jeder, der auch nur ein bisschen für Rechtspopulismus übrig hat, hätte bei diesen Statements für jede Form von Nächstenliebe wohl bereits nach den ersten drei Liedern stampfend die Turbinenhalle verlassen.

Kettcar-Vorband: Schrottgrenze-Frontsänger Alex Tsistigas trat als Saskia Lavaux auf

Passend dazu war bereits der "Special Guest" von Kettcar: Schrottgrenze, das in den 90ern noch für Indie-Punk stand, positioniert sich heute noch immer punkig und deutlich für Toleranz. Aus Alexander Tsitsigias ist dafür Saskia Lavaux geworden – der Frontsänger trat als Drag-Figur auf.

Immer wieder zeigte Kettcar, wie viel Ruhrpott in ihren Texten steckt. Die Jungsclique im Song „Benzin und Kartoffelchips“, von denen einer wegen Körperverletzung in Haft muss, habe sich Frontsänger Marcus Wiebusch immer als Ruhrpott-Jungs vorgestellt.

Als die ganze Halle beim Song „Balu“ den Namen der im Text vorkommenden Ruhrpott-Stadt Wanne-Eickel brüllte, musste selbst Wiebusch kurz vor Freude lachen.

Über 90 Minuten und mit 21 alten und neuen Songs begeisterte Kettcar die Turbinenhalle bis in die Nacht. Und am Ende gab es einen tosenden Sonderapplaus für die Mutter von Gitarrist Reimer Bustorff.

 
 

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