Jugendliche im Grillopark in Oberhausen angegriffen

Foto: Andreas Bartel
Zwei dunkelhäutige Jugendliche wurden im Grillopark Oberhausen von zwei Jugendlichen beschimpft und getreten. Mitarbeiter der OGM schauten nur zu.

Oberhausen. Rassismus im Alltag scheint zuzunehmen – auch in Oberhausen. Andrea-Cora Walther hat es selbst erfahren müssen. Ihre beiden dunkelhäutigen Kinder sind jetzt im Grillopark von zwei Jugendlichen verfolgt, festgehalten und geschlagen worden. „Geht zurück, wo ihr herkommt!“ hatten die Jugendlichen die 13-Jährige und ihren 15-jährigen Bruder beschimpft. Die Ratsfrau (Bürgerliste) ist geschockt.

Fast 200 Meter hatten die Angreifer die Kinder von der Christuskirche bis in den Park verfolgt, dabei immer wieder drangsaliert. „Lasst uns in Ruhe!“, versuchte der 15-Jährige nach den Worten seiner Mutter die beiden Jugendlichen abzuwehren. Er schlug zurück, verschaffte sich und seiner Schwester dadurch etwas Luft. Doch im Grillopark ging es weiter. Mit Beschimpfungen, Tritten. „Meine Kinder baten zwei Mitarbeiter der OGM, die gerade in dem Park arbeiteten, um Hilfe“, erzählt Walther. Doch die beiden hätten nur zugeschaut. „Ich weiß nicht, was mich fassungsloser macht, der Übergriff selbst oder diese unterlassene Hilfeleistung“, schüttelt die Oberhausenerin den Kopf. Erst als ein 20-Jähriger, der zufällig vorbeigekommen sei, sich einmischte, seien die Schläger weggerannt.

OGM zeigt sich entsetzt

Andrea-Cora Walther hat bei der Polizei Anzeige erstattet, den Schulleiter informiert und die Klassenlehrerinnen ihrer Kinder. „Dieser Vorfall soll jetzt auch in der Schule aufgearbeitet werden.“ Das ist der Mutter wichtig. Auch, dass die Mitschüler ihrer Kinder Bescheid wissen. „Damit sie sensibilisiert sind.“ Denn sie meint: „Integration kann nur gelingen, wenn wir alle dem Fremdenhass aktiv entgegentreten.“

Auch die Geschäftsführung der Oberhausener Gebäudemanagement GmbH (OGM) zeigt sich entsetzt: „Wir sind Ihnen dankbar, dass Sie uns über die schockierenden Vorkommnisse im Grillopark informiert haben“, schrieben die Geschäftsführer Horst Kalthoff und Hartmut Schmidt noch am selben Tag an Andrea-Cora Walther.

Seit Jahren unterstütze die OGM aus Überzeugung das Projekt der „Kindernotinseln in Oberhausen“. „Ihre Schilderungen erschrecken und alarmieren uns deshalb in besonderem Maße“, heißt es in dem Schreiben weiter. Und: „Wir haben sie zum Anlass genommen, unsere Mitarbeiter noch einmal zwingend dahingehend zu ermutigen, in derartigen Situationen Hilfestellung zu leisten.“

Als Ausländerin beschimpft

An die Öffentlichkeit ging auch Sarah Benneh-Oberschewen, die in Oberhausen ihr Abitur gemacht hat und heute mit ihrer Familie in Mülheim lebt. Denn auch der wissenschaftlichen Mitarbeiterin der Uni Duisburg-Essen begegnet aufgrund ihres afrikanischen Migrationshintergrundes zunehmend mehr Fremdenfeindlichkeit.

An der Kasse eines Schuhladens habe sie eine Frau angefeindet: Sie müsse ja sicher nicht bezahlen, weil in Deutschland doch im Moment eh alles umsonst sei. Und als sie mit ihrem sechsjährigen Sohn in einer Apotheke stand, beschimpften sie zwei ältere Frauen als Ausländerin, die Schuld daran sei, dass sie so lange warten müssten. Die positive Resonanz auf den Bericht in der Mülheimer Ausgabe dieser Zeitung überraschte die 31-Jährige dann aber doch. So lud etwa ein serbischer Restaurantbesitzer aus Oberhausen die Familie zum Essen ein.

Fremdenfeindlichkeit beginnt mit abfälligen Bemerkungen und oft genug auch Schmierereien an Hauswänden. Zuletzt haben bisher unbekannte Täter in der Nacht Hakenkreuze am Oberhausener Moscheeverein gemalt. Darauf machte Ercan Telli, Geschäftsführer des Integrationsrates, bei der letzten Sitzung zur Flüchtlingssituation entrüstet aufmerksam, zu der Oberbürgermeister Daniel Schranz alle Fraktionen eingeladen hatte.