Jeder siebte Oberhausener ist überschuldet

Immer mehr ältere Menschen gerieten in eine Schuldenfalle
Immer mehr ältere Menschen gerieten in eine Schuldenfalle
Foto: dpa
25 979 Einwohner können ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen. Die Verteilung im Stadtgebiet zeigt ein deutliches Nord-Süd-Gefälle.

Oberhausen.. Immer mehr Oberhausener Bürger sind überschuldet: Konnten im Jahr 2014 noch 24 795 Personen ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen, waren es im vergangenen Jahr bereits 25. 979. Die Schuldnerquote stieg damit von 13,98 auf 14,70 Prozent. Dies geht aus dem aktuellen Schuldneratlas der Wirtschaftsauskunftei Creditreform hervor. Zum Vergleich: Deutschlandweit lag die Schuldnerquote im vergangenen Jahr bei 9,92 Prozent.

Ein Blick auf die Oberhausener Stadtteile verdeutlicht, dass es ein deutliches Nord-Süd-Gefälle gibt, parallel zu der Verteilung von Arbeitslosigkeit und Empfängern von Sozialleistungen im Stadtgebiet. Während in Schmachtendorf und Holten etwa jeder 13. Bürger überschuldet ist (7,76 Prozent), ist es in Oberhausen-Mitte mehr als jeder fünfte (21,83 Prozent).

Den deutlichsten Anstieg (plus 1,31 auf 17,18 Prozent) gab es im Postleitzahlenbezirk 4611, zu dem Borbeck, Eisenheim, Heide sowie Teile von Osterfeld und Sterkrade gehören. Einen Rückgang gab es in keinem einzigen der acht Postleitzahlengebiete.

Arbeitslosigkeit, Trennung

Als Hauptursachen gelten weiterhin Arbeitslosigkeit, Trennung/Scheidung, Krankheit/Sucht/Unfall, eine unwirtschaftliche Haushaltsführung sowie eine gescheiterte Selbstständigkeit. „Zudem zeigt sich, dass auch das Thema Altersüberschuldung zunehmende Brisanz aufweist“, heißt es in dem Bericht der Creditreform. Immer mehr ältere Menschen gerieten in eine Schuldenfalle. Auch steigende Renten konnten offensichtlich nicht verhindern, dass immer mehr ältere Menschen auf Grundsicherung angewiesen sind oder unter die Armutsschwelle geraten.

Mit Blick auf die Entwicklung in Gesamtdeutschland könne man davon ausgehen, dass ein dauerhafter und nachhaltiger Rückgang der Überschuldung unwahrscheinlich sei, so die Wirtschaftsauskunftei.

Weiterer Abbau der Arbeitslosigkeit

Wie aber könnte eine weitere negative Entwicklung verhindert werden? Als wichtigster Punkt wird der weitere Abbau der Arbeitslosigkeit genannt. Zudem seien höhere und gezielte Investitionen in Bildung erforderlich. Insbesondere junge und ältere Menschen müssten in ihrer Finanzkompetenz gestärkt werden. Besonders stark und dauerhaft überschuldeten Familien sollte gegebenenfalls ein Familienpate zur Seite gestellt werden, der die Ausgaben im Blick hat.

Die Ersteller des Schuldneratlasses erachten es auch als notwendig, die Insolvenz- und Schuldnerberatung deutlich auszubauen. Zu einer finanziellen Unterstützung der Schuldnerberatungsstellen sind seitens der Geldinstitute derzeit in Nordrhein-Westfalen nur die Sparkassen verpflichtet.

Die Oberhausener Stadtsparkasse kommt ihrer Pflicht in diesem Jahr mit 35. 700 Euro nach. Verbraucherschützer, Wohlfahrtsverbände und Schuldnerberatungen verlangen seit Jahren, dass sich auch die Banken an der Finanzierung beteiligen müssen.

Verschiedene Beratungsangebote

Es gibt verschiedene Beratungsstellen in Oberhausen. Die Schuldnerberatung des Diakonischen Werks, Langemarkstraße 19-21, ist unter 0208-807 020 erreichbar, www-ev-kirche-ob.de (Beratung anklicken). Die Beratungsstelle der Caritas, Bahnhofstraße 62, hat die Rufnummer 0208-9404-321, -322, info@caritas-oberhausen.de.

Der Caritasverband bietet auch eine anonyme Online-Beratung an, um schnell helfen zu können. Dafür muss man auf der Internetseite www.beratung-caritas-essen.de einen Benutzernamen und ein Passwort eingeben. Zudem muss eine Postleitzahl angegeben werden, um die Anfrage an die Beratungsstelle weiterzuleiten, die für den jeweiligen Wohnsitz auch zuständig ist. Der Abstand und die Häufigkeit der Nachrichten-Kontakte können selbst gewählt werden.

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