Jagd nach Konsolen und Gameboys auf der Retro-Börse in Oberhausen

Einmal Kinderzimmer und zurück  – bei der 9. Retro-Börse für klassische Computerspiele.
Einmal Kinderzimmer und zurück – bei der 9. Retro-Börse für klassische Computerspiele.
Foto: Ulla Emig
Die Retro-Börse für klassische Computerspiele lockte zum neunten Mal Sammler aus Europa – dieses Mal nicht nach Bochum, sondern ins Zentrum Altenberg nach Oberhausen. Die Retro-Börse soll nicht nur ein Flohmarkt sein, sondern ein Festival der Spielekultur.

Oberhausen.. Es ziept und piept in den Ohren. Düdü-dü-dü-dü-düdü... Unterbrochen von einem plötzlich: „Klong! Klang! Kleng!“ Was wiederum ein „Knarz! Knarz! Knarz!“ zur Folge hat. Die Klangkulisse aus stumpfen Monolautsprechern bringt eine Menschentraube im Zentrum Altenberg in totale Entzückung.

Ein alter Gameboy ist hier der Hauptdarsteller. Das portable Videospiel trat Anfang der 90er Jahre auch in Deutschland seinen Siegeszug an. Eine schnelle Partie „Tetris“ lassen sich die Besucher der Retro-Börse für klassische Computerspiele am Samstag nicht nehmen. Obgleich der piepsige Spielefreund zu den unspektakulären Fundstücken zählt. Wahre Kenner gehen hier auf Schatzsuche.

Protz-Konsolen mit Strebergrafik haben hier keine Chance

Jens Brinkmann, Michael Braun und Jens Klöppel gehören dazu: Sie haben die Sammlerbörse aus der Taufe gehoben. Bereits acht Mal lockte der in Deutschland einmalige Treff Aussteller und Fans aus ganz Europa nach Bochum. Doch das Jugendheim wurde dort zu klein – bei der Suche nach einer geeigneten Stätte landete die Retro-Reise letztlich in Oberhausen. Brinkmann: „Die Retro-Börse soll nicht nur ein Flohmarkt sein, sondern ein Festival, das sich mit der Spielekultur selbst beschäftigt.“ So gibt es kleine Videospielmusik-Konzerte und Lesungen. Titel: „Extraleben 3 - Endboss“

Hier haben technisch hochgerüstete Protz-Konsolen und Strebergrafik keine Chancen. Es sind die Großväter der „Playstation 3“, die hier säuberlicher gestapelt auf den Tischen stehen: Atari, Commodore und Ableger des ersten populären Videospiels „Pong“. Ein Telespiel, das nur aus zwei Strichen und einem Pixelpunkt bestand und mit viel Fantasie ein Tennismatch simulieren konnte. Dazu gab es ein Geräusch. Eben: „Pong!“

Warum sind solche Dinosaurier der Videospielgeschichte so populär, dass sich weltweit Millionen Fans in Foren zusammenschließen? Klöppel: „ Die technische Beschränktheit und was daraus entstehen kann, hat seinen Charme. Hier spielt sich das Spiel aufgrund seines Minimalismus im Kopf ab.“

Reisen zurück ins Kinderzimmer

Viele reisen zurück ins Kinderzimmer. „Ich hatte schon als Kind eine Brotkiste!“ Jörg Bretzlaf (34) spricht nicht von Bäckereizubehör, sondern von einem alten „C64“, den es natürlich in sämtlichen Varianten auf der Börse nun zu kaufen gibt. Gebraucht, im ausgefransten Karton. 50 bis 150 Euro kostet der Klassiker unter den Spielecomputern auf der Börse. „Bundesliga-Manager“, „Frogger“ oder „Bubble Bobble“ gibt es auf labberigen 5 -1/4-Zoll-Disketten dazu.

An den Tapeziertischen bricht das Jagdfieber aus: „Super-Nintendo-Konsolen sind gefragt“, heißt es bei den Händlern. Das Konsolensystem aus dem Jahr 1992 steht gefühlt auf jedem zweiten Tisch. Die Spielemodule reihen sich in Bananenkisten aneinander. Es wird gekramt. Geguckt. Gekauft. Ab 10 Euro geht es los. „Gleich erst mal eine Runde Super-Mario-Kart!“ Die Vorfreude steigt.

Nicht nur Spiele gibt es in Massen, sondern auch die passenden Werbeartikel: Pac-Man-Partyhüte? Kein Problem - dazu die passenden Servietten, natürlich Original aus den 80er Jahren, eingeschweißt, und herrlich vergilbt. Ein Donkey-Kong-Fahrradhelm liegt neben dem Super-Mario-Puzzle. Schnell noch nach einer Street-Fighter-Figur mit Plastikmuskeln geschaut. Es gibt nichts, was es nicht gibt.

Töte den Drachen und rette die Prinzessin

„Hätte ich doch mal im Lotto gewonnen“, ruft einer mit spürbarer Euphorie. Tatsächlich gibt es echte Schätze: Das Atari-Spiel „Air Raid“ kostet schlappe 3000 Dollar. Zumindest bis ein Fan auf seinem Speicher ein Exemplar mit Originalverpackung fand. Erstmalig. Für die Szene ein Fund mit schier archäologischer Bedeutung. Der Wert nun: 31.000 Dollar.

Nur 25 Euro kostet die Uhr, die nicht die Zeit misst, aber ein Mini-Spiel beinhaltet. Die Story ist auf der Verpackung erklärt: „Töte den Drachen und rette die Prinzessin!“ Wobei beide Charaktere auf dem Pixelwecker eigentlich identisch aussehen. Es ist bloß ein Strich.

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