Ist Kirche viel zu verstaubt?

Andrea Micke
St. Clemens in Sterkrade. Foto: Kurt Michelis
St. Clemens in Sterkrade. Foto: Kurt Michelis
Foto: NRZ

Die Katholische Kirche hat ihre eigenen Vorstellungen von Moral. Ein scheinbar ehernes Regelwerk, ein Bollwerk gegen die Welt da draußen. Bernward Mezgers Geschichte wirft einmal mehr die Frage auf, ob Kirche nicht neue Wege gehen muss.

Zur Erinnerung: Der Propst von St. Clemens wurde vom Bischof beurlaubt, weil er im Internet Sex-Partner gesucht haben soll.

Einige Mitglieder der Katholischen Frauengemeinschaft überraschten am Dienstag mit ihren Ansichten. Auch wenn sie zum speziellen Fall Mezgers nichts sagen wollten, „dafür kenne ich die Hintergründe nicht genug“, so Margareta Bergforth (64) vom Vorstandsteam, erklärten die Frauen dann doch: „Die Kirche müsste mit Problemen offener umgehen, sie müsste sich öffnen, ist viel zu verstaubt.“ Problematiken, die angesprochen werden müssten, seien die „vielen Priesterkinder“. Bergforth: „Der Alkohol ist außerdem ein großes Thema.“ Dass viele Geistliche ein Problem damit haben, sei ein offenes Geheimnis. Sei ja kein Wunder, wenn man immer in so ein leeres Haus nach Hause käme, überlegten die Frauen. Und dann sei auch bekannt, dass viele Priester homosexuell seien.

Ob sie denn ein Problem mit einem homosexuellen Pfarrer hätten? „Nein“, betonten Margareta Bergforth und die Vorstandsteamkolleginnen Helga Köster (63) und Kirsten Lesaar (45) sofort. „Wenn wir weltoffen sein wollen“, sagte Margareta Bergforth über die Katholische Kirche, „dann müssen wir auch akzeptieren, dass Priester homosexuell sind.“ Gut, das akzeptiert ja selbst die Kirche, so lange die Gottesmänner ihre Neigungen nicht ausleben. Aber auch in diesem Punkt gaben sich die Frauen tolerant. „Es muss jeder mit sich selber ausmachen, ob er das auslebt oder nicht.“ Und Margareta Bergforth erklärte: „Ich lasse keinen in mein Schlafzimmer blicken, ich will auch nicht in andere Schlafzimmer schauen.“

Zum Zölibat meinten die Frauen: „Es gibt Priester, die einfach nicht alleine leben können.“ Die Kirche müsste überdenken, es Seelsorgern freizustellen, ob sie zölibatär leben wollten oder nicht.

„Wenn der Propst geht, bedauern wir es“, sagten die Frauen. Sie hätten gut mit ihm zusammengearbeitet. Er habe sie in ihrer Arbeit immer unterstützt.

Die Arbeit Mezgers hob auch Berthold Rzymski, Gemeindereferent der Gemeinde St. Barbara, die zur Großpfarrei St. Clemens gehört, lobend hervor. „Der Propst hat uns als Pastoralteam gut geführt und geleitet“, so Rzymski. Er habe mit ihnen Modelle erarbeitet, die es woanders im Bistum so nicht gebe. Er sei neue Wege gegangen. Und habe ihre Arbeit gegenüber der Bistumsleitung auch vertreten.