Iranischer Flüchtling plant Studium und Doktorarbeit im Ruhrgebiet

An seinem Laptop entwickelt der iranische Flüchtling Seyed Mansour Pourmohseni Shakib ein
An seinem Laptop entwickelt der iranische Flüchtling Seyed Mansour Pourmohseni Shakib ein
Foto: WAZ FotoPool
Monatelang lebte der Iraner Seyed Shakib als Asylbewerber in Oberhausen. Nun hat er sein Aufenthaltsrecht und möchte im Ruhrgebiet seine Doktorarbeit beenden. In sein Heimatland kann der 39-jährige aufgrund eines Artikels, in dem er Kritik an dem iranischen Atomkraftprogramm, nicht zurück.

Oberhausen.. Er hat ein turbulentes Jahr hinter sich, blickt aber hoffnungsvoll in die Zukunft. Sein Job führte den iranischen Ingenieur Seyed Mansour Pourmohseni Shakib im Februar zum wiederholten Male nach Deutschland, ebenso Forschungen für seine Doktorarbeit. Doch diesmal konnte er nicht zurückkehren. Schuld ist ein Fachartikel über erneuerbare Energien.

„Wenn ich in den Iran gehe, verursacht das Probleme für meine Familie“, sagt Shakib. Seine Eltern und Geschwister hatten ihn gewarnt, nach Teheran zurückzukehren. Der 39-Jährige hatte während seines jüngsten Deutschlandaufenthalts einen Artikel über Wind- und Solarenergie veröffentlicht und darin das iranische Atomkraftprogramm kritisiert. Dies schmeckte dem Regime nicht. In seiner Heimat droht Shakib jetzt Gefahr. Also ist er in Deutschland geblieben, lebte in verschiedenen Asylbewerberheimen. Seit Mai wohnt er an der Weierstraße in Oberhausen.

Unzumutbare Zustände

„Früher war ich nie politisch, aber durch meine Zeit hier bin ich ein Menschenrechtsaktivist geworden“, sagt er. Denn die Zustände in seinem Heim seien unzumutbar. Er spricht von defekten Duschen und Toiletten, von Wochen ohne warmes Wasser und von Nachbarn, die teilweise über 20 Jahre Asylbewerber seien. Viele hätten jede Perspektive verloren und seien in Süchte sowie in Depressionen abgerutscht. „Ich wusste, dass ich etwas an meiner Situation ändern muss.“ Er wollte nicht auf der Couch sitzen und sich seinem Schicksal ergeben. Daher hat er für Kita-Kinder und Grundschüler gemalt und an Theaterprojekten teilgenommen.

Doch auch vor seiner Haustür wollte er helfen und hat bebilderte Info-Broschüren erstellt, von Bedienungsanleitungen von Waschmaschinen bis hin zu wichtigen Anlaufstellen. Daraus soll ein Handbuch für Oberhausener Asylbewerber werden. Für die Heimkinder hat er sich ebenfalls etwas einfallen lassen: Auf seinem Laptop sind Bauzeichnungen für einen Spielplatz, der aus Recyclingmaterial gebaut werden kann. „Damit sie nicht im Müll spielen müssen.“

Shakibs Zeit in Oberhausen endet jedoch voraussichtlich in einigen Wochen. Sein Aufenthaltsrecht und sein Flüchtlingsstatus sind inzwischen anerkannt. Nun will er sich eine Wohnung suchen. Im Februar möchte er, falls möglich, nach Essen ziehen, an der Universität weiterstudieren und seine Doktorarbeit beenden.

Rückkehr in den Iran geplant

„Noch haben sie mein iranisches Diplom aber nicht anerkannt.“ Das ist eine wichtige Voraussetzung für seine Promotion an einer deutschen Uni. Zudem ist unklar, ob seine Deutschkenntnisse für eine Hochschule ausreichen. Derzeit verständigt er sich meist problemlos mit einer Mischung aus Deutsch und Englisch.

Egal, was passiert, unterkriegen lassen will er sich aber nicht. Notfalls mache er weitere Deutschkurse und fange danach ein völlig neues Studium an.

Er denkt positiv, denn er weiß, wie Menschen enden können, die das nicht tun. „Eins steht für mich aber fest: Sobald ich in den Iran zurück kann, gehe ich wieder zurück.“

Dass es im kommenden Jahr schon soweit ist, damit rechnet der Ingenieur und Flüchtling Seyed Shakib allerdings nicht.

 
 

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