iPhone-Fans aus Armenien und Russland standen Schlange im Centro

Daniel Schreckenberg und Ingmar Kreienbrink
Riesen-Andrang vor dem Centro Oberhausen: Rund 1800 Menschen standen in einer hunderte Meter langen Schlange und warten auf Einlass. Ihr Ziel: der Apple-Store. Dort startete am frühen Freitagmorgen der Verkauf der neuen iPhone-Generation.

Oberhausen. Wenn Apple ruft, kommen seine Jünger: Auch in seiner mittlerweile siebten Generation scheint die Faszination iPhone keine Grenzen zu kennen. Bereits am Donnerstagmittag trafen die ersten Apple-Fans vor dem Oberhausener Centro. Der Grund: Apple startete um 8 Uhr den Verkauf seiner neuen iPhone-Generation. 1800 Fans standen sich deshalb lange Zeit die Beine in den Bauch.

Ganz vorne mit dabei war auch Lukas aus Mülheim, der sich mit vierzehn Freunden bereits am Vortag sein Nacht-Lager aufgeschlagen hatte. "Es ist einfach ein tolles Erlebnis, wir machen das jetzt schon zum sechsten Mal. Ich selbst möchte mir gar kein IPhone kaufen, bin nur für eine Schützhülle gekommen." Und für die Party drumherum, berichtet der 22-Jährige etwas erschöpft von der langen Nacht. 13 Stunden Schlangestehen für eine Plastik-Hülle: Es wird sich später noch einmal auszahlen für ihn.

Käufer kommen aus ganz Europa

Gleich hinter ihm in und an der Reihe steht Marius. Der 24-Jährige ist extra aus Ludvika in Schweden angereist, um das begehrte Stück Metall in den Händen halten zu können: "Bei uns beginnt der Verkauf erst in einigen Wochen", erklärt er seine Odyssee von Stockholm über Zürich bis nach Oberhausen. Und hofft, am Ende eines der wenigen "champagner-farbenen" Handys in den Händen zu halten, "auch deshalb haben wir bereits die Nacht über die Wartezeit ausschließlich mit Champagner-Trinken überbrückt."

Wie Marius kommen viele der wartenden Apple-Fans in der Schlange nicht nur aus der Region: Einige sind aus Belgien und den Niederlanden, werden am Centro vom holländischen Radio begleitet. Doch auch aus Russland und Armenien sind die Menschen nach Oberhausen gereist sind. Denn überall hier gelangen die neuen Modelle erst in einigen Wochen in den Handel. Doch nach so langen Anreisen ist es umso bitterer, wenn das Wunsch-Telefon am Ende bereits ausverkauft ist.

Überall in Deutschland ist das nach wenigen Minuten bereits der Fall. Lange Gesichter sind vorprogrammiert. Die große Nachfrage nach dem neuen Spitzenmodell 5s kann - und manche sagen gar will - der Apple-Store nicht bedienen.

Enttäuschung bei einigen iPhone-Jüngern

So beginnt die Security, als die ersten in kleinen Gruppen gegen halb acht vor den Apple-Store geführt werden, bereits die Hälfte der Leute zu informieren, dass sie wohl leer ausgehen werden. Lars und Jana hatten kein Glück: "Dabei standen wir seit 4 Uhr in der Warteschlange", ärgert sich der 24-jährige Lars. "Jetzt werde ich in anderen Läden auf die Suche gehen. Denn das Handy möchte ich unbedingt."

Während die beiden Gelsenkirchener noch einmal sehnsüchtig durch die Glasscheibe des Ladens schauen, kommt mit Alexander der erste stolze Neu-iPhone-Besitzer heraus: "Ich bin total happy" braucht der Niederländer eigentlich gar nicht zu sagen. Es steht ihm ins Gesicht geschrieben.

Nirgends warten mehr Menschen als vor dem Centro

Pro Kunde werden am heutigen Tag jeweils nur zwei Smartphones verkauft. An die Wartenden verteilten die Mitarbeiter Plastikkärtchen als Reservierung für die jeweiligen Wunsch-Handys. Mit 1800 Interessierten war es laut Centro-Pressesprecher Jens Knetsch die längste Schlange in Deutschland vor den Apple-Geschäften, standen doch circa 300 Menschen in Berlin und circa 600 in München an.

Das Centro hatte mit den Menschenmassen indes keine Probleme: "Wir sind extrem entspannt, wir machen das ja jetzt auch schon seit einigen Jahren mit", weiß Knetsch zu berichten.

Nur wenige "goldene" IPhones auf Lager

Aber selbst wer ganz vorne in der Schlange stand, könnte enttäuscht sein. So gab es von den goldfarbenen iPhones offenbar nur zehn Stück im Oberhausener Centro: "Das hat mir ein Mitarbeiter gesagt", erzählt Andreas Selaru aus Düsseldorf enttäuscht. Dabei stand er seit Donnerstag um 14.45 Uhr in der Schlange und betrat damit als 40. den Apple-Store. Erhältlich ist jetzt schon fast nur noch die Plastikvariante 5c.

Zufriedenen war dagegen Lukas. Nicht nur, weil sein "altes" iPhone künftig mit einem dunkelroten Überzug geschützt ist, sondern weil er zeitgleich das Geschäft seines Lebens gemacht hat: "Ich habe durch meinen Platz in der Schlange ja ebenfalls zwei Reservierungs-Karten bekommen. Und die habe ich eben für jeweils 100 Euro weiterverkauft", grinst er zufrieden.

Geld bezahlen, um lediglich die Chance auf einen Smartphonekauf zu bekommen. Auch das gibt es wohl nur bei Apple.

Zwei neue iPhone-Modelle von Apple

Erstmals gibt es gleich zwei neue iPhone-Modelle auf einmal. Das ab 699 Euro erhältliche iPhone 5s sieht äußerlich aus wie das Vorgänger-Modell, hat aber einen deutlich schnelleren Chip, eine verbesserte Kamera und einen Fingerabdruck-Scanner. Das 100 Euro billigere iPhone 5c bekam ein Gehäuse aus Plastik. In dem Gerät ist weitgehend Technik aus dem ein Jahr alten iPhone 5 zu finden. Apple verkauft das Plastik-Modell deutlich teurer als es viele Experten zuvor erwartet hatten. (we/dpa)