In St. Joseph klingt die größte Glocke der Stadt Oberhausen

Malerisch ist der parkähnliche Friedhof rund um die Kirche St. Joseph in Oberhausen-Styrum.
Malerisch ist der parkähnliche Friedhof rund um die Kirche St. Joseph in Oberhausen-Styrum.
Foto: Tom Thöne / WAZ FotoPool
Wenn in der Gemeinde St. Joseph in Oberhausen-Styrum die Kirchenglocken läuten, ertönt der „Dicke Jupp“. Diesen Spitznamen haben die Styrumer der 4,6 Tonnen schweren Glocke gegeben, die überall in der 4200-Seelen-Gemeinde zu hören ist, wenn es die Stunde schlägt.

Oberhausen.. Wer Oberhausens größte Kirchturmglocke sehen möchte, muss über eine enge Wendeltreppe in die Höhe steigen. Die Stiegen sind schmal, die Hand greift immer wieder an das kühle Geländer. Dann: ein Zwischenboden. Dunkel, staubig.

Aber immerhin Zeit für eine kurze Verschnaufpause. In einem Holzverschlag ist eine Maschine montiert: ölgeschmierte Zahnräder greifen da ineinander. „Das ist das alte Uhrwerk für die Turmglocken“, sagt Pastor Holger Schmitz und nimmt schon die nächste Treppe in Angriff. Die alten Holzstiegen knarzen, wenn er auf sie tritt.

Der Turm der Kirche St. Joseph in Styrum ist etwa 75 Meter hoch. Die Glocken sind bereits nach 40

Höhenmetern erreicht: Am Ziel hängt er, der „Dicke Jupp“, wie sie hier in der Gemeinde ihre große Glocke liebevoll nennen. Im Metall ist eine Botschaft eingearbeitet: „St. Josef – Schütz’ uns alle Zeit“, steht da. Mehr als viereinhalb Tonnen wiegt das kolossale Stück, das überall in der 4200-Seelen-Gemeinde zu hören ist, wenn es die Stunde schlägt.

Eine Kerze in der Kapelle

40 Meter tiefer, in der Turmkapelle, zündet eine Frau eine kleine Kerze an, bekreuzigt sich, blickt kurz durch die Glastür in den Innenraum der Kirche und geht dann wieder. Rasch ist sie nicht mehr zu sehen. Was man dafür sieht, sind Autos: Der Verkehr schiebt sich über die Lothringer Straße, die schon bessere Zeiten erlebt hat. Geschäfte haben dicht gemacht, die Ladenlokale blieben leer. Es gibt im Viertel viele, die daran etwas ändern wollen und sich daher in ihrem Stadtteil engagieren. So auch die Mitglieder der Gemeinde St. Joseph.

„Wir möchten hier Möglichkeiten der Begegnung schaffen“, sagt Pastor Holger Schmitz. Die Kirche könne sich nicht abschotten, und das tue sie auch nicht. Mit dem Bürgerverein stehe die Gemeinde ständig in Kontakt, ebenso mit dem Karnevalsverein Styrumer Löwen.

Auch die Kirche selbst soll für den Stadtteil solch ein Ort der Begegnung sein. 500 Plätze hat der große Raum. Richtig voll wird er nur an Ostern oder Weihnachten. „Doch im Schnitt sind unsere Gottesdienste ganzjährig recht gut besucht“, sagt Schmitz, während er durch das große Kirchenschiff schreitet.

Durch den Weihrauchduft ins Freie

Durch die Sakristei – in der es auch außerhalb der Gottesdienstzeiten leicht nach Weihrauch duftet – führt Pastor Schmitz ins Freie. Hier ist Kinderlachen zu hören, kurz übertönt eine schimpfende Mutter das freudige Gejohle, das vom Kinderspielplatz herüberweht. Nicht weit entfernt, in einer Grünanlage sitzen Männer und trinken Bier. Pastor Schmitz fühlt sich nicht von ihnen gestört. „Das gehört dazu“, sagt er und geht weiter zum Friedhof. Von dort haben Besucher den wohl besten Blick auf den Kirchturm. „Malerisch“, sagt Schmitz, während er durch die parkähnliche Anlage schlendert. Es ist viel los. Tod und Trauer haben hier heute bei Sonnenschein keinen Platz. „Friedhöfe sind ja auch Orte des Lebens“, sagt Schmitz dann. Und wie zum Beweis erscheinen Spaziergänger, ein Mann nimmt Platz auf einer Bank, schlägt eine Zeitung auf.

Vom Friedhof ist es nicht weit zum ehemaligen Elisabeth-Krankenhaus, der heutigen Helios-Klinik. In der ersten Etage gibt es eine Kapelle, hell, freundlich, bunte Glasmosaik-Fenster. Zwei Mal in der Woche wird dort der Gottesdienst gefeiert. Eine Videokamera überträgt die Messfeier ins hauseigene Fernsehprogramm, damit auch bettlägerige Patienten daran teilnehmen können. „Doch nicht nur Kranke kommen hier her“, sagt Schmitz. „Auch viele Mitglieder unserer Gemeinde wissen die besondere Atmosphäre der Kapelle zu schätzen.“

Gottesdienst unter freiem Himmel

Den Wetterbericht verfolgen die Mitglieder der Gemeinde St. Joseph in diesen Tagen ganz besonders aufmerksam. Sie hoffen auf ein sonniges Wochenende. Denn an diesem Sonntag, 27. Juli, wollen sie einen Open-Air-Gottesdienst auf dem Kirchplatz feiern. Der Beginn der Messe unter freiem Himmel ist für zehn Uhr geplant. Anschließend werden ehrenamtliche Helfer den Grill anfeuern und kühle Getränke ausschenken.

Der Schritt aus der Kirche an die frische Luft habe durchaus einen symbolischen Charakter, erklärt Gemeinderatsvorsitzender Sebastian Althoff: „Wir möchten rausgehen und zeigen: Wir sind da“, sagt er. „Die Kirche braucht sich nicht zu verstecken.“ Auch wenn die Zahl der Menschen, die aus der Kirche austreten, zunehme, müsse man als Gemeinde selbstbewusst auftreten.

Gemeindeleben ist vielfältig

Grund dafür gibt es genug. Das Gemeindeleben in St. Joseph ist äußerst vielfältig. Für alle Altersgruppen ist etwas dabei. Die ganz, ganz Kleinen kommen in der Krabbelgruppe zusammen, es gibt einen Kindergarten, die katholische Grundschule. Kinder kommen zum Kommunionsunterricht zusammen, werden Messdiener. Sie nehmen an Gruppenstunden teil, besuchen die Ferienspiele oder gehen zur Teenie-Disco im Keller unterm Pfarrheim.

Die Erwachsenen treffen sich regelmäßig im Kirchenchor, einmal im Jahr wird ein großes Gemeindefest gefeiert, die Mitglieder des Raue-Teams sorgen für Verpflegung nach Beerdigungen, es gibt auch Gruppen für Frauen, umfangreiche Angebote für Senioren. Und, und, und.

„Dass wir in unserer Gemeinde ein so breit gefächertes Angebot haben, verdanken wir unseren Gemeindemitgliedern“, sagt Pastor Holger Schmitz. „Ohne deren Engagement ginge das alles gar nicht.“

Zu den weiteren Folgen: www.waz.de/kirche.

 
 

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