In Oberhausen nach Fledermäusen suchen

Geleitet wird die Exkursion von RVR-Mitarbeiter Olav Möllemann (Bild), der hier die Ultraschallgeräte zur Ortung der Fledermäuse verteilt.
Geleitet wird die Exkursion von RVR-Mitarbeiter Olav Möllemann (Bild), der hier die Ultraschallgeräte zur Ortung der Fledermäuse verteilt.
Foto: Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE F
  • Mit einem Experten suchen Teilnehmer der Tour nach Fledermäusen am Revierpark
  • Der Förster und Umweltpädagoge fesselt die Teilnehmer der Exkursion mit seinem Wissen
  • In dunkler Nacht bekommen Neugierige mehr zu sehen, als sie sich erhofft hatten

Oberhausen.. Zwei große Leuchtstrahler werfen helle Lichtkegel über den kleinen See im Revierpark Vonderort. Motten, Mücken und andere Insekten tanzen im Licht ihre wilden Pirouetten, als ein weißer Reiher auf der gegenüber liegenden Uferseite in die Höhe empor steigt. Plötzlich schwingt das Rauschen der Fledermaus-Detektoren in ein lautes Knacken um. Die Teilnehmer einer Führung wissen: „Fledermausalarm!“

Und schon gleitet so ein geheimnisvolles Exemplar über der Wasseroberfläche entlang, wo es im Flug genüsslich seine Beute verspeist – die Insekten, die kürzlich noch ungestört im Lichtstrahl tanzten.

Die zweistündige Führung rund um die Fledermaus wird im Rahmen des Programms „Natur erleben“ vom Regionalverband Ruhr (RVR) veranstaltet.

Bissige Insektenfresser

Treffpunkt für die Menschen, die die Nachttiere sehen wollen, ist um 21.30 Uhr der Parkplatz am Revierpark Vonderort: Die 34 Teilnehmer, unter denen sich auch viele Kinder und die sechsjährige Hündin Maya tummeln, versammeln sich kreisförmig, um dem einleitenden Vortrag des RVR-Mitarbeiters Olaf Möllemann zu lauschen.

Mit seinem Expertenwissen wird der 46-jährige Förster und Umweltpädagoge die Nachtwanderung moderieren und für viele „Ahaaas!“ und „Ohooos!“ sorgen. Denn wer hätte gedacht, dass Fledermäuse eine Geschwindigkeit von bis zu 70 Kilometer die Stunde erreichen können? Oder dass ihr kleines Herz während des Winterschlafs alle zwei Minuten nur ein einziges Mal schlägt?

Und während Möllemann seinen laminierten Bilderkatalog mit den Abbildungen der in Oberhausen ansässigen Fledermausarten in die Runde gibt, läuft ein Restaurantbesucher über den Parkplatz, dessen T-Shirt ein Batman-Logo ziert.

Nicht wahrnehmbarer Ultraschall

22 Uhr: Ausgerüstet mit Taschenlampen, Scheinwerfern und Fledermaus-Detektoren, begibt sich die Expeditionsgruppe auf den Weg ins Dickicht des Revierparks. Die Teilnehmer sind merklich aufgeregt und brechen direkt in Freudenjubel aus, als kaum 100 Meter weiter schon die erste Rauhautfledermaus durch die dunklen Baumkronen flattert.

Noch senden die Detektoren bloß ein lautes Rauschen, bis wir an den See der Parkanlage gelangen, wo sich Dutzende von Wasserfledermäusen herumtreiben. Pro Sekunde setzen Fledermäuse 100 bis 200 Mal ihre Ultraschalllaute frei, die mit bis zu 110 Dezibel für das menschliche Gehör jedoch nicht wahrnehmbar sind. Lediglich die Hündin Maya mit ihrem feinen Gehör knurrt hin und wieder, bevor dann tatsächlich das Knacken der Detektoren einsetzt – ein Zeichen dafür, dass die begehrten Fledermäuse in der Nähe sind.

Die zweistündige Nachtwanderung wird von skurrilen Geschichten begleitet, die Möllemann in seiner langjährigen Laufbahn erlebt hat. Vor neun Jahren beispielsweise, hatte es sich eine Bochumer Familie nicht nehmen lassen, während ihres mehrwöchigen Urlaubs die Fenster in der heimischen Wohnung unbewacht auf Kipp stehen zu lassen.

Der Schwarm in der Wohnung

Als die Familie schließlich wieder heimgekehrt war, überraschte sie ein Schwarm von knapp 60 Fledermäusen, der es sich hinter einem Schrank gemütlich gemacht hatte. Nachdem der Kammerjäger die unter Naturschutz stehenden Flugtiere behutsam aus der Wohnung entfernt hatte und die Familie die Fenster zwei Tage später erneut auf Kipp stellte, war der ganze Schwarm plötzlich wieder da. Und auch nach dem zweiten Besuch des Kammerjägers haben die Bochumer ihr Fenster wenige Tage später wieder mal über Nacht geöffnet gelassen und siehe da: Die 60-köpfige Fledermausschar hatte sich zum dritten Mal in der Wohnung gemütlich eingerichtet.

Solche Anekdoten sind zwar amüsant für den Zuhörer, sollen die Teilnehmer der Führung aber auch warnen: „Die europäischen Fledermausarten sind zwar nicht gefährlich, gebissen werden möchte man jedoch trotzdem nicht!“, erläutert Möllemann und warnt ausdrücklich vor dem Fangen oder Berühren mit bloßen Händen.

Zur Beobachtung der Tiere eignet sich am besten die Blaue Stunde, wenn die Sonne gerade untergegangen ist und sich die Jäger der Nacht langsam aus ihren Baumhöhlen wagen, um den rosafarbenen Nachthimmel mit ihren lautlosen Tänzen zu erfüllen.

 
 

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