Oberhausen

Im Labor des Sehens

Setzen sich mit der menschlichen Wahrnehmung auseinander vl.: Dr. Susannah Cremer-Bermbach (Lt. der Gesellschaft für Kunst und Gestaltung, Bonn) und Künstlerin Nina Brauhauser.
Setzen sich mit der menschlichen Wahrnehmung auseinander vl.: Dr. Susannah Cremer-Bermbach (Lt. der Gesellschaft für Kunst und Gestaltung, Bonn) und Künstlerin Nina Brauhauser.
Foto: WAZ FotoPool
Der Bildhauer Norvin Leineweber spielt mit der Wahrnehmung. Seine Bilder ergeben ein immer neues Spiel aus Licht und Schatten. Auch für die Fotografien von Nina Bildhauser gilt dies. Vordergründig erscheinen sie zweidimensional, doch mit der Zeit entwickelt sich eine dritte Dimension, die die geometrischen Figuren im Raum schweben lässt.

Oberhausen. Ein mattes Weiß auf einer „Leinwand“, die wie die Ecke eines Raumes geknickt ist. Augenscheinlich denkbar einfach – „reduziert“ heißt dies in der Sprache der Kunst. Doch das bewusst Wenige reicht dem Bildhauer Norvin Leineweber bereits, um mit unserer Wahrnehmung zu spielen. Der Rest, die immer neue Wirkung seiner „Bilder“, ergibt sich durch das Spiel aus Licht, das einfällt, und Schatten der Knicke.

Kunst wie ein Labor

Im Zentrum Altenberg, wo der Verein für aktuelle Kunst am Sonntag eine neue Ausstellung mit unter anderem Leinewebers raffinierten Reliefs eröffnet, will man bewusst täuschen, um die menschliche Wahrnehmung, das Sehen, zu thematisieren. Wie viele Zeichen benötigt der Mensch, um in diesen Reliefs einen Raum zu erkennen? Was daran ist Teil des natürlichen Sehens, und was Teil einer kulturellen Überformung unserer Wahrnehmung?

„Leinewebers Reliefs sind wie ein Labor“, vergleicht Susannah Cremer-Bermbach, Leiterin der Gesellschaft für Kunst in Bonn. Sie wird zur Ausstellungseröffnung am Sonntag (11.30 Uhr) noch mehr verraten.

Die inhaltlich vielleicht schwere Kost kommt jedoch mit großer sinnlicher Leichtigkeit daher. Das gilt nicht weniger für die Fotografien von Nina Brauhauser. Wobei: Auf den ersten Blick sind sie nicht als solche zu erkennen. Sie erinnern viel mehr an die flächigen Malereien der konkreten Kunst. Doch auch hier geht es um Raum, Fläche und Bewegung. „Ich simuliere Raum“, sagt Brauhauser.

Die Farbflächen scheinen zu schweben

Augenscheinlich zweidimensional wirken ihre Fotografien – ein Effekt des Mediums. Wer aber näher hinschaut, stellt fest, dass die geometrischen Farbflächen über einem schwarzen Grund zu schweben scheinen, Schatten werfen. Plötzlich wird das flache Foto wieder plastisch. „Mir ist es wichtig, diese Materialität zu zeigen“, sagt Brauhauser, eben doch anders als die konkrete Kunst.

Vom 10. bis zum 22. Juni ist die Ausstellung zu sehen, die „die Grenzen der Malerei bewusst erweitert“, so der 2. Kunstvereinsvorsitzende Wilfried Dariath. Öffnungszeiten: Freitag und Samstag 16 bis 18 Uhr, Sonntag 11-13 Uhr.

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