„Ich, der Klassenclown“

Andrea Micke
Tanzt und singt bei Sister Act mit, der gebürtige Oberhausener Fehmi Göklü (vorn). Allein diese Handbewegungen hinzukriegen, will geübt sein.
Tanzt und singt bei Sister Act mit, der gebürtige Oberhausener Fehmi Göklü (vorn). Allein diese Handbewegungen hinzukriegen, will geübt sein.
Foto: Jakob Studnar

Oberhausen. Ja, so kann es gehen. Der gebürtige Oberhausener Fehmi Göklü (30) erinnert sich: „Ich war immer sehr unruhig in der Schule, der Klassenclown.“ Um den jungen Zappelphilipp auszupowern, steckten die Erwachsenen ihn in die Theater AG der Schule.

Irgendwie scheint das aber nicht gefruchtet zu haben. Denn Fehmi Göklü geriet dennoch auf die schiefe Bahn. Gerade arbeitet er als Gangster. Gut, „so richtig böse bin eigentlich nicht“, sagt der 30-Jährige. Seine Gangstergeschäfte nimmt er nicht allzu ernst. „Ich habe eher Spaß an Musik und Ladys, ich bin ja nur der Assistent des Gangsters.“ Zumindest spielt Göklü, der heute in Essen lebt, die Rolle des eher etwas schusseligen Ganoven TJ im neuen Musical im Metronom Theater am Centro.

Premiere ist am 3. Dezember

Die Premiere von „Sister Act“ ist am 3. Dezember. Nicht mehr viel Zeit für die Akteure, die perfekte Show hinzukriegen. Aber alle sind zuversichtlich, dass es klappen wird. An einem dieser harten zehnstündigen Probentage tanzen und singen auch die Ganoven, der Gegenpart zu den Schwester, unter den strengen Blicken von Choreographin Frances Chiappetta. Der Chef-Gangster singt voll Inbrunst: „Ich mach sie kalt.“ Er und die Ganoven an seiner Seite werden immer wieder von Chiapetta korrigiert. Mal stimmt der Gesang nicht. Mal sind es die tänzerischen Bewegungen.

Fehmi Göklü sagt dann auch, dass man in diesem Job eine hohe Frustrationsschwelle braucht. „Manche Szenen und Lieder werden bis zum Erbrechen wiederholt“, erklärt er. Er wusste aber schon während der Schulzeit, dass Musical-Darsteller sein Beruf wird. Göklü, selbst türkischer Herkunft, weiß nur von einer Handvoll Landsleute, die ebenfalls in diesem Metier arbeiten. „Vielleicht, weil das Musical als Kunstform in der türkischen Kultur nicht so präsent ist“, überlegt er. Seine Eltern seien Anfangs auch sehr skeptisch gewesen. „Oh Gott, mein Junge will Popstar werden und wird scheitern“, hätten sie wohl gedacht. „Aber das wurde anders, als ich an der Folkwang Universität der Künste in Essen angenommen wurde“, erinnert er sich. Dort studierte er Musical mit den Hauptfächern Gesang und Tanz.

Er möchte eigene Musik schreiben

Nach seiner Ausbildung hat Göklü in vielen Musicals gespielt. Einfach sei es nicht, Engagements zu bekommen. „Die Bewerberzahl ist sehr hoch, man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.“ Ein Privatleben hat er trotz des zeitaufwändigen Jobs. Und gerade eben lernt er, Gitarre und Klavier spielen. Es ist schon lange sein Wunsch, einmal seine eigene Musik zu schreiben: Jazz, Blues und Country-Musik. Aber zunächst einmal haben die singenden und tanzenden Nonnen Fehmi Göklüs volle Aufmerksamkeit.