Humorige und absurde Momente

SPD-Fraktionschef Große Brömer entpuppt sich als Fan der Opposition: „Sie beherrschen diese Kunst gut.“
SPD-Fraktionschef Große Brömer entpuppt sich als Fan der Opposition: „Sie beherrschen diese Kunst gut.“
Foto: WAZ FotoPool
Wieder einmal entschied der Rat über schwierige Themen für alle Bürger. In der 33. Sitzung am 11.11. ging es diesmal im Ratssaal besonders hoch her.

Oberhausen. Der Rat der Stadt Oberhausen entscheidet in seinen Sitzungen meist über so viele wichtige Themen, dass kaum Platz bleibt, um mal über die humorvollen, denkwürdigen oder auch absurden Momente einer fünfstündigen Debatte zu berichten. Diesmal wollen wir dieses Versäumnis aber nicht begehen.

Gleich zu Beginn der Sitzung am Montag um 15 Uhr fiel Oberbürgermeister Klaus Wehling auf, dass dem Rathaus der armen Stadt nicht genug saubere Gläser für die Mineralwasser-durstigen Ratspolitiker zur Verfügung stehen. „Wir trinken hier schon aus Tassen Wasser. Ich bitte deshalb alle, zur nächsten Sitzung Gläser von zu Hause mitzubringen“, scherzte Wehling.

Da lacht die CDU nur auf

„Das sind die Momente, da wäre ich gerne 30 Zentimeter größer“, murmelte Grünen-Fraktionschefin Regina Wittmann, deren Kopf nur ein klein wenig über das nicht höhenverstellbare Pult schaute, zu Beginn ihrer Rede ins Mikro. Nur so kann man erklären, dass unkundige Beobachter zeitweise glaubten, da vorne redete Ulrike Willing-Spielmann (CDU) - eigentlich zwei unverwechselbare Politikerinnen.

SPD-Fraktionschef Wolfgang Große Brömer wiederum sorgte zunächst für heiteres Auflachen der CDU-Politiker, als er ihnen beim Müllthema GMVA vorwarf: „Sie werfen nur mit Nebelkerzen“. Die CDU’ler entgegneten nur lässig: „Den Vorwurf kennen wir schon! Darauf haben wir gewartet.“ Danach überraschte er die CDU aber doch – mit einem überschwänglichen Lob: „Opposition ist die Kunst, etwas zu versprechen, was die Regierung nicht halten kann. Diese Kunst beherrschen Sie so gut, dass Sie weiter Opposition bleiben sollten.“

Auf der Zuschauertribüne ging es hoch her

CDU-Umweltpolitiker Frank Bandel, einer der Aufsichtsräte beim Müllofen GMVA, verblüffte den Rat mit einem Bekenntnis aus der geheimen Sitzung des Kontrollgremiums inklusiver drastischer Begründung: „Ich habe im Aufsichtsrat gegen das Modell gestimmt, weil ich nicht die geringste Lust verspüre, irgendwann von einem Staatsanwalt eines Umgehungstatbestandes bezichtigt zu werden.“ Angesichts solcher harter Themen ging es auf der Zuschauertribüne hoch her.

Eigentlich sind laute Äußerungen dort nicht erlaubt: Mal beklatschten aber GMVA-Arbeiter eine Aussage eines Redners zugunsten der Anlage, mal normale Bürger aus Sorge vor zu hohen Müllgebühren einen konträren Beitrag. Versammlungsleiter Wehling ließ das in seiner toleranten Art maßvoll zu. Dann sagte er zur Tribüne: „So jetzt ist auch mal gut, jetzt ist ausgeglichen.“

 
 

EURE FAVORITEN