„Haus Theißen“ in Oberhausen schließt

Nach 23 Jahren schließt die Gaststätte „Haus Theißen“ in Oberhausen. Inhaberin Ulrike Scharnagel hätte noch gerne weitergemacht.
Nach 23 Jahren schließt die Gaststätte „Haus Theißen“ in Oberhausen. Inhaberin Ulrike Scharnagel hätte noch gerne weitergemacht.
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Nach 23 Jahren schließt die Gaststätte „Haus Theißen“ in Oberhausen. Wirtin Ulrike Scharnagel hätte gerne weitergemacht.

Oberhausen.. Für Ulrike Scharnagel ist heute ein trauriger Tag. Die Wirtin vom Haus Theißen öffnet ihre Gaststätte das letzte Mal. Nach 23 Jahren zieht sie endgültig einen Schlussstrich.

„Ein paar Runden geben wir heute Abend sicher aus“, sagt die 45-Jährige, „aber etwas Besonderes haben wir für unseren Abschied nicht geplant. Ihre Augen werden feucht und Ulrike Scharnagel erzählt weiter: „Mir ist auch nicht zum Feiern zumute.“ Dass es so plötzlich vorbei ist, trifft sie schwer. Denn: Vor etwas mehr als einem Jahr ging es der Eckkneipe an der Akazienstraße / Schlägelstraße noch ausgesprochen gut, wie die Wirtin berichtet.

Mehr als 160 Menschen beteiligten sich an ihren Sparclubs. Zwei Mal im Jahr gab es eine Auszahlung. Ein DJ machte Musik und die Leute feierten. „Wenn wir vorher zur Sparkasse gegangen sind, haben die dort immer große Augen gemacht, wie viel Bargeld wir abholen“, sagt Ulrike Scharnagel.

Haus Theißen war regelmäßiger Treffpunkt

Rund 35 Vereine und Kegelclubs trafen sich regelmäßig bei ihr. Jeden Tag verließen 20 bis 30 Essen die Küche. An Sonn- und Feiertagen waren meist alle Tische besetzt. Zusammen mit ihrer Muter Thea Scharnagel (77) stand sie immer in der Küche. „Mein Gott, wir haben in all den Jahren viele Essen gekocht“, sagt sie mit einem Seufzen. Oft sind in der Küche auch die Fetzen geflogen, wenn es mal stressig wurde. „Später haben wir uns aber immer bei einem Bierchen wieder vertragen“, sagt Thea Scharnagel.

Dann trennte sich Ulrike Scharnagel von ihrem Mann. Was die Arbeit in der Gaststätte im folgenden Jahr auch nicht einfacher machte. Das Rauchverbot war ohnehin schon ein Problem. Dazu kam dann noch, das Sky seine Gebühren anzog. 700 Euro wollte der Pay-TV-Sender von der Wirtin haben. „So viel Geld muss eine Gaststätte erstmal erwirtschaften“, sagt Ulrike Scharnagel. Sie kündigte ihr Sky-Abo. Die Gäste, die wegen der Fußballspiele kamen, blieben daraufhin aber aus. Und zu allem Überfluss gingen böse Gerüchte herum, dass die Gaststätte ohnehin bald schließen würde. „Der Umsatz ist durch all das um 50 Prozent zurückgegangen,“ so die Wirtin.

Ein Verlust für Styrum

Dass sie jemals noch etwas anderes machen würde, als hinter dem Tresen zu stehen, damit hatte sie nicht gerechnet. Direkt nach ihrer Lehre als Restaurantfachfrau machte sie sich selbstständig. Das Haus hatten ihre Eltern gekauft, die schon lange die Gaststätte Bottenbruch in Mülheim betrieben. Als sie ihr Geschäft aufgaben, ermöglichten sie ihrer Tochter den Start in Oberhausen.

Aber jetzt hört Ulrike Scharnagel auf, wechselt noch einmal den Beruf und beginnt einen neuen Lebensabschnitt. Ganz zum Leid vieler Gäste, wie Franz Brittinger, der die Kneipe entdeckte, als er nach Styrum zog. Was er fand, das gefiehl ihm. Er kam immer wieder und sagt über das Ende von Haus Theißen: „Ein großer Verlust.“

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