Hat Oberhausen aufs Centro nicht richtig reagiert?

Peter Szymaniak
Das Oberhausener Centro ist für Burkhard Drescher eine Erfolgsgeschichte. Foto: Hans Blossey
Das Oberhausener Centro ist für Burkhard Drescher eine Erfolgsgeschichte. Foto: Hans Blossey
Foto: Hans Blossey
1996 eröffnete der damalige Oberhausener Oberstadtdirektor Burkhard Drescher das Centro. Er lobt nun in einem Fachaufsatz die Shopping-Center als "neue Innenstädte" - und wirft urbanen Akteuren vor, sie zu Unrecht zu verteufeln.

Oberhausen. 45 Jahre alt war der Oberhausener Oberstadtdirektor Burkhard Drescher, als er im September 1996 das Einkaufszentrum „Centro“, Herzstück der „Neuen Mitte“, nach zweijähriger Rekordbauzeit auf dem Gelände der Gutehoffnungshütte eröffnete.

Auch 15 Jahre später bleibt der am Dienstag 60 Jahre alt gewordene Drescher seiner Linie treu: Als Geschäftsführer seiner Immobilienberatungsagentur BDC (Drescher & Klee Consulting) lobt er in einem Fachaufsatz Shopping-Center als „neue Innenstädte“ und wirft Stadtplanern, Einzelhändlern und Politikern vor, die Einkaufszentren zu Unrecht zu verteufeln. Die Malls auf der grünen Wiese seien an der Verödung der Innenstädte nicht schuld, vielmehr hätten Städte und Immobilieneigentümer nicht richtig auf neue Entwicklungen der Gesellschaft reagiert. So hätten im Gegensatz zu früher leicht mit dem Auto erreichbare Lebensmittel-Discounter in Gewerbegebieten mit ihrem Vollsortiment von Waren des täglichen Lebensbedarfs enorme Kaufkraft aus den Innenstädten abgezogen. Zudem habe sich das Einkaufverhalten von Kunden grundlegend geändert: Weg vom reinen Zweckkauf hin zum Freizeitspaß - vor allem durch Mode als „zentraler Treiber“.

Durchschnittlich 218 Regentage

„Ein Shopping-Center mit mediterranem Ambiente erhält den Vorzug vor dem weitläufigen, witterungsabhängigen Fußmarsch durch die mittelmäßig bestückte Fußgängerzone“, schreibt Drescher, der einst die Marktstraße in Alt-Oberhausen mit einem teuren Glasdach versehen wollte, damit die Innenstadt dem Centro besser Paroli bieten kann. Im Schnitt habe Deutschland 218 Regentage im vergangenen Jahr gehabt - 60 Prozent der Shopping-Tage seien verregnet.

„Die Chance, beim Einkaufen auch Vergnügen zu empfinden, weil das Umfeld komfortabel, sauber und Urlaubsgefühle weckend gestaltet ist, wird zunehmend genutzt, sofern die Alternative besteht.“

Drescher hält es für einen Eingriff in Freiheitsrechte der Bürger, dass die Politik Einkaufszentren nur noch erlaubt, wenn diesen „Zentrenverträglichkeit“ bescheinigt wird. Solch ein Schutzzaun um Innenstädte führe nur dazu, dass sich Vermieter in zu überdimensionierten Fußgängerzonen ausruhten. „Man versucht krampfhaft, Fußgängerzonen mit Kultur und Rummel zu beleben - ohne den Abwärtstrend zu stoppen.“

Kostenlose Parkplätze nötig

A-Immobilienstandorte wie Düsseldorf, Dresden oder Hamburg hätten diese Probleme wegen ihrer hohen Anziehungskraft auf kaufkräftige Kunden nicht, da es sich dort für Investoren lohne, luxuriöse überdachte Einkaufspassagen zu kreieren; B- und C-Standorten jedoch fehle es an Kaufkraft. Diese Städte sollten versuchen, Shopping-Center mit zugkräftigen Anker-Läden in ihre Innenstädte zu integrieren. Diese müssten dann optimal für Autofahrer (kostenlose Parkplätze) und für Nahverkehrs-Kunden angebunden werden. Aber auch diese Strategie führe dazu, dass sich Fußgängerzonen verkürzten und sich die A- wie B-Geschäfte um solch ein Center ansiedelten. Dies könne man in Essen beobachten.

Ohne solch ein Center müssten die Städte ihre Fußgängerzonen erst recht zurückbauen und auf ihren Kern konzentrieren. Im restlichen Bereich sollte neuer Raum für Parkplätze, Dienstleister und Wohnungen geschaffen werden.