Handys im Auto gefährden Menschen in Oberhausen

Andrea Micke
Wie hier am Bahnhof Sterkrade führt die Polizei immer wieder Kontrollen durch. Hier Polizeihauptkommissar Martin Ottersbach im Einsatz.
Wie hier am Bahnhof Sterkrade führt die Polizei immer wieder Kontrollen durch. Hier Polizeihauptkommissar Martin Ottersbach im Einsatz.
Foto: FUNKE Foto Services
Immer mehr Menschen simsen oder telefonieren während der Fahrt. Autofahrer zahlen 60 Euro und erhalten einen Punkt. Radfahrer kostet es 25 Euro.

Oberhausen. 10 Uhr morgens, Brandenburger Straße/Ecke Nordrampe: Gerade hat sich hier die Polizei positioniert, um Autofahrer zu erwischen, die während der Fahrt rechtswidrig mit ihrem Handy telefonieren. Trotz deutlicher Strafen von immerhin 60 Euro und einem Flensburger Punkt für Autofahrer sowie 25 Euro für Radfahrer ignorieren viele Verkehrsteilnehmer in Oberhausen das Verbot, mit einem Mobiltelefon zu telefonieren, zu lesen oder zu simsen.

Die Zahl der Verkehrssünder ist hoch: In diesem Jahr wurden von den Ordnungshütern bis zum 15. Oktober schon 736 Auto- und 37 Radfahrer erwischt. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 727 Auto- und 31 Radfahrer. Im gesamten Jahr 2014 fielen 951 Auto- und 36 Radfahrer auf.

Offensichtlich machen sich diese Fahrer nicht klar, wie gefährlich ihr Verhalten ist. „Wer bei Tempo 50 für eine Sekunde abgelenkt ist, fährt 14 Meter im Blindflug. Das ist lebensgefährlich“, warnte Innenminister Ralf Jäger vor einem Telefonat im Auto.

Handys werden kriminaltechnisch untersucht

Jürgen Fix, den Leiter der Direktion Verkehr, erstaunt immer wieder die Dreistigkeit der Telefonierer: „Sie fahren auf dem Fahrrad mit dem Handy am Ohr bei uns an der Wache in Sterkrade vorbei.“ Manche Telefonierer stünden mit ihrem Auto auch neben einem Polizeiwagen. „Wenn man dann ans Fenster klopft, erschrecken sie sich“, sagt Fix. Sie seien eben völlig konzentriert aufs Telefonieren.

Erst kürzlich hatte Fix selbst ein erstaunliches Erlebnis merkwürdigster Art. Als er auf die Autobahn A 59 auffuhr, verlangsamte ein Lkw immer stärker von 70 auf 50 Stundenkilometer. Dann entdeckte Fix den Grund: „Vor dem Lkw saß eine Frau in einem Pkw, die munter in ihr Handy textete.“ Dabei darf man eigentlich das Telefon im Auto nicht einmal in die Hand nehmen. „Wenn wir nach einem Unfall ein Handy im Auto finden, können wir prüfen, ob derjenige zu der Zeit telefoniert hat“, sagt Fix. Bei Verkehrsunfällen mit schweren Folgen würden Handys auch kriminaltechnisch untersucht.

Eine Geschichte, die bei der Polizei lange die Runde machte, war die von einer Frau, die im Auto in der einen Hand eine Zigarette und in der anderen ein Handy hielt. Als sie angehalten wurde, warf sie vor lauter Schreck die Kippe statt des Handys blitzschnell auf den Boden, behielt aber das Telefon in der Hand. „Die Zigarette kokelte auf der Fußmatte, und die Frau – immer noch mit dem Handy in der Hand – sagte, sie habe nicht telefoniert“, erzählt Fix.

Führerschein ist schnell weg

Manchmal werden Handy-Sünder nebenbei erwischt: Wenn sie von einem Radarwagen wegen überhöhter Geschwindigkeit geblitzt werden, dann wird das Handy am Ohr auch aufgenommen. „Da kommt zur Knolle für zu schnelles Fahren noch die für das Telefonieren hinzu.“

Jürgen Fix sieht auch immer wieder Handwerker oder Paketfahrer, die im Wagen mit dem Handy telefonieren. Das sind ausgerechnet diejenigen Autofahrer, die beruflich unbedingt auf ihren Führerschein angewiesen sind. Schon bei acht Punkten in Flensburg wird der Führerschein nach neuem Recht auf Eis gelegt – und die kommen auf diese Art schnell zusammen.