Handy-Radler leben gefährlich

Eine Hand am Lenker, in der anderen das Handy: Wer so auf dem Fahrrad erwischt wird, muss ein Bußgeld zahlen.
Eine Hand am Lenker, in der anderen das Handy: Wer so auf dem Fahrrad erwischt wird, muss ein Bußgeld zahlen.
Foto: picture alliance / dpa-tmn
Polizei und Verkehrswacht in Oberhausen beobachten immer mehr sorglose Schüler im Verkehr. Ablenkung durch Smartphones verhindert vorausschauendes Fahren

Oberhausen. Kein seltenes Bild: Kopfhörer im Ohr, Musik auf voller Lautstärke und das Handy in der Hand – eine junge Schülerin fährt mit dem Fahrrad die Hiesfelder Brücke in Sterkrade herunter. Sie kann gerade noch einer Laterne ausweichen, da wird sie von einem Polizisten angehalten. Fünf Euro Bußgeld und eine laute Ermahnung – und die Schülerin wundert sich, dass es dafür schon Strafen gibt.

Fahrschüler auf die Probe gestellt

Die Schülerin ist nach Beobachtung von Polizei und Verkehrswacht kein Einzelfall. Völlig sorglos und ohne Problembewusstsein fahren junge Leute nach Angaben von Dieter Elsenrath-Junghans, Vorsitzender der Verkehrswacht Oberhausen, zunehmend Fahrrad auf den Straßen – und telefonieren munter oder schreiben gar eine SMS. Polizeisprecher Axel Deitermann warnt: „Fahrradfahrer, die mit Handy am Ohr unterwegs sind, gehen ein größeres Unfallrisiko ein, da dieses zum einen ablenkt, weil man automatisch einen Tunnelblick bekommt und zum anderen die maximale Lenkradkontrolle verlorengeht, wenn man einhändig das Rad lenken muss.“

Fachmann Elsenrath-Junghans zitiert eine Studie aus Belgien, die im Jahre 2012 Fahranfänger auf die Probe stellte – und belegte, wie die Aufmerksamkeit durch Handys im aktiven Verkehr gestört wird. „Im Zuge der praktischen Autofahrprüfung sollten die Fahrlehrlinge noch eine weitere Prüfung ablegen. Sie mussten gleichzeitig Fahrrad fahren und eine SMS schreiben. Alle Kandidaten scheiterten wegen mangelnder Aufmerksamkeit auf den laufenden Straßenverkehr.“

Man könne als Radfahrer mit Handy nach Erfahrung der Polizei selbst nur schwer verhindern, sich ablenken zu lassen. „Ein klingelndes Mobiltelefon verleitet dazu, es aus der Tasche zu holen und das Gespräch entgegenzunehmen oder eine SMS zu lesen, ohne dabei anzuhalten“, meint Deitermann. „Ich sehe hier ein erhöhtes Gefahrenpotenzial, da die Aufmerksamkeit völlig vom Straßengeschehen abgelenkt wird. Man kann nicht mehr vorausschauend fahren“, erklärt Elsenrath-Junghans.

Das kann allerdings nicht nur gefährlich, sondern auch recht teuer werden: Laut Bußgeldkatalog wird jeder, der telefoniert und gleichzeitig fährt, mit einer Strafe von 25 Euro ermahnt. Auch ein kleine Nachricht oder ein Foto zwischendurch werden mit dem Bußgeld belegt. Schon das bloße Halten eines Smartphones ist verboten.

Polizei und Verkehrswacht raten mobiltelefonverliebten Radlern, eine Freisprechanlage mit Headset zu benutzen. Sie warnen auch vor lauter Musik mit Kopfhörern im Straßenverkehr: Man müsse jederzeit in der Lage sein, auch noch die Sirene des Rettungswagens wahrzunehmen.

 
 

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