Handwerkszeug in zarter Hand

Kursteilnehmerin Jutta Jansen misst aus. Dabei ist Genauigkeit gefragt. Foto: Ulla Emig
Kursteilnehmerin Jutta Jansen misst aus. Dabei ist Genauigkeit gefragt. Foto: Ulla Emig
Foto: Ulla Emig wazfotopool
Ausmessen, Kleistern, Tapezieren: Wie frau das selbst hinkriegt, zeigte Malermeisterin Tamara Pratter bei der Volkshochschule (VHS).

Oberhausen. Der Boden ist abgedeckt, die Wände frisch tapeziert, die Farben stehen schon bereit: Der Umbau scheint gerade erst beendet, da sind im Bert Brecht Haus schon wieder Handwerker am Werk – genauer gesagt Handwerkerinnen. Im Volkshochschul-Kurs „Selbst ist die Frau – Tapezieren und Farbe für Einsteigerinnen“ lernten sechs Frauen am Wochenende Kleistern, Tapezieren, Streichen und das Lackieren von Heizkörpern.

„Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir Frauen in unserem Handwerk nicht ernstgenommen werden“, sagt Malermeisterin Tamara Pratter. Viele Männer seien noch immer davon überzeugt, dass sie den Frauen bei handwerklichen Arbeiten grundsätzlich überlegen seien. „Aber warum soll ein Mann das besser können?“, fragt sich die Kursleiterin kopfschüttelnd und sieht Handlungsbedarf: Sie wolle den Kursteilnehmern vermitteln, dass sie den Männern ebenbürtig sind: „Ich möchte das Selbstbewusstsein der Frauen stärken.“

Begabungen entdecken, Fähigkeiten erweitern

Es gibt viele Gründe, warum Frauen selber tapezieren, streichen oder andere handwerkliche Arbeiten verrichten wollen. Im VHS-Kurs sollen die Teilnehmerinnen ihre Begabungen entdecken, bereits vorhandene Fähigkeiten erweitern und praktische Erfahrungen sammeln. „Sie sollen merken: Ich kann das!“, erklärt Pratter – und lässt die Teilnehmerin nach kurzen theoretischen Erklärungen alles selber ausprobieren.

Das Konzept geht auf: „Hier darf ich ruhig Fehler machen“, freut sich Elke Rundt, die zu schätzen weiß, dass keiner neben ihr steht, der alles besser zu wissen glaubt oder ihr gar die Utensilien aus der Hand nimmt. „Beim nächsten Mal weiß ich dann, wie ich es besser machen kann.“

Tipps vom Profi

„Ich möchte im Sommer meine komplette Wohnung renovieren und wollte mir vorher Tipps vom Profi holen“, erzählt Almut Matthias (30). Sie wolle bei den Arbeiten nicht auf fremde Hilfe angewiesen sein, sondern eigene Ideen umsetzen: „Es ist doch etwas ganz anderes, ob ich etwas selber mache oder machen lasse. Und man freut sich am Ende doch viel mehr über etwas, das man selbst gemacht hat“.

Kurs-Kollegin Regina Bischof (65) ergänzt: „Man kann ja auch nicht für jede Kleinigkeit einen Handwerker bestellen. Das ist doch viel zu teuer.“

Von unerfreulichen Begegnungen mit männlichen Handwerkern weiß fast jede von ihnen zu berichten. „Man wird als Frau doch manchmal gar nicht ernstgenommen“, ärgert sich Cornelia Witzel-Seruwitz über Handwerker, die sie als Frau unterschätzt haben. Das soll sich, wenn es nach dem Willen der Hobby-Heimwerkerin geht, jetzt aber endlich ändern. „Wenn man ein Grundwissen hat, wird man ganz anders wahrgenommen“, ist Witzel-Seruwitz überzeugt.

Vieles ist zu zweit einfacher

„Ich bin in einem Haushalt aufgewachsen, in dem viel gehandwerkt wurde“, erzählt Jutta Jansen (58), während sie ihren Pinsel in den Eimer mit weißer Farbe eintunkt. Sie habe ihre Wohnung schon öfter selber renoviert, dabei aber die Erfahrung gemacht, dass vieles zu zweit einfacher sei. „Ich würde mir wünschen, dass ich aus diesem Kurs viel mitnehmen und es in Zukunft noch besser machen kann“, sagt Jansen und hofft: „Vielleicht kommt man in Zukunft auch allein noch besser klar.“

Ihre selbst tapezierte Wand auf jeden Fall kann sich sehen lassen – wie auch die aller anderen Teilnehmerinnen. Was zu beweisen war.

 
 

EURE FAVORITEN