Großartiges Spektakel fesselt Oberhausener Publikum

Die Puppen-Schauspieler vom Theatr Biuro Podrozy
Die Puppen-Schauspieler vom Theatr Biuro Podrozy
Foto: FUNKE Foto Services
  • Straßentheater auf höchstem Niveau. „Märchen ohne Hoffnung“ interessiert auch Kleine
  • Das liegt am enormen Können der Akteure und an der Inszenierung mit Symbolkraft
  • Drama erzählt vom Schrecken des Krieges und setzt Millionen Menschen ein Denkmal

Oberhausen.. Mit Straßentheater auf höchstem Niveau faszinierte das polnische Ensemble „Reisebüro“ Zuschauer jeden Alters mit seiner Inszenierung „Stille in Troja“ auf dem Altmarkt in der Innenstadt. Ein Spektakel, das in Erinnerung bleibt und beweist: Die Idealform einer Aufführung ist erreicht, wenn sie Emotionen weckt, fesselt und das Publikum mit der Überzeugung entlässt, etwas Einmaliges und Großartiges erlebt zu haben.

Die Geschichte erzählt die Wirklichkeit. Menschen erleben Krieg. Sie versuchen zu überleben und sehen schließlich nur noch den Ausweg in der Flucht. „Aktueller kann’s nicht sein“, meinte eine Zuschauerin.

Papierschiffchen im Wasserstrahl

„Ich gehe in ein anderes Land. Es wird sicher eine bessere Welt geben. Wohin ich auch schaue, sehe ich nur die Trümmer meines Lebens.“ Das ist schlimmer als ein grausames Märchen. Trotzdem halten Kinder gut durch: „Ich hab’ keine Angst!“ Trotzdem halten das auch Erwachsene aus, verfolgen gebannt das Geschehen bis zum letzten Bild, das, anders als im Märchen, keine Hoffnung zulässt und an Symbolkraft kaum zu überbieten ist: Viele kleine Papierschiffchen werden von einem dicken Wasserstrahl einfach weggespült.

Gekämpft, gehofft und doch verloren. Der Zuschauer weiß, dass es genau um die Menschen geht, die er zuvor eine Stunde lang im Überlebenskampf begleitete. Sie wurden beschossen, gequält, erniedrigt, drangsaliert. Jede ihrer kleinsten Hoffnungen wurde jäh wieder zerstört.

Wie kann so etwas Schreckliches so stark beeindrucken? Durch Kunst und Können.

Können ist die selten so perfekt gesehene Fähigkeit, sich wortlos auszudrücken, mit Gestik, Mimik, aufeinander abgestimmtem Zusammenspiel und enormer Körperbeherrschung. Mit den Puppen, die Kinder darstellen, agieren die Schauspieler so, dass der Eindruck entsteht, sie seien lebendig.

Hinzu kommen der geschickte Einsatz von Effekten wie Feuer, verrückten Fahr-Konstruktionen, Stelzenläufern und das Bühnenbild mit der Stadt der Verdammten, dargestellt durch einen Bus. Ein Motorrad, rauchende Säulen, ein Schaukelpferd und verrostete Fässer kommen ins Spiel. Alles wird dramatisiert durch Musik.

All dies transportiert die Geschichte auf eine Theater-Ebene, die sie erträglich macht und ihr eben doch den Charakter verleiht, sie könnte erfunden sein. Ist sie ja auch. Trotzdem gibt es sie. Und sie ist ein Denkmal für Millionen Menschen, denen es eben nicht gelingt, in Europa „ein Flüchtlingsproblem“ zu werden.

„Diese Stadt hat zehn Millionen Seelen“ prangt in großen Buchstaben während der Aufführung über dem Bus, der den Ort darstellt, in dem die Menschen leben, um deren Schicksal es in „Stille von Troja“ geht.

Bravo „Reisebüro“ und vielen Dank Gdanska für die Vermittlung. Dieser Zauber war einsame Spitze.

 
 

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