Graue Wölfe in Oberhausens Multikulti-Viertel vermutet

Schmierereien mit dem Erkennungszeichen der Grauen Wölfe in der Werkstraße der Ripshorstsiedlung in Oberhausen.
Schmierereien mit dem Erkennungszeichen der Grauen Wölfe in der Werkstraße der Ripshorstsiedlung in Oberhausen.
Foto: WAZ FotoPool
Leben Wölfe im Schafspelz in der Riwetho-Genossenschaftssiedlung an der Ripshorster Straße? Der Staatsschutz hält es immerhin für möglich, dass Sympathisanten der "Grauen Wölfe" mitten in der multikulturellen Siedlung wohnen. Denn dort wurden nun deren Symbole an die Wände geschmiert.

Oberhausen.. Mit Symbolen der rechtsextrem-nationalistischen türkischen Gruppierung „Graue Wölfe“ haben Unbekannte in der Nacht zum Donnerstag die Riwetho-Genossenschaftssiedlung an der Ripshorster Straße beschmiert. Am Morgen fanden die Anwohner die berüchtigten drei Halbmonde auf eine Hausfassade und ein Auto gesprüht.

Der Verfassungsschutz warnt vor den Aktivitäten der Grauen Wölfe, welche „eine Politik verfolgen, die eine freie Entfaltung anderer ethnischer Identitäten nicht anerkennt und zu verhindern sucht“, heißt es in einer Broschüre.

Ein Dummer-Jungenstreich?

Die Sprühattacke ist nicht die erste im vergangenen Halbjahr gewesen. Seit Juni wurde die „Ripse“, die als offene, linksgerichtete und multikulturelle Siedlung gilt, bereits weitere zwei Mal mit derartigen Symbolen und noch deutlicheren Botschaften bemalt. So hat man auf einer Tafel „Riwetho – eine Idee setzt sich durch“ den Siedlungsnamen durch „Islam“ ersetzt.

Nicht nur die denkmalgeschützte Siedlung, auch Schilder im nebenan liegenden Gehölzgarten wurden zum Ziel der Sprühattacken. Ein Dummer-Jungenstreich? In der Ripse will man um des lieben Friedens willen darüber nicht gerne spekulieren. Doch mancher Anwohner glaubt nicht daran, sondern vermutet dahinter den Versuch, das gute Zusammenleben der verschiedenen Kulturen zu stören.

"Vielleicht sind es "Wölfe im Schafspelz"

Denn es sollen gezielt bestimmte Gebäude wie das Versammlungshaus sowie Hausfassaden von Genossenschaftsvorständen und ein Auto-Anhänger herausgepickt worden sein. „Häuser, in denen türkische Genossen wohnen, sind davon nicht betroffen“, erzählt ein Anwohner der Siedlung, der jedoch ungenannt bleiben möchte. Er vermutet deshalb: „Der oder die Täter müssen sich hier sehr gut auskennen, oder sogar hier wohnen.“

In jedem der drei Fälle ist Anzeige erstattet worden, aufgrund der rechtsextremen Symbolik ermittelt inzwischen der Staatsschutz in Essen. Ein Ergebnis gibt es bislang jedoch nicht, wie der Essener Polizeisprecher Peter Elke mitteilt: „Wir haben mit etlichen Anwohnern gesprochen, und sie in dieser Sache sensibilisiert. Wenn es weitere Hinweise gibt, gehen wir diesen sofort nach.“ Die Chance, die Täter zu erwischen, schätzt Elke aber als gering ein: „Sie gehen offenbar blitzschnell vor.“ Auch der Staatsschutz hält es für möglich, dass Sympathisanten mitten in der multikulturellen Siedlung wohnen: „Vielleicht sind es Wölfe im Schafspelz.“

 
 

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