Gewinne sprudeln trotz Energiekrise

EVO-Geschäftsführer Hartmut Gieske übt heftige Kritik an der Politik: Sie habe der Energiewirtschaft mehrere Geschäftsmodelle kaputt gemacht.
EVO-Geschäftsführer Hartmut Gieske übt heftige Kritik an der Politik: Sie habe der Energiewirtschaft mehrere Geschäftsmodelle kaputt gemacht.
Foto: Ulla Emig/ FUNKE Foto Services
Wie der Oberhausener Energieversorger EVO zuverlässig elf Millionen Euro Jahr für Jahr ausschüttet.Doch künftige Erträge sind in Gefahr.

Oberhausen.. Es kommt schon einem kleinen, aber in der Öffentlichkeit recht wenig beachteten Wunder gleich: Während die Energieriesen RWE und Evonik ihre Ausschüttungen streichen beziehungsweise Milliarden Euro abschreiben müssen, zeigt sich der mittelständische Oberhausener Energieversorger EVO auf den ersten Blick recht unerschütterlich. Wie schon viele Jahre zuvor zahlt die EVO zuverlässig und stetig auch für das Geschäftsjahr 2015 rund 11 Millionen Euro an ihre beiden Eigentümer aus: an die Stadt und an RWE, die zu gleichen Teilen den heimischen Strom- und Gasverkäufer besitzen. Und das bei einem auf 216 Millionen Euro leicht gesunkenen Umsatz.

Wenn man dann noch weiß, dass die EVO diesmal den Jahresgewinn sogar ausschließlich durch ihr echtes operatives Geschäft erwirtschaften konnte und erstmals seit Jahren nicht auf stille Reserven zurückgreifen musste, reibt sich der Laie verwundert die Augen: Gibt es da nicht schlimmste Turbulenzen auf dem Energiemarkt, stürzen nicht gerade die Strompreise an den Börsen unvorhersehbar ins Bodenlose? Ist das Geschäft durch die enorme Konkurrenz nicht äußerst schwer geworden?

Konzentration aufs Kerngeschäft

Doch, diese Probleme gibt es tatsächlich – und die Realität der Energiewende trifft auch die EVO mit ihrem Geschäftsführer Hartmut Gieske. Nur durch ein schon vor gut zehn Jahren gestartetes straffes Kostensenkungsprogramm mit dem Abbau zahlreicher Arbeitsplätze (von 670 auf 420) und der Verbesserung zahlreicher Geschäftsprozesse ist nach Meinung von Gieske so ein Ergebnis möglich. Doch für die Zukunft sind solche Ausschüttungen in akuter Gefahr. Nach dem jetzigen Stand würden in fünf Jahren fünf Millionen Euro weniger an die Eigentümer ausgezahlt. Deshalb läuft bereits das nächste Effizienzprogramm: Im Kern prüft man, welche Arbeiten andere billiger erledigen können, die nicht zum EVO-Kerngeschäft gehören. Um es dann abzugeben – inklusive der Jobs.

Und schuld an all dem hat nach Meinung von Gieske die unüberlegt, übereilt und hektisch durchgeführte Energiewende: panikartig weg von billiger und sicherer Verstromung mit Kohle und Kernkraft hin zu wankelmütiger und teurer Sonnen- und Windenergie. Die Richtung der Wende hält Gieske durchaus für richtig, die Eile allerdings nicht. Sie belaste unnötig stark durch hohe Steuerlasten auf Strom Bürger und Wirtschaft – sowie die Geschäftsmodelle der Energieindustrie.

Kritik an der Politik

Und hier, über deutsche Energiepolitik, kann sich Gieske, der ehrenamtlich auch noch als Aufsichtsratsvorsitzender von RWO die Geschicke des Viertligisten mitlenkt, so leidenschaftlich ereifern, als wenn RWO der Abstieg in die sechste Liga drohen würde. „Die Politik hat uns drei Geschäftsmodelle kaputt gemacht: Mit Kohlekraftwerken ist kein Geld mehr zu verdienen; der Vertrieb von Strom und Gas bringt durch den harten Wettbewerb von bis zu 208 Anbietern hier in Oberhausen kaum noch eine Gewinnmarge ein; und die Entgelte für die Bereitstellung der Netze sind staatlich so reguliert, dass sie uns kein nennenswertes Ergebnis zum Gewinn mehr liefern.“

Und deshalb ist er erst recht stolz auf das 2015er Ergebnis: 11,2 Millionen Euro Gewinnausschüttung (die Hälfte für die Stadt), 8,7 Millionen Euro Konzessionsabgabe an die Stadt für die Nutzung des Leitungsgebietes, 2,6 Millionen Euro Gewerbesteuer – und eine ähnliche Summe als Sponsoringgelder für Vereine und Verbände in Oberhausen. Eine „Bürger-Dividende“ von satten 20 Millionen Euro also. Zum Vergleich: Die Oberhausener Stadtsparkasse zahlt gerade mal 1,9 Millionen Euro an Gewerbesteuern, gibt 1,3 Millionen Euro Spenden an die Bürgerschaft – und macht darum mehr Wirbel als die EVO.

Zur ganzen Wahrheit gehört auch: Die EVO erwirtschaftet diese Gewinne auch deshalb, weil sie nicht zu den günstigsten Anbietern auf dem Strom- und Gasmarkt gehört – und weil trotzdem die meisten Oberhausener recht beharrlich zu ihrem örtlichen Energieversorger halten.

Der Marktanteil ist angesichts der Schar an Konkurrenten im Strom- (208) und Gasmarkt (126) immer noch erstaunlich hoch: 87 Prozent. EVO-Geschäftsführer Gieske ist davon überzeugt, dass hier neben dem EVO-Service vor Ort und der Sicherheit der Versorgung vor allem auch die Heimatliebe der Oberhausener durchschlägt. „Die Bürger wissen, dass wir eine ganze Menge für Oberhausen tun“, so Hartmut Gieske. „Die anderen Wettbewerber machen das nicht.“

 
 

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