Gewerkschafter kritisiert Polizisten-Versicherung als „Aufforderung zum Betrug“

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Die Polizisten aus Oberhausen, die des versuchten Versicherungsbetrugs bezichtigt sind, galten in ihrer Behörde nicht als Tugendengel. Die Signal-Iduna, bei der die Kommissare eine Police hatten, verzeichnete auffällig viele Schadensmeldungen.

Oberhausen. Nachdem die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen zwei Polizisten wegen versuchten Betruges aufgenommen hat, werden weitere Details über die Art der Versicherung bekannt, die die beiden abgeschlossen hatten. Es handelte sich um eine Police der Polizeiversicherung PVAG, die heute zu Signal Iduna gehört.

Seit November 2009 bot das Unternehmen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes zu offenbar äußerst günstigen Konditionen jene Versicherung zur vorübergehenden Dienstunfähigkeit an, nahm sie wie berichtet aber jüngst aus dem Angebot. Der Grund: Überdurchschnittlich viele Versicherte wollten einen Schaden geltend machen.

Zahlung ab sieben Tagen Dienstausfall

Zu den genauen Konditionen mag man bei Signal Iduna in Dortmund nichts sagen. Nur so viel: „Eine Versicherungsleistung wurde fällig, wenn der Versicherte durch einen Unfall mindestens sieben Tage arbeitsunfähig geschrieben wurde und damit seine Zulagen, etwa für Sonder- und Nachteinsätze, verlor oder gekürzt bekam.“ Aus Polizeikreisen ist zu hören, bei einem zweiwöchigen Ausfall wären etwa 2000 Euro fällig geworden.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP), der die PVAG zu 49 Prozent gehört, soll die Versicherung eine Zeit lang offensiv beworben haben. Der örtliche GdP-Vertreter Volker Serve sagt, er habe schon damals ein mulmiges Gefühl gehabt. „Das ist im Prinzip eine Aufforderung zum Betrug“, so sein Gedanke angesichts des Angebots. Als Ortsgruppe habe man das angemahnt – ohne Erfolg. „Aber man denkt man ja auch, bei Polizisten müsse man sich da keine Sorgen machen.“

Beschuldigte waren intern nicht als Musterknaben bekannt

Musste man offenbar doch, wie sich nun abzeichnet. Und die Statistik der Versicherung weckt den Verdacht, dass die beiden Oberhausener Ordnungshüter nicht die einzigen waren, die der Verlockung möglicherweise erlagen. In der Frage, ob es weitere Ermittlungen wegen Betrugs gibt, hält man sich bei Signal Iduna bedeckt. „Die Ursachen für einen überdurchschnittlichen Schadenverlauf können vielfältiger Natur sein. Eine abschließende Bewertung können wir derzeit noch nicht treffen“, so Sprecher Claus Rehse.

Im Oberhausener Polizeipräsidium regiert derweil weiter das Kopfschütteln – wobei, auch das zeichnet sich ab: So richtig überrascht war man dort nicht, als die Staatsanwaltschaft Anfang der Woche den Verdacht einer vorgetäuschten Straftat öffentlich machte. Die beschuldigten 33- und 39-jährigen Beamten sollen intern nicht als Musterknaben gegolten haben.

 
 

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