Gewerkschaft: Zu viele „unsichere“ Jobs

Fast die Hälfte der Oberhausener hat nach Angaben der Hans-Böckler-Stiftung keine Vollzeitstelle.
Fast die Hälfte der Oberhausener hat nach Angaben der Hans-Böckler-Stiftung keine Vollzeitstelle.
Foto: dpa
44 Prozent der Arbeitnehmer sind in Teilzeit- und Mini-Jobs sowie als Leiharbeiter beschäftigt. Unternehmerverband: Teilzeit nicht unbedingt schlecht.

Oberhausen.. Fast jeder zweite Arbeitnehmer in Oberhausen ist in Teilzeit beschäftigt, hat einen Mini-Job oder ist in einem Leiharbeiterverhältnis. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kritisiert, dass unsichere Jobs, die sogenannte „atypische Beschäftigung“, immer mehr zum Normalfall werden – 43,9 Prozent der Beschäftigten in der Stadt fielen 2014 in diese Kategorie. „Wenn mittlerweile so viele Menschen keinen stabilen Arbeitsplatz haben, zeigt das die Schieflage auf dem Arbeitsmarkt in Oberhausen“, sagt Yvonne Sachtje, Geschäftsführerin der NGG im Ruhrgebiet. Wolfgang Schmitz, Geschäftsführer des Unternehmerverbandes, hält dagegen. „Eine Teilzeitbeschäftigung muss nicht automatisch etwas Schlechtes sein.“

Die Gewerkschafterin Sachtje, die von einer „alarmierenden Tendenz“ spricht, bezieht sich auf eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung – in dieser wurden Daten des Statistischen Bundesamtes und der Bundesanstalt für Arbeit ausgewertet. Demnach waren 34 310 Oberhausener Arbeitnehmer 2014 atypisch beschäftigt, das entspricht bei insgesamt 78 231 Beschäftigten einem Anteil von 43,9 Prozent.

Unbefristete Vollzeit-Stellen sind die Ausnahme

Vor allem die Arbeit in Teilzeit habe daran einen großen Anteil – laut Hans-Böckler-Stiftung gehen 21,7 Prozent der Arbeitnehmer in Oberhausen einer Teilzeitbeschäftigung nach. „Unbefristete Vollzeit-Stellen sind heute zur Ausnahme geworden, gerade für Berufsanfänger“, schließt Sachtje daraus und verbindet damit die Forderung an die Arbeitgeber, wieder „mehr reguläre und tariflich bezahlte Jobs“ zu schaffen.

Wolfgang Schmitz hinterfragt dagegen die Ergebnisse der Stiftung – so werde in der Studie bereits dann von Teilzeit gesprochen, wenn die Wochenarbeitszeit unter 35 Stunden liegt. „Die Bundesagentur für Arbeit legt jedoch eine Wochenarbeitszeit von weniger als 21 Stunden zugrunde, um von Teilzeit zu sprechen“, schildert Schmitz. Er vertritt eher den Ansatz, auf das Einkommen zu schauen. „Wenn das Gehalt ausreicht, um eine Familie zu ernähren, dann ist das vollkommen in Ordnung.“

Ansätze zu flexiblen Arbeitszeiten

Zumal die Möglichkeit einer Beschäftigung in Teilzeit ausdrücklich auch von den Arbeitnehmern eingefordert würde, etwa bei der Familienplanung oder im Alter. „Immer mehr Betriebe räumen ihren Beschäftigten die Möglichkeit ein, ihre Arbeitszeit zu verringern, wenn sie Nachwuchs bekommen haben.“ Als Vorstufe zur Rente gebe es zudem immer häufiger Ansätze zu flexiblen Arbeitszeiten. „Das ist auch ein Weg, um Fachkräfte zu sichern“, so Schmitz.

Dass die Problematik der atypischen Beschäftigung in der Gastronomie größer als in der übrigen Wirtschaft ist, diese Ansicht teilen Sachtje und Schmitz. Dort würden mitunter Vollzeit-Stellen durch Teilzeit-Stellen ersetzt.

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