Gesundheitsminister von Kobane zu Besuch in Oberhausen

Nassan Ahmad (l.), Gesundheitsminister der Provinz Kobane, berichtete über die Situation in Syrien. Dolmetscher Sabri Ürün übersetzte.
Nassan Ahmad (l.), Gesundheitsminister der Provinz Kobane, berichtete über die Situation in Syrien. Dolmetscher Sabri Ürün übersetzte.
Foto: Funke Foto Services
Nassan Ahmad wirbt um Unterstützung: Über 70.000 Flüchtlinge leben in Zelten in der nordsyrischen Stadt. Alle Hospitäler sind zerstört.

Oberhausen.. Monatelang hat der Kampf um die nordsyrische Stadt Kobane die Schlagzeilen in aller Welt beherrscht. Seit Januar sind die Terrormilizen vom Islamischen Staat (IS) zwar vertrieben, aber die Infrastruktur der Stadt ist zu 80 Prozent zerstört.

Um Kontakte für Hilfen zum Wiederaufbau zu knüpfen, ist Nassan Ahmad, Gesundheitsminister der autonomen, von Kurden verwalteten Stadtregion Kobane, zur Zeit auf Europareise. Sie führte ihn jetzt auch nach Oberhausen. Im Linken Zentrum an der Elsässer Straße warb der frühere Krankenhausarzt um Unterstützung.

Angriffe der Terrormiliz IS

Denn die Lage sei ernst, berichtete der Minister. Rund 55.000 Einwohner zählte die Stadt vor Beginn des Bürgerkriegs 2011. Dann schwoll sie durch Flüchtlinge auf über 120.000 Menschen an. Die Angriffe des IS vertrieben die meisten Menschen wieder. 70.000 bis 80.000 Flüchtlinge, schätzt Nassan Ahmad, sind aber wieder zurückgekehrt. Sie leben größtenteils in Zelten. Die Lage dort sei katastrophal.

Seit anderthalb Jahren gebe es nur noch eine einzige Notstromversorgung. Die Wasserversorgung sei zerstört, das Brunnenwasser von zweifelhafter Qualität. „Un­sere vier Krankenhäuser sind alle zerstört“, berichtete Ahmad. Zur Zeit gebe es nur ein Provisorium. Ope­rationen seien nur in der türkischen Nachbarstadt Suruc möglich.

„Kobane ist zum Symbol für den Widerstand ge­gen den IS geworden. Jetzt aber, wo die Region nicht mehr in den Nachrichten auftaucht, ist sie auf sich allein gestellt“, beklagte Ayten Kaplan vom Demokratischen Gesellschaftszentrum der Kurden in Deutschland. Sie sieht die internationale Gemeinschaft in der Pflicht.

Humanitärer Korridor

Denn die Zusammenarbeit mit der Türkei sei genau das Problem. Der Nachbarstaat erschwere zum Beispiel die Durchfahrt von Hilfstransporten aus dem Ausland. Deshalb sei man schon dazu übergegangen, dringend benötigte Hilfsgüter in der Türkei selbst zu kaufen, erzählte Kaplan. Aber dafür werde Geld benötigt. Ziel müsse auf jeden Fall sein, einen humanitären Korridor nach Kobane zu öffnen.

Yusuf Karacelik, der Fraktionsvorsitzende der Linken im Rat der Stadt Oberhausen, hatte Ende April Oberbürgermeister Klaus Wehling noch gebeten, kurzfristig für ein Gespräch mit dem Gast zur Verfügung zu stehen. „Es hat nicht einmal eine Reaktion auf mein Schreiben gegeben.“ Dabei wäre es so hilfreich, wenn die Stadt entweder selbst Hilfsmöglichkeiten ausloten oder wenigstens Kontakte dazu herstellen würde.

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