Geschniegelt und gestriegelt aufm Platz

Jürissen hielt jeden Ball. Am 21. März 1948 gewann RWO 0:2 gegen Schalke 04. V.l.n.r.: Schröder, Kuhlmann, Cornelissen, Jürissen, Stahl, Groß, Trainer Winkler, Juskowiak, Günther, Ostrycharzik, Pyta, Ickeltrath.
Jürissen hielt jeden Ball. Am 21. März 1948 gewann RWO 0:2 gegen Schalke 04. V.l.n.r.: Schröder, Kuhlmann, Cornelissen, Jürissen, Stahl, Groß, Trainer Winkler, Juskowiak, Günther, Ostrycharzik, Pyta, Ickeltrath.
Foto: RWO-Archiv
"Pomaden-Willy" Jürissen war ein Aushängeschild für Rot-Weiß Oberhausen. RWO-Mitglieder erinnern an den berühmten Torwart. Ein Porträt im Rahmen der NRZ-Serie „Söhne und Töchter Oberhausens“.

Oberhausen.. Die weißen Handschuhe waren sein Markenzeichen. Mit ihnen hat Willy Jürissen viele Bälle bei Rot-Weiß Oberhausen gehalten. Auf dem Fußballplatz erschien er stets zurechtgemacht, die weißen Stutzen bis über die Knie gezogen, die Haare glatt gegelt, und für alle Fälle immer einen Kamm in der Gesäßtasche parat.

„Der hatte einen Scheitel, der war wie mit dem Lineal gezogen“, erinnert sich Wolfgang Feldmann, zweiter Vorsitzender des RWO-Fördervereins. Sein adrettes Aussehen brachte dem Torwart bald den Spitznamen „Pomaden-Willy“. Die Mischung aus dem für den Platz sehr ungewöhnlichen Stil und dem sportlichen Erfolg machte Jürissen bald zur Ikone des RWO.

„Willy Jürissen kannte ich natürlich als kleines Kind als den Torwart schlechthin“, sagt RWO-Präsident Hajo Sommers. Als Zwölfjähriger hat er sein Idol oft in der Kneipe an der Grenzstraße gesehen, wenn er seinen Vater vom Frühschoppen abholte. Die Kneipe gehörte Jürissen. Hier stand er auch selbst hinterm Tresen. „Boah, das ist Willy Jürissen“, überwältigt war auch Wolfgang Feldmann, als er den Fußballspieler dort ganz nah vor sich sah. Schon sein Großvater schwärmte in der Nachkriegszeit von Jürissen. „Die hatten damals nichts, außer den Fußball“, erklärt Feldmann.

Lautstark und dickköpfig

1931 war der beliebte Torwart vom SC Viktoria 09 zu den Kleeblättern gewechselt. Ein guter Fang für Rot-Weiß Oberhausen, denn auf dem Platz fiel der spätere Pomaden-Willy nicht nur durch sein Äußeres auf. „Das war ein Torwart, der sehr lautstark war“, sagt Feldmann. Und einen Dickkopf soll er gehabt haben, erzählt Peter Seiwert, Autor der RWO-Chroniken. und nennt ein Beispiel aus späteren Jahren: „Wenn er sich mit Peter Maaßen angelegt hat, dem Vorsitzenden, dann prallten zwei Welten aufeinander.“ Aber was zählte, war schließlich seine Leistung. Jürissen sei ein sicherer Elfmeterschütze gewesen, „immer knallhart“, sagt Seiwert, „Der war nicht so schnell klein zu kriegen.“

Ein Beispiel: Bei einem Auswärtsspiel in Essen hatte sich Jürissen in der 30ern den Arm gebrochen. Während er im Krankenhaus versorgt und der Arm geschient wurde, spielte die Mannschaft zu zehnt weiter. Doch nur bis zur zweiten Halbzeit – dann war Jürissen zurück und nahm trotz Armbruch wieder seinen Platz im Tor ein. „Der war hart im Nehmen“, weiß Seiwert.

Kultstatus bald erreicht

Da wundert es nicht, dass Jürissen bald den Kultstatus erreicht hatte. Sein Bruder Hans spielte ebenfalls bei Rot-Weiß Oberhausen, hat sich da aber nie so recht durchsetzen können. Der Ruhm galt allein dem erfolgreicheren Willy. Der stand bei insgesamt sechs Länderspielen im Tor. Er war der erste von drei RWO-Nationalspielern. Nach ihm schafften es noch Erich Juskowiak und Jürgen Sundermann in die Nationalmannschaft. Zu mehr Einsätzen in der ersten Mannschaft reichte es nicht, sein Rivale war der ihn seinerzeit überragende Hans Jakob vom SSV Jahn Regensburg.

Circa 30 Mal war Jürissen Ersatzmann. 1936 stand er in Berlin auch im Olympia-Aufgebot, wurde allerdings nicht eingesetzt. Auch nach seiner Zeit als Fußballstar war er noch oft im Stadion. Als Zuschauer hatte er seinen Stammplatz auf der alten Haupttribüne. Nach seinem Tod 1990 wurde die Südbadhalle, auf deren Platz Pomaden-Willy bei den Alten Herren gespielt hat, in Willy-Jürissen-Halle umbenannt. Für Wolfgang Feldmann ein schönes Zeichen.

Die Erinnerung verblasst

„Ich finde das toll, wenn Sportstätten nach berühmten Sportlern benannt werden. Dann wird die Erinnerung aufrechterhalten.“ Dabei sei Jürissen laut Autor Peter Seiwert ein bisschen in Vergessenheit geraten. „Heute können sich nur Über-60-Jährige an ihn erinnern.“ Manni Burgsmüller und Kalli Feldkamp seien heute die bekanntesten Spieler. Spezial

Am 13. Mai 2012 würde Willy Jürissen 100 Jahre alt werden. Zu seinem Geburtstag plant der Verein etwas Besonderes. Genaues will Feldmann aber noch nicht verraten: „Der RWO wird Willy Jürissen gebührend würdigen.“ Denn eines steht fest: So einen wie den Pomaden-Willy, den gab es nicht nur in Oberhausen nur einmal.

 
 

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