Geschichten übers Sterben schocken

Im "Crash Kurs NRW" werden Schüler nicht nur ermahnt: Bilder und Geschichten sollen Realität vermitteln.
Im "Crash Kurs NRW" werden Schüler nicht nur ermahnt: Bilder und Geschichten sollen Realität vermitteln.
Foto: Ulla Emig WAZ Fotopool
Schüler der Heinrich-Böll-Gesamtschule verstummen beim „Crash Kurs NRW“. Emotionen statt lauer Ermahnungen. Schilderungen, wie Unfälle enden.

Oberhausen. Irgendwann war da der Moment, in dem die Jugendlichen verstummten. Kein Geflüster mehr, kein Geraune und Geraschel. Den Zustand der absoluten Stille wird Endir (16) später erstaunt beschreiben und sagen: „Normalerweise ist das hier immer etwas hektisch und laut.“ Schulkollegin Rimziye (16) gibt sogar zu, geweint zu haben. Und Sümeyye (16) erklärt nur: „So habe ich mir das nicht vorgestellt.“

Bilder statt Ermahnungen

Was ist an diesem Dienstagmorgen mit 160 Schülern des zehnten Jahrgangs der Heinrich-Böll-Gesamtschule in Schmachtendorf passiert? Das Leben hat sie eingeholt. „Realität. Erfahren. Echt hart.“ Der „Crash Kurs NRW“ der Polizei Oberhausen hält, was er verspricht. Moderator Dirk Marten, eigentlich Polizeibeamter, sagt es gleich vorweg: „Diese Veranstaltung erzählt vom Leben und vom Sterben“.

Laue Ermahnungen, später nicht zu schnell zu fahren, auf Alkohol und andere Drogen hinterm Steuer zu verzichten, sich anzuschnallen oder sich beim Autofahren nicht durchs Handy ablenken zu lassen, dürfen die Jugendlichen nicht erwarten. Statt dessen treffen sie mit voller Wucht Bilder von Menschen, für die eine falsche Entscheidung den Tod bedeutete.

Einer davon ist Sven. Polizeibeamter Stefan Schneider stellt Sven vor. Ein Foto zeigt den jungen Mann, der blutüberströmt auf der Straße liegt. Schneider erzählt, wie Sven vor seinen Augen stirbt. Wimmernd. Sven hatte sich betrunken auf die Rückbank eines Autos gelegt. Er war nicht angeschnallt. Der Fahrer des Wagens, ebenfalls betrunken, baute einen Unfall, Sven flog auf die Straße.

Mutter erzählt vom Tod der Tochter

Feuerwehrmann Eberhard Illigen erinnert plastisch an einen jungen Motorradfahrer, der bei einem Unfall seine Hände verlor. Andreas Knizik von der Feuerwehr kann diese Augen nicht vergessen. „Augen voller Angst, Panik und Reue.“ Sie gehörten einem Motorradfahrer, der zu schnell gefahren war. Die Kollision mit einem Verkehrsschild hatte ihn in zwei Teile gerissen. „Er verblutete unter unseren Händen“, sagt Knizik.

Polizeibeamte, Feuerwehrleute und ein Notfallseelsorger packen die Jugendlichen mit Emotionen. Tief berührt zeigen sich die Zehntklässler von Monika Klaas’ Schilderung, deren Lebenstraum zerplatzte, als sie ihre 15-Jährige Tochter verlor. Das Mädchen wurde von einem Autofahrer, der mit 120 km /h durch die Stadt raste, überfahren. Monika Klaas ist es, die Rimziye zum Weinen bringt. Endir zollt der Mutter eine Menge Respekt, weil sie sich getraut hat, sich vor eine Gruppe von Jugendlichen zu stellen, die normalerweise eben nicht so still bewegt sind.

 
 

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