Gekündigtes Betriebsratsmitglied darf weiter bei MAN in Oberhausen arbeiten

Betriebsratsmitglied Zabit Cumcu (43) darf nun doch weiter für MAN Diesel&Turbo arbeiten. Foto: Winfried Labus / WAZ Fotopool
Betriebsratsmitglied Zabit Cumcu (43) darf nun doch weiter für MAN Diesel&Turbo arbeiten. Foto: Winfried Labus / WAZ Fotopool
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Mit einer Umarmung endete am Montag ein Termin vor dem Arbeitsgericht. Betriebsratsmitglied Zabit Cumcu (43) soll einen Azubi schwer beleidigt haben. Vor Gericht versöhnten sich die beiden Männer - und Cumcu darf weiter für MAN Diesel&Turbo arbeiten.

Oberhausen. Das Unternehmen MAN Diesel&Turbo hatte dem langjährigen Betriebsratsmitglied Zabit Cumcu (43) fristlos gekündigt, weil Cumu einen Azubi schwer beleidigt haben soll. Der Betriebsrat hatte der Kündigung nicht zugestimmt. Und so trafen sich beide Parteien vor dem Arbeitsgericht.

Einige Fragen blieben offen

Einzig zu klärender Punkt: Hatte Zabit Cumcu am 19. November des vergangenen Jahres tatsächlich einen jungen Kollegen, ein Mitglied der Jugend- und Auszubildendenvertretung, übelst beleidigt und womöglich sogar bedroht? In den über fünf Stunden Kammersitzung wurde wieder einmal deutlich: Manche Fragen werden auf ewig unbeantwortet bleiben. So ließ sich einfach nicht klären, ob Cumcu den 20 Jahre alten Azubi, der ebenfalls einen Migrationshintergrund hat, mit schlimmen Kraftausdrücken belegt hatte.

Der junge Mann selber konnte oder mochte die türkischen Begriffe nicht mal vor aller Ohren ins Deutsche übersetzen. Hilfesuchend wandte er sich an den anwesenden Dolmetscher. Der hatte dann die schwierige Aufgabe, der korrekten Übersetzung von Fäkalausdrücken. Der Zeuge selbst: „Ich bin jetzt 20 Jahre alt, in 20 Jahren hat mich mein Papa nie in so einer Weise beschimpft und angeschrien“, erklärte der junge Mann.

Andere Mitarbeiter wollten von einem Streit nichts wissen

Drei ebenfalls türkische Mitarbeiter des Unternehmens, die das Geschehen damals verfolgt hatten, wollten von einem Streit und von Beleidigungen nichts wissen. Ein Zeuge, ein 29-jähriger Industriemechaniker, stellte erst mal eine Cola-Flasche vor sich auf den Zeugentisch, eher er erklärte: „Da wird aus einer Mücke ein Elefant gemacht.“ Und überhaupt hätte Cumcu diesen einen speziellen Kraftausdruck nie gebraucht. „So was hätte ich gesagt, weil ich aus einer Stadt in der Türkei komme, da sagen wir das“, so der Zeuge. Cumcus Sprache sei das nicht. „Der kommt aus einer Stadt, in der man andere Schimpfworte benutzt.“

So weit, so unklar. Ein Betriebsrat, an den sich der 20-Jährige direkt nach dem Vorfall gewandt hatte, erklärte: „Der Auszubildende hat gezittert und von schweren Beleidigungen gesprochen.“ Hatte Cumcu diese Worte wirklich in den Mund genommen?

Der Kläger nahm die Entschuldigung an

Weil sich nicht einmal klären ließ, ob Zabit Cumcu während der Vorfälle am 19. November vor Zorn errötet war, wie von der Klägerseite behauptet wurde oder weil er an hohem Blutdruck leidet, wie er mit Medikamenten demonstrierte, setzte Vorsitzende Annegret Hennemann auf eine Versöhnung der Parteien. Cumcu erklärte auf ihren Vorschlag, für den Fall, dass er den 20-Jährigen durch Wortwahl oder Verhaltensweisen beleidigt haben sollte, sei das nicht seine Absicht gewesen und täte ihm leid. Künftig würde er sich um einen ruhigen und sachlichen Tonfall in Auseinandersetzungen bemühen. Der Auszubildende nahm diese Entschuldigung an. Die Klägerseite verzichtete auf die Kündigung. Jedoch nicht, ohne ausdrücklich darauf hinzuweisen, dem Unternehmen sei es nicht darum gegangen, einen unbequemen Betriebsrat los zu werden.

Die Richterin gab dann auch klar zu verstehen, dass die Ausdrücke, die da angeblich gefallen sein sollen, ein Kündigungsgrund gewesen wären. „Hennemann zudem: „Das ist keine Art im Berufsleben miteinander um zu gehen. Jedenfalls nicht in Deutschland.“

 
 

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