Oberhausen

„Rhein-Ruhr-Ripper“: Frank Gust tötete vier Frauen – diese kranke Fantasie trieb ihn an

Frank Gust im Gespräch mit seinen beiden Verteidigern. Vor 20 Jahren wurde er festgenommen und anschließend in Duisburg zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.
Frank Gust im Gespräch mit seinen beiden Verteidigern. Vor 20 Jahren wurde er festgenommen und anschließend in Duisburg zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.
Foto: dpa

Oberhausen. Es war ein Sonntag Ende November 1999, da endete in Bottrop eine der grausamsten Mord-Serien, die Deutschland je erlebt hat. Vor 20 Jahren wurde der Serienmörder Frank Gust (50) geschnappt!

Mit neun Jahren hatte er sein Meerschweinchen erschlagen, mit 13 stieg er in Leichenhallen ein, mit 25 tötete er zum ersten Mal eine Frau. Drei weitere sollte der „Rhein-Ruhr-Ripper“ bis zu seiner Festnahme noch umbringen.

Frank Gust: Vor 20 Jahren wurde der „Rhein-Ruhr-Ripper“ geschnappt

„Die Taten von Frank Gust waren so schockierend, weil er einerseits ein angepasstes Leben mit Frau und Kind führte. Und andererseits Taten verübte und Fantasien auslebte, die so detailliert grausam waren. Und so vollkommen im Kontrast zu dem normalen Familienleben stehen“, erklärt die Kriminalpsychologin Lydia Benecke (37) das Phänomen Frank Gust.

Sein erstes Opfer ist die südafrikanische Anhalterin Katherine T., die der gelernte Dachdecker am 8. September 1994 kurz vor der holländischen Grenze aufgabelt, vergewaltigt und brutal verstümmelt auf einem Waldweg ablegt. „Er platzierte seine Opfer sehr sichtbar, um den Effekt auf seine Umwelt zu genießen und so andere Menschen zu schockieren“, so Benecke, die als Expertin zum Fall Gust in ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ auftrat.

Grausame Fantasie: Beim Sex einem sterbenden Opfer ans pochende Herz fassen

Zwei Jahre später entdeckt ein Autofahrer bei Mönchengladbach die Leiche einer übel zugerichteten Frau. Es handelt sich bei ihr um die Prostituierte Svenja D. Die Frau hat Gust auf dem Essener Straßenstrich zu sich ins Auto geholt, sie später auf grausamste Art und Weise getötet.

Ihr wird der Kopf abgetrennt, von Brust bis Genitalbereich ist der Körper der Frau aufgeschnitten und das Herz herausgenommen. Für Gust ist dieser Mord nah dran an der maximalen Erregung. Seine ultimative Wunschvorstellung formuliert er später so: beim Geschlechtsverkehr einem sterbenden Opfer ans pochende Herz fassen.

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Wieder zwei Jahre später schlägt Gust gleich zweimal zu. Doch diesmal ist etwas anders. Der gebürtige Oberhausener tötet die Tante seiner Frau. Ihre Leiche wird nie gefunden. Er behauptet später, er habe ihr beim Selbstmord geholfen - aus Mitleid. Das Gericht geht jedoch davon aus, dass er mit dem Mord verhindern wollte, dass sie ihn anzeigt.

„Frank Gust scheint eine seltsame Art der Beziehung zu ihr gehabt zu haben. Hier könnten für Gust Mischmotivationen ein Rolle gespielt haben. Er soll ihr die Taten gestanden haben und wollte möglicherweise verhindern, dass sie ihn verrät. Doch sie soll auch suizidale Absichten gehabt und sich gewünscht haben, dass ihr Leiden ein Ende findet. Das könnte Gust als Rechtfertigung für sich gesehen haben“, glaubt Lydia Benecke.

Noch im selben Jahr schlägt Gust ein weiteres Mal zu. Am 20. Juni tötet er „Sandra aus der W.“. Zuvor quält er die Prostituierte, fesselt sie mit Spanngurten in seinem Auto, beißt sie, verbrennt und martert sie. Am Ende schießt er ihr in den Hinterkopf. Eingeweide interessieren Gust nicht mehr, er genießt es jetzt zu quälen.

Gust deutet Mord bei Mutter an

Die Polizei kommt ihm auf die Spur, weil er gegenüber seiner Mutter einen Mord andeutet. Was ihn dazu angetrieben hat, bleibt sein Geheimnis. Lydia Benecke hat eine Vermutung: „Er wollte sie wahrscheinlich sowohl verletzen als auch einen Beziehungstest machen - wie es für Persönlichkeitsstörungskompenenten, die er aufzuweisen scheint, typisch ist.“

Gust wollte einfach sehen: wWe reagieren seine Mutter und später seine Frau, die er unbedingt im Beisein der Polizisten über alle Details seiner Taten persönlich informieren wollte? Würden sie ihn immer noch lieben, nachdem er einige der schrecklichsten vorstellbaren Taten begangen hat?“

Kriminologin interviewte Gust: „Man kann davon ausgehen, dass er gefasst werden wollte“

Die Kriminologin Petra Klages hat zehn Jahre mit Frank Gust gearbeitet, hat ihn im Hochsicherheitstrakt des Gefängnis besucht, interviewt und ein Buch über Frank Gust geschrieben. Sie ist überzeugt: „Man kann davon ausgehen, dass er gefasst werden wollte. Er hat einen hohen IQ. Wenn er nicht gewollt hätte, wäre er auch nicht gefasst worden.“

Ihr gegenüber hat der Serienmörder die Taten detailliert geschildert, auch in Briefen dargestellt. Sie glaubt, ein Teil der Taten hätten bei einer frühzeitigen Therapie verhindert werden können. „Einige Taten wurden ja innerhalb der Familie entdeckt. Etwa eine Urinsammlung unter seinem Bett. Aber seine Eltern haben nicht reagiert, keine Gespräche mit ihm dazu geführt oder Therapien angestrebt. Es herrschte ein kaltes, pathologisches Klima. Frank Gust war ein notorischer Lügner, ein Einzelgänger, der selbst jahrelang sexuell missbraucht worden ist. Er unterstellte seinen Eltern, dass sie davon wussten und profitierten. Er wurde ab seinem achten Lebensjahr von 100 Pädophilen missbraucht. Was ihm selbst passiert ist, hat er später perfektioniert und sich an Tieren und Frauen vergangen.“

Lydia Benecke: „Viele Risikofaktoren zusammengekommen“

Könnte Gust noch weitere Frauen auf seinem Gewissen haben? „Man kann es bei Serientätern ganz schlecht ausschließen. Oft wollen sie noch ein bisschen Macht behalten in Haft. Wenn sie wissen, sie kommen nicht mehr raus, dann ist es das Letzte, worüber sie die komplette Kontrolle haben“, erklärt Benecke. „Aber für Ermittler gab es trotz ihrer umfangreichen Ermittlungen offensichtliche keine konkreten Anhaltspunkte.“

2000 wird Frank Gust vor dem Duisburger Landgericht wegen vier Morde zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch was machte Frank Gust zu einem brutalen Serienmörder? „Man kann sagen, dass bei ihm viele Risikofaktoren zu finden sind. Das ist glücklicherweise nur sehr selten so ausgeprägt.“

+++ Kriminalpsychologin Lydia Benecke im DER WESTEN-Interview über gefährlichen Sadismus – „DAS ist sicher traumatisch“ +++

Gust tötete schon als Kind Tiere

Was bei Gust markant ist: Er tötete schon als Kind und Jugendlicher Tiere, am Ende waren es etliche Hundert - von Meerschweinchen bis zu Schafen.

„Bei Frank Gust spielten sehr ungünstige Erfahrungen während seiner Kindheit und Jugend eine entscheidende Rolle für seine Persönlichkeitsentwicklung. Er berichtete besonders von emotionalen und sexuellen Misshandlungserlebnissen, die sich laut seiner Darstellung wie ein roter Faden durch seine Entwicklung zogen. Das Ergebnis war eine äußerst ungünstige - und in dieser Form sehr seltene - Kombination aus starken Risikoeigenschaften, die sein Fühlen, Denken und Handeln prägten, gepaart mit gefährlichem sexuellen Sadismus.“

Frank Gust hat im Knast eine Therapie abgebrochen, argumentierte, dass er sich für untherapierbar hält. Offenbar hat er seine Meinung inzwischen geändert. „Meines Wissens hat er vor zwei Jahren wieder eine Therapie begonnen“, sagt Kriminologin Petra Klages.

„Frank Gust kann nicht resozialisiert werden“

Dass Frank Gust jemals wieder aus dem Gefängnis kommt, hält sie für nicht komplett ausgeschlossen. „Ich glaube es gäbe Möglichkeiten, dass er wieder rauskommt. Etwa über den Maßregelvollzug. Aber ich hoffe, dass wird nie der Fall sein. Er hat es selbst gesagt, dass er sich selbst für gefährlich hält. Frank Gust kann nicht resozialisiert werden. Das ist unmöglich.“

 
 

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