Fiktive Bürgerdiskussion als Training

Die Zeit wird langsam knapp und Claudia Unglaub hält noch reichlich viele der roten Karteikarten in den Händen. Und das, obwohl schon zig der selbigen in Grüppchen an den zwei aufgestellten Pinnwänden hängen. Darauf stehen Wünsche und Anregungen von Oberhausenern, wie sie die Marktstraße wiederbeleben wollen. Dabei geht es heute eigentlich gar nicht um die City, sondern vielmehr um die anwesenden Diskussionsteilnehmer.

Verständnis für Interessen

Mit Hilfe eines Rollenspiels wenden Mediatoren in der Ausbildung ihre erlernten Theorien an. Bestehend aus zwei Gruppen simulieren die Teilnehmer eine Bürgerbeteiligung an einem Thema, das viele Oberhausener beschäftigt. Abwechselnd führt das Mediatorenteam durch eine Diskussion. Das Plenum, bestehend aus Auszubildenden die sich als Betroffene ausgeben, soll so zu einer gemeinsamen Lösung kommen.

„Parkplätze schaffen“, „mehr Grünflächen“ und „Abriss von Schrottimmobilien“ steht auf den angepinnten Karteikarten. Die ersten Schritte zur Lösungsfindung liegen bereits hinter den zukünftigen Mediatoren. Angefangen hat alles mit der Frage „Worüber möchten Sie heute sprechen?“

Aus einem einzigen Stichwort wurden schnell viele weitere Ideen geboren. So füllten sich ebenso schnell die nachgereichten Karteikarten, nachdem die Mediatoren dazu aufforderten, noch weitere Themen zu verschriftlichen.

Die „aufgebrachten“ Bürger bescheren den beiden Azubis eine Menge Arbeit, aber sie lassen sich nicht beirren. Souverän führen Sie durch die Diskussion. Schauen zwischendurch hilfesuchend zu Ausbilderin Monique Ridder, Vorsitzende des Vereins Mediation Rhein Ruhr, die bei Fragen und Unsicherheit gerne weiterhilft. „Das Mediatorenteam muss sich passiv verhalten, die Teilnehmer aktiv.“ Vorschläge dürfen Sie den Diskutierenden aber schon unterbreiten. „Aber keine Lösungsansätze. Die erarbeiten die Betroffenen selber“, mahnt Ridder.

Daran halten sich auch Claudia Unglaub und Andreas Howeg. Sie geben Tipps, in welche Kategorie die unterschiedlichen Themenwünsche einzuordnen sind, ansonsten halten sie sich zurück. Welche Themengruppe zuerst diskutiert wird, entscheiden die Mediatoren demokratisch. Langsam nähert sich die Betroffenen einer Lösung an, das Mediatorenteam steht ihnen unterstützend zur Seite.

„Hier geht es nicht um ein Streitschlichtungsverfahren“, resümiert Ingo Aulbach, unter anderem Leiter des DAS Service-Centers Oberhausen. „Die verschiedenen Interessen der Diskussionsteilnehmer werden berücksichtigt.“

 
 

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