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Oberhausen

Freiwild in Oberhausen: „Fi** dich!“ – Mittelfinger, Pogo und sanfte Klavier-Klänge

Frei.Wild in Oberhausen.
Foto: Marcel Storch
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Oberhausen. Ein lautes „Fick dich“ als Gruß an alle Arschlöcher, die jeder im Leben kennt, nicht nur damit brachte gestern die umstrittene Südtiroler Band Frei.Wild in Oberhausen die Königs-Pilsener Arena zum Kochen.

Statt Echo-Verleihung rockte Frei.Wild am Donnerstagabend in Oberhausen. „Ihr habt’s gut getroffen hier“, grüßte Sänger Philipp „Fips“ Burger. Später kam er dann doch kurz ins Stottern: „Ich weiß noch wie wir das erste Mal hier waren in Oberhausen. Wie hieß die Halle...“ Hilfe gab es vom Publikum: „Turbinenhalle!“

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Frei.Wild in Oberhausen: Heimat, Familie, Kameradschaft

Am Donnerstagabend war die umstrittene Deutschrock-Band in der Köpi-Arena. Heimat, Familie, Kameradschaft. Das verkörpert Frei.Wild in ihren Texten. Heimat heißt im Fall von Frei.Wild Südtirol. Die vierköpfige Band, 2001 gegründet, stammt aus Brixen.

Ihre Texte und die Vergangenheit von Sänger Burger in einer rechten Skinheadband haben Frei.Wild das Image der Rechtsrockband verpasst. Populistische Vertärker seien sie - die AfD der Musik sozusagen - das sagen Kritiker. Frei.Wild wehrt sich dagegen vehement und weist rechtes Gedankengut von sich.

Zweimal für Echo nominiert

2008 gelang der Band mit dem Geweih der Durchbruch. Zweimal waren Sie für den Echo nominiert. Beim ersten Mal noch wegen Protesten ausgeladen, räumten sie 2016 den Musikpreis ab. Frei.Wild ist längst angekommen im Mainstream.

An diesem Abend, an dem in Berlin wieder Skandal-Musiker (die wegen anti-semitischen Texten in der Kritik stehenden Kollegah und Farid Bang) den Echo bekamen, sorgten die Südtiroler in Oberhausen für keinen neuen Skandal.

Ihr Album „Rivalen und Rebellen“ war auf Eins der deutschen Charts. Mittlerweile füllen Sie - wie am Donnerstagabend mit mehr als 9.000 Zuschauern - große Hallen.

Das Publikum dabei (größtenteils) schwarz gekleidet, aber doch bunt gemischt: blonde Teenis, tätowierter Glatzkopf im Böhse Onkelz-Shirt oder unscheinbarer Normalo. In der Mehrheit männlich, aber gut gelaunt und friedlich. Eine große Rock-Party eben.

Ruhige Rhythmen und fliegende Mittelfinger

Und was sie zu sehen bekamen, war bei allen Diskussionen eine gute Show. „Rivalen und Rebellen“ - so heißt nicht nur die Tour, sondern auch der erste Song. Bei "Rock N‘Opposition" wurde der Wutbürger-Mittelfinger ausgepackt und erstmals fleißig gepogt.

Ruhiger ging es bei „Herz schlägt Herz" zu - da durfte schon mal mit dem Nebenmann geschunkelt werden. Frei.Wild bot die gewohnte Mischung aus harten maskulinen Deutschrock-Songs wie „Lügen“ und ruhigem Piano-Sound bei „Verbotene Liebe“ oder „Wenn mein Licht erlischt“.

Die Fans dankten es mit immer wieder kehrenden „Oh wie ist das schön“-Gesängen.

Nicht fehlen durfte natürlich auch „Südtirol“, längst so etwas wie die Hymne der italienischen Region, in der es seit längerem Unabhängigkeitsbestrebungen gibt.

Zum Abschied gab es noch einen fetten Konfettiregen beim „Land der Vollidioten“ und ein Statement an die Kritiker: „Die denken, Heimatliebe ist gleich Staatsverrat. Wir sind keine Neonazis und keine Anarchisten. Wir sind einfach gleich wie ihr.“

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Fr, 10.08.2018, 10.49 Uhr