Feuchte Gartenparty - 46.000 Raver trotzen dem Regen bei Ruhr in Love

Alles so schön bunt hier: Ruhr in Love  in Oberhausen.
Alles so schön bunt hier: Ruhr in Love in Oberhausen.
Foto: Ulla Emig
Erst kamen die Regen-, dann die Klangwolken: 46.000 Raver haben am Samstag im Olga-Park in Oberhausen-Osterfeld das Elektro-Festival „Ruhr in Love“ gefeiert. 400 DJs sorgten für eine Rekord-Beteiligung an den Plattentellern. Kein Plan ohne Plane: Gegen das Nass hatte jeder sein eigenes Rezept.

Oberhausen.. Die moderne Pop-Kultur ist mit „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauss zuletzt nicht gerade zimperlich umgegangen: Beim MTV-Schabernack „Jackass“ musste das Werk zur Untermalung dümmlicher Mutproben herhalten. Al Bundy verlieh damit in der Sitcom „Eine schrecklich nette Familie“ einer selbstgebastelten Schuh-Dokumentation monumentalen Nonsens und selbst Picknick-Korb-Stibitzer Yogi Bär durfte schon zur Strauss-Komposition über die Kinoleinwand tapsen.

Von daher hätten die Adaptionen, die am Samstag häufig über die Wiesen des Olga-Parks in Oberhausen-Osterfeld wabern, den Altmeister wohl völlig kalt gelassen. Beim Elektro-Festival „Ruhr in Love“ wird die stilprägende Melodie regelrecht in Luft gejagt. Im 4/4-Takt krempeln Discjockeys das Klangwerk vollkommen um - mit Wumms und Bumms. Ein Meisterwerk zum Nachtanzen.

400 Diskjockeys und 40 Freiluft-Tanzflächen

Im Elektro-Genre ist so etwas üblich. „Eigentlich“, so sagt Patrick Becker, „darf ein DJ vor einem Auftritt nicht zu viel planen.“ Erst die tatsächliche Stimmung auf der Tanzfläche diene dem Mann, der den Takt vorgibt, als eine Art Betriebsanleitung. „Du musst hingucken. Die Stimmung spüren, reagieren und vorausschauend handeln“, meint er. „Einfach nur Lieder aussuchen, ist in dem Job nicht genug.“ Becker legt selbst regelmäßig auf. Der 31-Jährige arbeitet seit 14 Jahren als DJ. Diskothek, Firmenfeiern, Jubiläen. Heute hat er frei und schaut der Konkurrenz auf die Finger.

400 seiner Kollegen haben im Olga-Park zehn Stunden lang alle Plattenteller voll zu tun. 40 Freiluft-Tanzflächen beschallen gleichzeitig, was die Boxen-Membran aushält. Besonders laut wird es bei der angesagten DJ-Riege Torsten Kanzler, Robin Schulz und Klaudia Gawlas. Das Gelände der ehemaligen Landesgartenschau verwandelt sich in eine Klang-Kirmes: Mit verliebten Pärchen, die sich ein Eis auf der Parkbank teilen. Mit Freunden des Nervenkitzels, die am Bungee-Kran anstehen. Und Karawanen, die Döner-Taschen und Pommes-Schalen zu Liegeplätzen im Gras balancieren.

Mainstream bis Waschmaschine

Alles zuckt, alles wippt. Die Stimmung ist gut. 46.000 Fans sind hörig. Die etablierten Veranstaltungen für Elektro-Stilrichtungen wie House, Trance, Techno und Hardcore konzentrieren sich immer mehr. Neben „Nature One“ im Hunsrück und der „Mayday“ in Dortmund gehört „Ruhr in Love“ zu den großen Festivals des Genres.

EDM „Hier gibt es richtig viel Auswahl, aber ich höre eigentlich nur House“, sagt Nicole Dreyer (26) aus Essen. Das Festival serviert viele Hör-Häppchen. Die meisten wissen jedoch ganz genau, was in ihre Ohrmuschel gelangen soll. Die synthetisch erzeugte Klangkraft unterscheidet sich in Tempo, Rhythmus und Melodik. Vom Radio-tauglichen Mainstream bis zu dem, was taktlose Laien Waschmaschinen-Geräusche schimpfen, ist alles dabei.

Bekenntnis zum Standort Oberhausen

Das Wetter spielt diesmal nur bedingt mit. Gleich zu Beginn gibt es eine kräftige Dusche aus den Wolken. Kein Plan ohne Plane: Discjockeys dichten ihre Technik ab. Tänzer mit ärmelfreien T-Shirt und Sonnenbrille putzen am Schuhwerk. An einigen Guy-Fawkes-Masken perlen Wassertropfen ab. Ansonsten hilft nach dem Nass nur noch: Oberkörper frei. Spätestens nach dem nächsten Schwung Nass sind auch die eitlen Pflegeversuche vergessen. In der Ferne grüßt die Schleuse. Garten-Party extrem.

Immerhin: Sonne gibt es kurzzeitig auch. Gemütliches schlummern auf den Wiesen ist indes seltener geworden. Einige Tanzflächen sind bei „Ruhr in Love“ neu hinzugekommen. Das Familienfest der elektronischen Musik, wie es Veranstalter I-Motion nennt, ist weiterhin auf Wachstumskurs. Noch sei die Obergrenze für Beschaller und Besucher für das Gelände nicht erreicht, hat der Ausrichter durchblicken lassen. Oberhausen ist als Austragungsort für die kommenden Jahre gesetzt.

Kampf gegen Drogen - 395 Strafanzeigen

Die Polizei durchlebt bei „Ruhr in Love“ indes einen arbeitsreichen Tag: Rauschgiftfahnder nehmen 22 Verdächtige wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz fest. Dazu gibt es 395 Strafanzeigen. Ein 27-jähriger Festival-Besucher aus Hagen wird festgenommen, weil er Polizei-Beamte und Rettungskräfte mit einer Flasche bewirft.

 
 

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