Ex-Mitarbeiter und junge Talente besichtigten Oxea-Werksgelände

Felix Laurenz
Hans-Günther Heynck zeigt seiner Frau, wo er früher gearbeitet hat.
Hans-Günther Heynck zeigt seiner Frau, wo er früher gearbeitet hat.
Foto: Ulla Emig WAZFOTOPOOL
Für Hans-Günther Heynck war es der Besuch bei Chemieunternehmen Oxea ein ganz besonderer. Dank der Aktion „WAZ öffnet Pforten“ konnte der ehemalige Chemielaborant nach über 40 Jahren wieder zurück an seinen alten Arbeitsplatz. Er wollte auch wissen, was „sich verändert hat.“

Oberhausen. Hans-Günther Heynck ist glücklich, wieder hier zu sein. Im Oktober 1969 hat er bei der damaligen Ruhrchemie AG seine Lehre als Chemielaborant abgeschlossen. Anschließend arbeitete er dort ein Jahr lang im Labor, schrieb seine Studienarbeit. Der spätere Diplom-Ingenieur hat die Ruhrchemie zwar anschließend verlassen, aber so ganz aus dem Kopf gegangen ist ihm das Werksgelände wohl nicht, auf dem er seine ersten Schritte ins Berufsleben gemacht hat.

Deshalb hat Heynck sich bei der Aktion „WAZ öffnet Pforten“ gemeldet, um seiner Frau den alten Arbeitsplatz, das heutige Oxea-Werk, vorzuführen. „Außerdem war ich neugierig, was sich verändert hat.“ Doch auch junge Menschen haben sich bei der Aktion angemeldet. Lukas Biesen und Kai Terlinden etwa, die sich für Chemie interessieren. Sie wollen das Fach später studieren und sich schon einmal am möglichen Arbeitsplatz umschauen.

Unbekannte Alltagsprodukte

Bevor aber die Führung über das Werksgelände beginnt, erklärt Oxea-Sprecherin Birgit Reichel, was man über ihr Unternehmen wissen sollte: „Unsere Produkte sagen ihnen wahrscheinlich nicht so viel“, entschuldigt sich Reichel vorweg. Und in der Tat wirken Produktnamen wie Oxo-Derivate oder Oxo-Intermediates ziemlich fremd. Dabei kann man diese Produkte durchaus in alltäglichen Dingen wie Pflanzenschutzmittel, Schmiermittel für Motoren sowie Farbe finden. Von Klaus Spann, dem Leiter der Werksführung, erfahren die WAZ-Leser außerdem, dass ausgerechnet die übel riechende Buttersäure wichtiger Bestandteil bei der Produktion von Parfüm ist. Spann ist ein echter Kenner des Werksgeländes. Schon 1973 fing er bei der damaligen Ruhrchemie AG an, war lange Laborleiter.

Größer, als gedacht

SerienKurze Zeit später führt Spann die Besucher raus auf das riesige Werksgelände, vorbei am gewaltigen Kühlturm mit Holzverkleidung, an dem das Wasser wie an einem Wasserfall herunterjagt. Unter Sicherheitshelmen und ausgestattet mit Schutzbrillen laufen die Besucher über lange Straßen voller Rohre und Chemieanlagen.

Interessiert und aufmerksam sieht sich WAZ-Leser Hans-Dieter Migas um: „Als Schmachtendorfer wollte ich mir das Werk mal ansehen, an dem ich jeden Tag vorbei fahre. Und ich muss sagen, dass es deutlich größer ist, als es von der Straße aussieht.“ Tatsächlich gibt es auf dem Oxea-Gelände sogar ein eigenes Straßennetz. Die Namen der Straßen bestehen entweder aus einer Nummer oder einem Buchstaben. So können sich Werksangehörige auf dem weitläufigen Gelände leichter orientieren und einen Treffpunkt ausmachen, etwa „D6“.

Mit einem leicht mulmigen Gefühl blicken einige Leser auf die vielen gelben „Ex“-Schilder am Straßenrand. Sie kennzeichnen besondere Sicherheitszonen, in denen Explosionen auftreten könnten. Deshalb mussten die WAZ-Leser zu Beginn der Führung auch ihre Handys ausschalten, sogar Fotokameras sind ebenfalls nur in bestimmten Bereichen erlaubt.

Werksfeuerwehr passt auf

Spann kann aber beruhigen, selbst nachdem ein Leser einen Arbeiter mit Schweißgerät in einer „Ex“-Zone entdeckt hat: „Wenn hier etwas Riskantes gemacht wird, dann nur mit Genehmigung und unter strengster Kontrolle.“ Und sollte doch mal etwas passieren, kann Oxea auf eine eigene Werksfeuerwehr zurückgreifen, die auf die besonderen Brandgefahren eines Chemiewerks spezialisiert ist. Manchmal rückt die Wehr auch aus, wenn ein Chemielaster auf der nahe gelegenen Autobahn einen Unfall hat und die Oberhausener Feuerwehr Hilfe anfordert – allerdings nur, so lange die Oxea-Feuerwehrleute es von dort aus schaffen, auch in weniger als drei Minuten zum Werk zurück zu kommen.

Hans-Günther Heynck, der ehemalige Chemielaborant der Ruhrchemie schwelgt derweil in Erinnerungen, zeigt seiner Ehefrau, wo er früher gearbeitet hat und schwärmt: „Es war schon sehr eindrucksvoll, nach so vielen Jahren hier hin zurück zu kommen.“