Erst geliebt, dann ausgesetzt

Petra Barth vom Tierschutzverein Oberhausen hat Schildkröten bei sich aufgenommen, die ausgesetzt wurden.
Petra Barth vom Tierschutzverein Oberhausen hat Schildkröten bei sich aufgenommen, die ausgesetzt wurden.
Foto: WAZ FotoPool
Tierschutzverein Oberhausen: So viele Schildkröten in Obhut wie noch nie. Auch der Kaisergarten verzeichnet einen deutlichen Zuwachs.

Oberhausen.. Einer Schnappschildkröte wie Lotti, die im Oggenrieder Weiher im Allgäu ihr Unwesen treibt, wird man in Oberhausens Gewässern wohl nicht begegnen. Eher entdeckt man bei einem Spaziergang entlang des Teichs im Kaisergarten Schildkröten an den Ufern.

„Bei uns werden in der letzten Zeit immer häufiger Wasserschildkröten ausgesetzt. Die leben hier aber sehr friedlich“, so Dr. Anette Perrey, Leiterin des Tiergeheges. Allein für manchen Fisch mag’s bedrohlich werden: „Die Schildkröten fressen sehr gut und machen sich an diesen zu schaffen.“

Zunahme der Fundtiere ist enorm

Nicht nur im Kaisergarten werden zur Ferienzeit vermehrt Schildkröten ausgesetzt, auch der Verein der Tierfreunde – Tierschutzverein Oberhausen bekommt dies zu spüren: „Noch nie habe ich so viele Schildkröten gehabt wie in diesem Jahr. Alle sind ehemalige Fundtiere. Die Zahl der ausgesetzten Reptilien ist enorm gestiegen“, so Petra Barth, Vorsitzende der Organisation.

Zur Zeit leben sieben Landschildkröten in ihrer Obhut. Seit dem letzten Jahr betreut sie ehrenamtlich und mit viel Engagement die ihrem Schicksal überlassenen Tiere. Zu ihrer Schildkröten-Truppe gehört seit zwei Wochen auch eine tunesische Landschildkröte, die, wie alle anderen Schildkröten in ihrer Obhut, zu den geschützten Arten zählt. Deshalb wurde der Neuankömmling vermutlich nach Deutschland geschmuggelt – Weibchen haben einen geschätzten Marktwert von circa 600 Euro. Mit Besorgnis nimmt sie diese Veränderung wahr: „Das gab es noch nie, dass eine solche Schildkrötenart bei mir abgegeben wurde.“

Illegale Haltung wird mit Geldstrafe geahndet

Gründe, warum die Tiere schließlich ausgesetzt werden, gibt es viele: Schildkröten stehen unter Artenschutz und müssen von ihren Haltern unmittelbar nach dem Kauf bei der Unteren Landschaftsbehörde der Stadt Oberhausen angemeldet werden. Zusätzlich wird für die Haltung der Tiere eine Genehmigung benötigt, die nur mit einem vorhandenen Kaufvertrag oder gültigen Papieren (EU-Bescheinigung) ausgestellt werden kann – nur so wird ein legaler Erwerb durch den Käufer nachgewiesen.

Die Genehmigung bleibt aber lediglich gültig, wenn sie durch eine Fotodokumentation der Schildkröten immer wieder aktualisiert wird. Bei der Dokumentation werden Bilder vom Bauch- und Rückenpanzer der Tiere gemacht, um die Schildkröte eindeutig identifizieren zu können. „Häufig sind diese Dokumente nicht vorhanden, so dass viele Halter ihre Schildkröten aus Angst vor Strafe aussetzen. Eine illegale Haltung und wird mit einer Geldstrafe geahndet“, so die Vorsitzende.

Die Anschaffung und Haltung von Schildkröten ist sehr zeit- sowie kostenintensiv und bedarf einer detaillierten Kenntnis über exotische Tiere. Petra Barth bestätigt, dass „die meisten Menschen zu blauäugig bei einem Kauf vorgehen und viel zu spät merken, dass sie mit der Haltung überfordert sind.“

Fehlende Kenntnis über die Haltung

Um solchen Problemen vorzubeugen, empfiehlt sie: „Vor dem Kauf sollte man sich genau über die Haltung der Tiere informieren, insbesondere über den Winterschlaf. Viele wissen beispielsweise nicht, dass Schildkröten regelmäßig entwurmt werden müssen! Man stößt sehr oft auf Unwissenheit bei den Besitzern.“

Petra Barth berät gerne persönlich vor einem Kauf und gibt fachkundige Tipps rund um das Thema artgerechte Haltung von Schildkröten (www.tierschutzverein-oberhausen.de).

 
 

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