Eltern wollen keine Primusschule

Andrea Rickers
Die Ruhrschule bleibt eine katholische Bekenntnisgrundschule.
Die Ruhrschule bleibt eine katholische Bekenntnisgrundschule.
Foto: kerstin bögeholz
Zu wenig Anmeldungen für die neue Schulform. Schule wird nicht gegründet

Oberhausen. „Könnten Sie sich vorstellen, ihr Kind an einer Primusschuleanzumelden?“ Im Juni dieses Jahres hatten noch 144 Eltern diese Frage positiv beantwortet und damit ein ausreichendes Interesse an dieser neuen Schulform bekundet, in der Kinder von der ersten bis zur zehnten Klasse gemeinsam lernen sollen. Ausreichend insofern, als dass die Stadt sich nach einem entsprechenden Ratsbeschluss um eine Teilnahme am NRW-Schulversuch Primusschule bewerben konnte.

Dann kam am 27. September die Zusage des Ministeriums: Ja, Oberhausen kann diese neue Schule gründen – sofern genug Anmeldungen zusammenkommen (Viersen, Titz, Herdecke, Münster und Pulheim sind ebenfalls in dieser zweiten Genehmigungsrunde dabei). Jetzt musste es schnell gehen und seit gestern Mittag, 13 Uhr, ist klar: Es sind zu wenige, nur 34 Kinder wurden am Montag und Dienstag dieser Woche angemeldet. Es hätten aber 75 sein müssen.

Die neue Schule kann also hier nicht gegründet werden. „Die katholische Ruhrschule, in deren Räumen die Primusschule entstehen sollte, bleibt daher in ihrer Form erhalten“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Das Rathaus bedauert dieses Ergebnis und „bedankt sich für den intensiven Einsatz aller am Projekt Beteiligten“.

Konzept erarbeitet

Eine federführende Beteiligte ist Sabine Schumann, Leiterin der Ruhrschule, seit zwei Jahren mit der Erarbeitung eines Konzepts für die Primusschule beschäftigt. Ihre Enttäuschung ist am Telefon greifbar. „Das ist ganz schade und ein echter Verlust für Oberhausen“, sagt Schumann, die wie ihre Mitstreiter überzeugt davon ist, dass die Primusschule eine Möglichkeit gewesen wäre, Kinder individuell in einem vergleichsweise überschaubaren System zu fördern. „Primus“ sollte den Kindern einen Schulwechsel nach der vierten Klasse ersparen. „Es wäre eine Schule für alle gewesen“, bedauert Schumann.

„Die Eltern, die ihre Kinder angemeldet haben, waren sehr bildungsnah und kamen aus allen Schichten und Religionen“, so die Grundschulpädagogin, „aber wir hätten vielleicht mehr Zeit für Überzeugungsarbeit gebraucht“. Einen weiteren Anlauf wird es nicht geben, „das war die letzte Möglichkeit, die Primusschule als Modellschule in Oberhausen zu installieren“, sagt Ulrich Hinz, Fachbereichsleiter Schulorganisation bei der Stadt.