Elektromobilisten machen Halt in Oberhausen

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  • Beim Stopp am Zentrum Altenberg dominieren die Extreme.
  • Die einen fahren Mini-Autos mit Elektroantrieb, die anderen den teuren Tesla.
  • Nur die Betriebskosten sind unschlagbar niedrig.

Oberhausen..  Vergeblich wartete Dr. Burkhard Zeppenfeld, Chef des LVR-Industriemuseums an der Hansastraße, am Samstag auf die angekündigte große Flotte von Elektroautos, die auf ihrem Weg von Bergkamen nach Duisburg vor dem Museum Halt machen wollte. Mit großer Verspätung trudelte schließlich gerade einmal eine Hand voll Fahrzeuge ein. Wer aber geduldig wartete, konnte von den Fahrern schon Interessantes erfahren.

Zum Beispiel bei Michael Rieken aus der Nähe von Lingen im Emsland. Er fuhr als Erster und gleich mit dem Top-Elektroauto vor, das derzeit auf dem Markt zu haben ist: mit dem Tesla Model S. Das ist eine amerikanische Luxuslimousine, die mittlerweile den Spitzenmodellen von Mercedes und BMW in den USA den Rang abgelaufen hat – und das als reines Elektroauto, nicht also mit ergänzendem Elektroantrieb (Hybrid).

Wirtschaftlich war’s nicht vertretbar

„Ich fahre nie wieder etwas anderes“, schwärmte der Fahrer. Völlig geräuschlos war er mit dem Hochleistungs-Fahrzeug (0 auf 100 km/h in 5,6 Sekunden) vorgefahren. Danach öffnete er bereitwillig alle Türen. Einen Motor sucht man vorne wie hinten vergeblich. Auch der Platz unter der Fronthaube kann als Kofferraum genutzt werden. „Der Elektromotor sitzt zwischen den Hinterrädern“, erklärte Rieken.

Je nach Fahrweise kommt er mit einer Batterieladung 400 bis 500 Kilometer weit. Der Clou bei Fernreisen: Das Nachladen der Batterie (30 Minuten für 200 Kilometer) sei an den alle 150 Kilometer aufgestellten Ladestationen des Herstellers Tesla sogar kostenlos. „Teuer ist nur die Anschaffung“, sagte der stolze Besitzer: 80 000 Euro. „Aber ein vergleichbarer Mercedes oder BMW kostet ähnlich viel.“

Elektromobilität ist immer noch ein Fall für Spezialisten. Das machten Gespräche mit anderen Fahrern deutlich, die Oberhausen bei der jährlichen Tour de Ruhr der Initiative Solar- und Elektrofahrzeuge Ruhrgebiet (ISOR) ansteuerten. Rüdiger Bettermann aus Dortmund etwa erwarb 2009 ein gebrauchtes Elektro-Dreirad des früheren dänischen Herstellers City Com. „Mich hat mal jemand mit so einem Fahrzeug fahren lassen“, berichtete er. Seitdem sei er davon begeistert. Zwar hat er für das damals 18 Jahre alte Vehikel (Spitze: 70 km/h) nur 1500 Euro bezahlt. Der Neupreis habe rund 12 000 Mark betragen. Doch habe er ein Mehrfaches investiert, um es wieder alltagstauglich zu machen. Die Reichweite beträgt 70 bis 100 Kilometer. So passte der gelernte Elektriker das Fahrwerk an die schlechten Straßenverhältnisse im Ruhrgebiet an. „Die meisten Elektrofahrer sind es aus Spaß“,erklärte Bettermann, „nicht wegen des Öko-Gedankens“.

Sylvia Illberger (28) aus Lüdinghausen ist seit ihrer Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin von der Elek­tromobilität überzeugt. Freilich konnte sie sich als Azubi nur einen gebrauchten Hotzenblitz leisten, ein Elektrofahrzeug von der Größe eines Smart, vierrädrig, aber mit Kunststoffkarosserie und Stofftüren- sowie -verdeck. Knapp 10 000 Euro bezahlte sie dafür damals – ohne Batterie. Die Bleibatterie für 60 Kilometer Reichweite kostete nochmals 2500 Euro. Mittlerweile hat Illberger auf eine moderne Lithium-Ionen-Batterie für 6000 Euro umgerüstet und damit die Reichweite ihres 110 km/h schnellen Flitzers verdoppelt. Dafür spart sie beim Fahren: „Ich fahre 120 Kilometer für 2,70 Euro.“

„Wirtschaftlich war’s nicht vertretbar“, räumte Martin Behrs aus Dortmund ein, „dass ich meinen Smart von Benzin- auf Elektroantrieb umgebaut habe.“ Auch der Elektroingenieur ist Fan des Elek­troantriebs. Bei seinem 2009 gebraucht erstandenen Smart wäre nach nur 108 000 Kilometern 2010 ein neuer Benzinmotor fällig gewesen. Da entschloss er sich, das Fahrzeug umzurüsten. „Wir haben diesen Umbau 2010 auf der Hannover-Messe live demonstriert.“ Danach habe Smart selbst eine Elektroversion auf den Markt gebracht – für 26 000 Euro. Auch sein Umbau, sagt Behrs, habe ihn 15 000 Euro gekostet. Die 110 Kilo schwere Batterie auf dem Fahrzeugboden verleihe dem Smart hervorragende Straßenlage. 80 Kilometer weit kommt er mit einer Ladung. Das Schnellladen dauere eine Stunde – an der normalen Steckdose acht Stunden.

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