Einmalige Theater-Tour in die Zukunft des Ruhrgebiets

John-Lennon-Platz: Straßentheater mit Publikumsbeteiligung gab es gleich an mehreren Stellen in Oberhausen.
John-Lennon-Platz: Straßentheater mit Publikumsbeteiligung gab es gleich an mehreren Stellen in Oberhausen.
Foto: Ulla Emig/WAZ FotoPool
Projekt „54. Stadt“ verwandelt Oberhausen und Mülheim in ein verbundenes Spielfeld. Gleich vier künstlerische Kollektive setzen Jörg Albrechts Science-Fiction-Roman gelungen in Szene.

Oberhausen.. Ein Erfolg waren die Theater-Touren, allein schon als gelungene Abenteuer, die vielleicht nie mehr geboten werden. Am Freitag, Samstag und Sonntag führten sie in die Zukunft, in die „54. Stadt“. Ruhrstadt im Jahr 2044 wurde von gleich vier Theater-Kollektiven in Szene gesetzt, auf einem Oberhausen und Mülheim verbindenden Spielfeld. Das lockte vor allem auch sehr viele jüngere Zuschauer in die Premiere.

Durchhaltevermögen war gefragt: Dauer von 17.30 Uhr bis nach Mitternacht. Wer sich darauf einließ, erlebte, dass Theater mehr kann, als „Ihr spielt da auf der Bühne und wir sitzen im Zuschauerraum und schauen zu“. Viele hatten Spaß, gemeinsame Erlebnisse führten zu neuen Bekanntschaften. Wer nicht dabei war, kann die beiden Bühnen-Höhepunkte der Gesamt-Schau künftig noch sehen.

Roman ist erst frisch im Handel

Der Hauptgewinn der Gesamt-Show geht an Jörg Albrecht. Er, der Autor von „Anarchie in Ruhrstadt“, erreicht, dass sein Science-Fiction-Roman mehr als zweifaches Bühnen-Format zu dem Zeitpunkt bekommt, als er gerade erst frisch im Handel ist. Wer hat das schon geschafft vor ihm? Alles, was zu sehen ist, hat mit Albrechts Visionen zu tun. Alle beteiligten Theater-Kollektive lassen sich auf seine Idee ein.

2015: György Albertz, Schriftsteller, übernimmt das Ruder und schafft es mit Gleichgesinnten, dass sich alle 53 Revierstädte gemeinsam zur Kreativ-Großstadt mausern. Es gibt nur noch Kreative und die Kreativ-Wirtschaft, die an Ruhrstadt verdient, ein Kreativsozialismus etabliert sich. 2044: Die Sache ist nicht mehr haltbar, Anarchisten sind längst aktiv. Beim Niedergang des Ruhrstadt-Traums beginnt das Geschehen in „54. Stadt“.

Ruhrstadt-Anarchisten

Alle vier Produzenten der großen und gut gesponserten Theater-Gesamtschau erklären, warum alles so kam und warum neue Ideen überlebenswichtig sind. Deshalb ist es schade, beide 54. Stadt-Aufführungen (Ringlokschuppen und Oberhausener Theater) an einem Tag zu sehen. Die Ruhrstadt-Interpretation von „kainkollektiv“ ist mindestes ebenso gut wie die von „copy & waste“ im Großen Haus der Oberhausener Bühne, nur sind beide so verschieden, dass sich kein Vergleich anbietet.

Auch wir, die Zuschauer, durften uns bei der Grand-Tour beteiligen. Wir waren Ruhrstadt-Anarchisten, im Einsatz zur Rettung der Demokratie im Stadtspiel. Das klappte gut (ausgefeilte Logistik) unter der Regie von „Invsible Playground“ in Oberhausen und gleichzeitig von „Ligna“ in Mülheim.

Mit Chören und Video-Kunst

Konkret funktionierte alles so: 16.30 Uhr. Abfahrt des Shuttle Busses ab Theater Oberhausen. 17 Uhr: Ankunft Ringlokschuppen in Mülheim. Einteilung in Gruppen. Rosa: Sie gehen auf die Oberhausen-Erlebnistour, Blau: Audio-Walk in Mülheim. 17.30 Uhr: Erster Akt: Wunderbare, multimediale Show zur 54. Ruhrstadt in der Mülheimer Arena, arrangiert von „kainkollektiv“ mit super-tollen Chören und raumgreifenden Akts, Video-Kunst und auf vielen Arena-Ebenen in Szene gesetzt. Die Zuschauer sind mitten im Geschehen, ohne sich beteiligen zu müssen. Rückfahrt per Shuttle nach Oberhausen.

Alles klappt. Das Stadtspiel beginnt. Jeder macht mit. Das Wir-Gefühl in den Gruppen kommt wie von selbst. Zur Belohnung: Currywurst-Pommes an der Wagenburg. Nach 22 Uhr: Finale im Großen Haus des Theaters. Niemand hat wirklich noch Lust, darauf, dass die gesamte Ruhrstadt-Geschichte noch einmal aufgerollt wird. Gut aber, dass das wenigstens flott geschieht, mit super Videos, toller Bühne, schräg und schrill und mit guten Schauspielern.

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