Einmal um die ganze Welt

Die SY Sealady wird in der Marina Oberhausen rundumerneuert.                                      Foto: Christoph Wojtyczka
Die SY Sealady wird in der Marina Oberhausen rundumerneuert. Foto: Christoph Wojtyczka
Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPo

Oberhausen. Im Dienste der Menschheit: Dr. Irene Wiesner (38) und ihr Mann Alexander (46) wollen Kranke auf der ganzen Welt behandeln – und segeln dafür einmal um den Globus.

Den Einen mag das Unterfangen, in drei Jahren um die Welt zu segeln und ärztliche Hilfe zu leisten, wie ein Abenteuer vorkommen, das dem von Phileas Fogg, dem Romanhelden Jules Vernes aus „In 80 Tagen um die Welt“ gleich kommt.

Andere wiederum bestaunen vielleicht einfach den Mut, der hinter dieser Tat steckt. Ein deutsches Ärzte-Ehepaar hat sich vorgenommen, ein solches karitatives Projekt nun zu realisieren.

Alles begann vor circa vier Jahren, als sich Dr. Irene Wiesner (38) und ihr Mann Alexander (46) entschlossen, als Schiffsärzte auf einem Kreuzfahrtschiff anzuheuern. „Wir wollten schon immer die Welt bereisen und sind dann über Kontakte an unsere Arbeit als medizinisches Personal auf die MS Vistamar gekommen“, sagt Alexander Wiesner. Jahre lang bereisten sie Länder, in denen die medizinische Grundversorgung insbesondere in den ländlichen Gebieten kaum gewährleistet war. „Wir haben öfter Ausflüge begleitet und sind dort in Gespräche mit unseren einheimischen Begleitern gekommen. Wenn man hört, dass die dort lebenden Menschen manchmal gar zwei oder mehr Jahre keinen Arzt gesehen haben, fragt man sich mit der Zeit: „Kann ich dagegen nicht irgendetwas machen?“, so Wiesner.

Die beiden passionierten Segler fassten eine Entscheidung, die ihr Leben für die kommenden Jahre stark beeinflussen wird. Mit einer circa 15 Meter langen Segelyacht beginnt das Ehepaar voraussichtlich in zwei Jahren eine mehrjährige Weltumsegelung, um in verschiedenen Ländern medizinische Hilfe zu leisten. Dazu wird die Yacht mit dem Namen „SY Sealady“ derzeit in der Marina Oberhausen grundsaniert. „Für den Ausbau der Sealady zu einer kleinen Praxis und für die Hochseetüchtigkeit, brauchten wir ein entsprechendes Energiekonzept und grundlegende Umbauten des Innenbereiches“, so Alexander Wiesner. „Mit dem Unternehmen Wassersport Michels aus Oberhausen haben wir einen Partner gefunden, der dies alles realisieren kann.“ Drei Jahre lang dauerte bereits die Suche nach einem entsprechenden Schiff, das schwimmenden Praxis und Heim zugleich sein kann. Rund 300 000 Euro veranschlagte das Ehepaar aus privaten Geldern alleine für den Kauf und die Umrüstung des Schiffes. Eingebaut werden unter anderem notwendige diagnostische Geräte wie ein Ultraschall, ein EKG sowie ein kleines Labor. „Damit können wir die Menschen vor Ort gegebenenfalls medizinisch versorgen. Da wir keinerlei großen Trägern angehören, ist es uns auch möglich, unseren Zeitplan entsprechend den Erfordernissen vor Ort anzupassen“, erklärt der Schiffsarzt.

Um jedoch auch für die Verbrauchsmaterialien, wie Bandagen oder gar Medikamente, ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung zu haben, plant das Ehepaar nun die Etablierung einer entsprechenden Stiftung, die das Projekt finanziert und auch in den kommenden Jahren weiter trägt. „Unsere Hoffnung besteht darin, dass diese Art der Hilfe für viele Jahre besteht. Vielleicht finden sich Sponsoren oder Spender, die unsere Sache unterstützen“, so Wiesner. „Die auf drei Jahre angelegte Fahrt kann mit entsprechenden finanziellen Mitteln auch verlängert werden. Vielleicht folgen andere Ärzte unserem Beispiel und machen es uns gleich, oder übernehmen unsere Arbeit, wenn wir uns mal häuslich niederlassen wollen.“

Die mehrjährige Weltumsegelung führt das Ehepaar vom Heimathafen Kiel ausgehend nach Gran Canaria, mit der Passatwind-Route weiter zur karibischen Inselwelt, über Mittelamerika in die asiatischen Länder Malaysia, Indonesien sowie Thailand, dann weiter nach Madagaskar, Südafrika und über die Kapverdischen Inseln zurück nach Europa.

Kontakt zur Heimat halten die beiden Ärzte über eine entsprechende Internetseite, www.aerzte-unter-segeln.de, und dort informieren auch über die entsprechenden Ereignisse ihrer weltweiten Reise.

 
 

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