Eine Zeitreise mit dem Bus

„Den alten Bus laufen zu hören – unbezahlbar“, schwärmen André Baszanowski und Lutz Tebart von ihrem Projekt.
„Den alten Bus laufen zu hören – unbezahlbar“, schwärmen André Baszanowski und Lutz Tebart von ihrem Projekt.
Foto: WAZ FotoPool
Ihre Begegnung war zufällig, aber doch Liebe auf den ersten Blick.André Baszanowski und Lutz Tebart restaurieren einen originalen Stoag-Bus von 1986.

Oberhausen.. Drei Tage hat Lutz Tebart gebraucht, um endlich die passenden Haken für seinen Bus zufinden, verchromt sollten sie sein und stabil. Schnöde Kleiderhaken reichten dem 48-Jährigen nicht aus. Seine Suche endete dann bei einem Unternehmen in Wuppertal. „Die Haken sehen den ursprünglichen jetzt sehr ähnlich.“ Sie anzubringen, dauerte dann eine halbe Stunde. Präzision ist Tebart wichtig, schließlich soll der einstige Stoag- und Feuerwehrbus genauso aussehen wie an seinem ersten Tag 1986.

Da kann es auch schon mal vorkommen, dass die Suche nach dem passenden Ersatzteil mehr als doppelt so lange dauert wie das eigentliche Anbringen.

Schmuckstück auf elf Metern

Tebart und André Baszanowski ist es zu verdanken, dass die vier Räder des gut drei Meter hohen und elf Meter breiten Schmuckstücks wieder rollen. Viel Freizeit, Geld und schweißtreibende Arbeitsstunden steckten die Heimwerker in den letzten drei Jahren in die Restauration des ausgemusterten Busses der Marke Mercedes-Benz O 305. Bis zum letzten Handanlegen werden sie wohl 12.000 Euro investiert haben, schätzen die Tüftler.

Die verrosteten Haltestangen wurden ausgewechselt, die Polster der 37 Sitzplätze neu bezogen, Rahmen und Gehäuse neu lackiert, 130 Kilogramm Kabel ausgebaut – nur ein kleiner Teil der Restaurationsarbeiten. André Baszanowski und Lutz Tebart klotzen ran, die Ersatzteile fertigen sie größtenteils selbst an. Unterstützung bekommen sie vom Busbetrieb Termath in Hamminkeln. Das Unternehmen setzt die alte Linie 417 seit 2011 wieder als Schulbus ein.

Ein mehr oder weniger glücklicher Zufall bescherte ihnen das gute Stück. Das Getriebe des einstige Stoag-Busses der Linie 417, der 1999 in den Besitz der Feuerwehr wechselte, gab den Geist auf. Baszanowski und Tebart bekamen den alten Mercedes geschenkt.

Anschaffung irgendwie vorherbestimmt

Nicht geplant, aber doch irgendwie vorherbestimmt, war die Anschaffung. André Baszanowski machte eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker, bevor er bei der Stoag als Busfahrer anfing. Tebart studierte Maschinenbau und kalibriert nun Messegeräte. „Aber wir haben schon viel rumgetüftelt, bevor wir verstanden haben, wie so ein Bus funktioniert.“ Zwei bis dreimal die Woche zieht es die Busliebhaber zu ihrem Mammutprojekt. „Ein paar mal hatten wir auch schon die Schnauze voll“, gibt Baszanowski offen zu. Sobald der 28-Jährige jedoch den Zündschlüssel umdreht und Gas gibt, sei er für die viele Mühe entschädigt. „Den alten Bus laufen zu hören, ist unbezahlbar.“

Als nächstes folgt die originalgetreue Lackierung in Elfenbein sowie eine blaue Stoßstange. Den Bus fertigstellen möchte das Duo spätestens bis zum Sommer 2015. Und dann? Eins weiß Lutz Tebart: „Verkaufen kommt für uns auf gar keinen Fall in Frage.“

 

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