Ein weißer Fleck auf der Karte

Manchmal brauchen Udo Peters (l.) und Albert Karschti auch etwas Muskelschmalz, um den Erdbohrstock in den Boden zu rammen.
Manchmal brauchen Udo Peters (l.) und Albert Karschti auch etwas Muskelschmalz, um den Erdbohrstock in den Boden zu rammen.
Foto: WAZ FotoPool
Was die Aufarbeitung der eigenen Geschichte anbelangt, sei Oberhausen noch ein unbeschriebenes Blatt, finden die Hobbyarchäologen von Faro

Oberhausen.. „Ohne Vergangenheit gibt es keine Zukunft.“ Das ist der Gedanke, den die beiden Hobbyarchäologen Albert Karschti und Udo Peters, immer im Hinterkopf haben, wenn es heißt, in der Geschichte Oberhausens zu forschen und auch rumzugraben. Zusammen mit weiteren Mitstreitern des Vereins „Freunde der Archäologie Raum Oberhausen“ – kurz Faro – geht es ihnen darum zu zeigen, dass die Historie dieser Stadt viel weiter als die 150 Jahre seit der Gründung der Gemeinde Oberhausen, zurückgeht. Im NRZ-Gespräch schildern Karschti und Peters die Faszination des Vergangenen, aber auch ihren Heimatbegriff.

„Heimat ist nicht da, wo man geboren ist, sondern da, wo man sich wohlfühlt“, sagt so etwa Udo Peters. Er muss es wissen, vor 25 Jahren zog es ihn der Liebe wegen vom Niederrhein nach Oberhausen. Die Umstellung fiel ihm nicht sonderlich schwer. „Der Oberhausener Norden ist ja auch etwas ländlich geprägt.“

Zunächst negativer Eindruck von Oberhausen

[kein Linktext vorhanden]Albert Karschti, den es bereits im Jahr 1979 hierhin verschlagen hatte, erging es zunächst anders. „Im ersten Augenblick hatte ich einen wirklich negativen Eindruck. Es war einfach eine richtig dreckige Stadt.“ Eigentlich wollte er sofort wieder weg. Das war vor über 30 Jahren. „Mit der Zeit bin ich hier einfach reingewachsen.“ Gerade die kleinen Dinge haben ihn von Oberhausen überzeugt. „Es gab da ein Erlebnis, wo ein Autofahrer extra angehalten hat, um einem kleinen Mädchen zu helfen, ihre Schuhe zuzubinden. “ Dennoch fällt es ihm schwer, das mit Worten zu beschreiben. „Es ist einfach ein Gefühl.“

Dieses Heimatgefühl hat für Karschti und Peters aber auch viel mit Identität und Geschichte zu tun. Und gerade bei diesen Themen, da sind sich beide einig, gebe es hier vor Ort noch so einiges aufzuarbeiten.

In Nachbarstädten gibt es reichhaltige Funde

„Oberhausen ist bisher ein weißer Fleck auf der archäologischen Karte“, sagt Udo Peters. „Wenn man sich die Veröffentlichungen etwa in Duisburg anschaut, ist das ein riesengroßer Unterschied.“ Auch in den übrigen Nachbarstädten, seien es nun Mülheim, Bottrop oder Essen, gibt es reichhaltige Funde. Zwar gebe es in Oberhausen historische Stätten wie die Burg Vondern oder das Kastell Holten. „Der Respekt vor der eigenen Geschichte ist aber noch sehr ausbaufähig“, befindet Albert Karschti.
Kein Wunder also, wenn bei Udo Peters immer wieder derselbe Gedanke hochkommt. „Irgendetwas muss es hier noch geben.“ Und zumindest an der Oberfläche hat Faro schon etwas gekratzt. „Wir haben einen Vorgängerbau der Burg Vondern nachgewiesen.“ Derzeit ist man einer einstigen Frankensiedlung in Sterkrade auf der Spur. „Die Gräber wurden bereits entdeckt. Und wo Tote begraben wurden, muss es irgendwo in der Nähe auch eine Ansiedlung gegeben haben.“

Hobbyarchäologen machen die meisten Funde

Interesse an dem, was früher einmal war, hat Peters übrigens seit seiner frühesten Kindheit. „Mein Onkel hat alte Gebrauchsgegenstände, die er gefunden hat, gesammelt und daraus eine Art kleines Museum aufgebaut.“ Vor einigen Jahren ist dieses „Fieber“ wieder ausgebrochen. Darum war es für ihn überhaupt keine Frage, dass er bei Faro mitwirkt.
„Die Arbeit besteht zum einen aus der Recherche und zum anderen aus Feld- und Ackerbegehungen. Hobbyarchäologen machen die meisten Funde.“ Man sollte aber nicht auf die Idee kommen, sie mit Schatzsuchern zu verwechseln. „Es sind gerade die Alltagsgegenstände, die am meisten über die damaligen Lebensumstände preisgeben.“

Bei Faro schaut man aber nicht nur in die Vergangenheit. „Der Traum wäre es, ein Heimatmuseum mit unseren Funden zu eröffnen“, so Albert Karschti. Ein historisches Museum für die Stadt, die beide inzwischen ihre Heimat nennen.

 
 

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