Ein verzweifelter Aufschrei in die Welt

Über hundert Tage nach der Wetterkatastrophe scheint der verheerende Taifun auf den Philippinen fast schon vergessen. Der Oberhausener Philger-Verein hilft mit Sachspenden und Tatkraft vor Ort. Eine Reportage aus Jamindan/Manila.

Jamindan/Manila.. Die weißen Buchstaben leuchten auf den roten Dächern. Es sind Hilferufe in einer akuten Notsituation, ein Aufschrei der Verzweifelten an die ganze Welt: ,,Help us, safe us’’ (Helft uns, rettet uns), oder ,,We need Food and Water’’ (Wir brauchen Essen und Wasser). Hilferufe, die für die Ewigkeit zu stehen scheinen. Hilferufe, die keine Zeitangaben kennen.

Über hundert Tage ist das Unglück nun schon her: Der stärkste Sturm ,,Haiyan’’ aller Zeiten, ein Super-Orkan, fegte über die Philippinen her und forderte mehr als 7000 Menschenleben. Große Teile des Landes wurden durch den Wirbelsturm in eine verwüstete Landschaft verwandelt, die der einer Kriegsszenerie ähnelt. Vielen Menschen wurde geholfen, aber immer noch darben zahllose Überlebende, sie leiden extremen Hunger.

Eine Menge deutscher Organisationen und Vereine befinden sich unter den internationalen Helfer-Trupps vor Ort, auch der philippinisch-deutsche Freundschaftsverein Philger e.V. aus Oberhausen. Seine Mitglieder kümmern sich seit 25 Jahren um diese Region.

18 Tonnen Hilfsgüter mit Verspätung

Im November des vergangenen Jahres wurden 18 Tonnen Hilfsgüter auf eine lange Reise zu den Philippinen geschickt, um dort auch die Taifunopfer zu unterstützen. Nach etlichen Verzögerungen fuhr der riesige Container in den Hafen Manilas ein: Ende Januar konnte man endlich damit beginnen, die Hilfsgüter zu verteilen.

Philger-Vereinsvorsitzender Lutz Ruhloff ist ein Mann von forscher Direktheit. Mit wilder Körpersprache koordinierte der 69-Jährige das Verladen der Güter durch rund 200 männlichen Schülern. Zwischenstopp der Sachspenden war die christliche Don-Bosco-Schule am Hafen von Manila.

Von dort werden sie von verschiedenen Pfarrern abgeholt, um sie dann an Hilfebedürftige zu verteilen. Auch wenn Ruhloff von niemandem verstanden wurde, sein ausdrucksstarkes Gestikulieren reichte aus, um innerhalb von zwei Stunden Kisten, Koffer und Geräte zu sortieren und zu stapeln. ,

„Ich habe gelernt mit Händen und Füßen zu reden“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Vereins Philger. Mit großem Vertrauen übergibt er die Spenden an die Christlichen, die sie meist an Kinder weiterleiten. ,,Kinder können nichts für ihr Unglück, sie sind hilflos. Ihnen muss geholfen werden.’’

Mit 33 Koffern, Werkzeugen und einem Rollstuhl geht es auf die Insel Panay in die Provinzstadt Jamindan. Den ländlichen Teilen der Philippinen wird leider nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt und dort haben sich keine Organisationen niedergelassen, um den Menschen beim Wiederaufbau zu helfen. Auch die Regierung konzentriert sich eher auf die am stärksten betroffenen Gebiete und schenkt der Stadt und dem umliegenden Land kaum Aufmerksamkeit.

Wie durch eine Häckselmaschine

Auch wenn der Taifun schon vor mehr als hundert Tagen wütete, scheint es, als sei die Katastrophe erst gestern gewesen. Die Aufräumarbeiten gehen nur schleppend voran. Es fehlt Geld – an allen Ecken und Kanten.

Natürlich sind die Sachspenden, die der Oberhausener Verein Philger (Philippines-Germany) weiter geleitet hat, eine wertvolle Hilfe für die Menschen, die alles verloren haben. Jedoch sind noch viele private und öffentliche Gebäude zerstört.

Spendenaufruf für Schuldach

Wenn Ruhloff etwas missfällt, reagiert er sofort. Nach Besichtigung einer vom Taifun zerstörten Schule beschließt er kurzer Hand, zu weiteren Spenden aufzurufen, damit die Kindern ein vernünftiges Dach über dem Kopf haben.

Auch von dem Kindergarten der Schule ist kaum etwas übrig geblieben. Es scheint, als sei das Gebäude durch eine Häckselmaschine gepresst worden. ,,Die Lernbedingungen in der Schule sind schrecklich. Die provisorisch installierten Zeltplanen speichern unerträglich die Hitze und bei Regen tropft es ständig überall durch,’’ sagte En V. Lago, Lehrerin der ,,Jamindan Elementary School’’ über die aktuelle Situation.

Natürlich sei es nur ein heißer Tropfen auf dem Stein, schränkt Ruhloff ein, aber die Freude der Kinder über ihr neues Dach will er sich nicht nehmen lassen.

Die um Hilfe rufenden Buchstaben, die die gebeutelten Philippinos auf den Dächern einiger Häuser nach dem Wirbelsturm gemalt hatten, können nun zwar nach und nach ausradiert werden. Jedoch wird es noch eine ganze Weile, vielleicht sogar Jahre, dauern, bis auf den Orkan-zerstörten Teilen der Philippinen wieder so etwas wie Normalität einkehrt.

 

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