Ein Pumpwerk im Grünen

Das Modell zeigt, wie es einmal aussehen könnte.
Das Modell zeigt, wie es einmal aussehen könnte.
Eine Obstwiese zum Selbstpflücken direkt an der Emscher? Der Düsseldorfer Architekt Prof. Niklaus Fritschi will das möglich machen. Als Teil des Mammut-Projekts „Emscher-Umbau“ wird die Emschergenossenschaft an der Kurfürstenstraße bis 2017 ein unterirdisches Pumpwerk bauen. Rund um den Gebäudekomplex an der Oberfläche soll nach den Entwürfen Fritschis eine Promenade und eine große Wiese angelegt werden - „wie die Wiese genutzt wird, ob als Obst- oder Blumenwiese, entscheiden aber die Bürger“, sagt Fritschi. „Es soll ein Ort werden, den sie gerne besuchen.“

Oberhausen.. Das neue Pumpwerk gehört zu einem der umfangreichsten Projekte der Emschergenossenschaft: Seit 1992 ist der Essener Verband dabei, die Emscher von ihren Abwassern zu befreien und die Flussläufe wieder naturnah zu machen. Eine Herkulesaufgabe, die bis 2022 abgeschlossen sein soll – und rund 4,5 Milliarden Euro kosten wird.

Damit die Emscher wieder sauber werden kann, sollen die Abwässer künftig in ein unterirdisches Kanalsystem geleitet werden. 51 Kilometer wird dieser unterirdischen Kanal lang sein und von Dortmund bis nach Dinslaken reichen. Der Kanal hat allerdings ein Gefälle von 1,5 Promille, in Dinslaken würde er deshalb in etwa 80 Meter Tiefe ankommen. Drei Pumpwerke sind deshalb entlang der Strecke geplant - das letzte, größte und wichtigste Pumpwerk wird in Biefang auf dem Areal zwischen dem Hof Klapheck, der Kurfürstenstraße und der Goerdelerstraße errichtet.

40 Meter soll diese komplexe Anlage in die Tiefe reichen und von dort aus pro Sekunde rund 20 Kubikmeter Schmutzwasser hinauf fördern. Das Wasser wird dann weitere 3,3 Kilometer bis ins Klärwerk Emschermündung in Dinslaken im hochliegenden Abwasserkanal weitergeführt. Knapp 60 Millionen Euro soll das Oberhausener Pumpwerk kosten - der vierjährige Bau soll 2013 starten.

Aussichtsturm, Hecken und Baumreihen

Von Weitem wird das Pumpwerk an seinem 20 Meter hohen Schornstein mit Biofilter zu erkennen sein. Zur Gestaltung des Umlands hatte die Emschergenossenschaft in diesem Jahr einen Wettbewerb ausgeschrieben: Vier Architekten-Teams haben an Entwürfen gearbeitet, beteiligt waren an der „Gestaltungswerkstatt“ auch Vertreter der Stadtverwaltung und der Parteien sowie Bürger.

Diesen Wettbewerb haben nun die Düsseldorfer Ateliers „Verhas Landschaftsarchitektur“ und „Fritschi & Stahl“ gewonnen; ihren gemeinsamen Entwurf stellten sie kürzlich interessierten Bürgern im Kastell Holten vor. Prof. Fritschi hat unter anderem die Rheinuferpromenade in Düsseldorf entworfen.

„Das Besondere an ihrer Idee ist, wie Architektur und Natur miteinander verbunden werden“, sagt Ilias Abawi, Sprecher der Emschergenossenschaft. Statt hoher Zäune stecken Hecken, Bäume und Mauern aus Naturstein die Sicherheitszone rund um das Pumpwerk ab, die nicht betreten werden darf.

Von einem Aussichtsturm aus können Besucher aber auf die Anlage schauen, sich an Schautafeln zur Funktionsweise informieren. Ein Parkplatz und zahlreiche Fußwege sollen zudem angelegt werden. Auf der Flussseite führen Stufen bis ans Ufer der Emscher heran – Besucher sollen zum Angeln, Picknicken und Spazierengehen eingeladen werden.

An der Kurfürstenstraße haben Niklaus Fritschi und seine Kollegen eine große Wiese geplant. „Wichtig war uns, dass diese Grünfläche nach den Ideen der Bürger genutzt werden wird“, sagt der Düsseldorfer Architekt. „Wir wollen dort einen Ort für die Oberhausener schaffen.“

 

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