Ein Pinguin namens Lilly

Andrea Micke
Kinder basteln mit Eltern und Groß-Eltern Laternen im Ökumenischen Kirchenzentrum.      Foto: Hayrettin Özcan
Kinder basteln mit Eltern und Groß-Eltern Laternen im Ökumenischen Kirchenzentrum. Foto: Hayrettin Özcan
Foto: WAZ FotoPool

Als Gott die Welt erschuf, da wollte er, dass das Wasser wimmle von lebendigem Getier. Im Ökumenischen Kirchenzentrum in der Neuen Mitte hatte man sich für eine Tierart der Schöpfungsgeschichte entschieden.

Pinguine. Diese Tiere des Wassers und des Landes sollen als Laternen bei den kommenden Martinszügen hell leuchten.

Kinder, Eltern und Großeltern schnibbeln, knicken und kleben im Kirchenzentrum um die Wette, um so aus Papier, Pappe oder auch Pfeifenreinigern Pinguine zu erschaffen. Regelmäßig donnerstagsnachmittags treffen sich Jung und Alt zum „Jahreszeiten-Basteln“. „Wir fangen im September an und hören im Mai auf“, sagt Beate Apel (45) über die Bastelmonate. Die Servicekraft im Kirchenzentrum kümmert sich immer um die Bastelgruppen.

Und sie hat einiges zu tun. Thomas Kowollik (36) braucht gerade dringend die Hilfe der Bastelexpertin. „Jetzt kommt das Schwierigste“, glaubt der Vater von Sonja (3), der gerade zwei Pinguin-Hälften vor sich liegen hat. „Hach, noch gar nicht“, raubt ihm Beate Apel die Illusion. Kowollik kommt oft mit seiner Tochter ins Kirchenzentrum, „weil man hier gut spielen kann“.

Ach, ein Pinguin, also ein fertiges Laternen-Exemplar, wurde schon drei Wochen zuvor ausgestellt. Apel: „Damit die Leute auch sehen konnten, was wir basteln werden.“ Sophie (8) schneidet gerade akribisch aus. „Das ist der Bauch des Pinguins“, sagt sie. Und dass sie viel und gerne bastele. Sophie ist mit ihrer „Ersatzoma“ da. Marlene Helf (61) bezeichnet sich selbst so. Sie sei mit Sophies Eltern befreundet und habe das Kind quasi als Enkelin adoptiert, „weil die richtigen Großeltern so weit weg wohnen“. Während Sophie schon sehr eigenständig an ihrer Laterne arbeitet, hat die Ersatzoma für Leon (3), der lieber spielt, den Job übernommen. Leon ist dann ihr richtiger Enkel. Marlene Helf ist überhaupt begeistert vom Kirchenzentrum, besonders vom ersten Weihnachtstag dort. „Da bin ich immer mit meinem Mann hier, es werden noch richtig Weihnachtslieder gesungen, es ist herrlich“, schwärmt sie.

Aber gut, Weihnachten ist noch ein bisschen hin. St. Martin schon am 11. November. Und kommenden Samstag wird Sophie ihren Pinguin leuchten lassen. „Sie wohnt in Grafenbusch, da organisieren die Bewohner selber einen Martinszug“, sagt Marlene Helf. Die Kinder zögen dabei von Haus zu Haus. „Die Leute hängen Tüten mit Gummibärchen für uns an die Türen“, schwärmt Sophie.

Mit am Basteltisch sitzt an diesem Nachmittag auch Andrea Wefelnberg (39). „Ich bastel gleich zwei Laternen“, erzählt sie. Obwohl ihre Große, das ist Fiona (5), schon eine Laterne habe. Einen Pinguin wollte Fiona dann aber doch auch noch. Und ihre kleine Schwester Hannah (drei Monate) bekommt so einen Fischjäger für den Kinderwagen. In dem liegt Hannah auch ganz quietschfidel, während die Mama kreativ ist. Andrea Wefelnberg hält sich gern im Kirchenzentrum auf, weil „hier auch Kinder erwünscht sind“. Und sie schätzt die Ruhe dort gerade in der Vorweihnachtszeit, wenn im Centro voll die Hektik regiert.

Ein Pinguin hat übrigens, obwohl noch im Rohzustand, schon einen Namen. „Lilly“ will Xenia (7) ihre Laterne nennen.

Das Ökumenische Kirchenzentrum in der Neuen Mitte liegt am Platz der Guten Hoffnung 1. Besonders auch Familien mit Kindern sind dort willkommen. Versprochen werden ihnen ein paar ruhige Minuten. Spielzeug ist vorhanden. Die Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 13 bis 18 Uhr. Samstag und Sonntag: 13 bis 18.30 Uhr.