Ein Berg voller Hilfe in Oberhausen

Denis de Haas
Auf der Suche nach Spielzeug:Der junge Syrer Azhar schaut, was die Oberhausener Bevölkerung in den vergangenen Tagen gespendet hat.
Auf der Suche nach Spielzeug:Der junge Syrer Azhar schaut, was die Oberhausener Bevölkerung in den vergangenen Tagen gespendet hat.
Foto: Funke Foto Services
Das Team im Kleiderladen „Janne & Pit“ freut sich über Spenden für Flüchtlinge. Warme Kleidung, Decken und Fahrräder können sie noch gebrauchen.

Oberhausen. Im hintersten Zimmer des Kleiderladens „Janne & Pit“ stapelt sich Spielzeug. Vor einem Tisch steht ein schwarzes Bobby-Car. Im Hintergrund wächst der Turm mit Brettspielen. Doch das interessiert Azhar nicht. Der kleine Junge mit den dunklen Haaren hat einen aufblasbaren Reifen entdeckt. Er greift danach, sucht den Stöpsel und pustet Luft hinein. Der schlaffe Reifen wird dicker und Azhars Grinsen breiter. Diesen Gesichtsausdruck hatte er zuletzt vermutlich selten.

Azhar stammt aus Syrien. Vor wenigen Wochen ergriff seine Familie die Flucht. Sie wollte raus aus einem Land, in dem seit vier Jahren der Bürgerkrieg tobt. Die Flucht der Familie endete in Oberhausen. In der Aufnahmestelle am Schladviertel fanden 150 Flüchtlinge in der vergangene Woche ein Dach über den Kopf. Decken, warme Kleidung Hygienieartikel, Spielzeug – das fehlte ihnen zunächst jedoch. Doch die Bevölkerung in Oberhausen half den Flüchtlingen.

Große Spendenbereitschaft in der Bevölkerung

Vor dem Kleiderladen an der Uhlandstraße hat sich ein Stau gebildet. Viele Bürger sind gekommen, um den Flüchtlingen mit Spenden zu helfen. Sie tragen Kartons, Tüten und Taschen zu einer Sammelstelle. Dort stehen die ehrenamtlichen Helfer und beginnen mit dem Einräumen. „Ich bin vollkommen überrascht, wie groß die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung ist“, sagt Monika Wilms.

Sie gehört zu den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen im Kleiderladen. Eigentlich besteht das Team aus 13 Frauen. Doch als sich die Ankunft neuer Flüchtlinge ankündigte, wollten immer mehr helfen. „Um die hundert Bürger haben sich gemeldet und ihre Unterstützung angekündigt. Bis dato bin ich noch nicht dazu gekommen, die Liste abzutelefonieren“, sagt Wilms.

Es gibt schließlich im Kleiderladen genug zu tun. Das Team muss kreativ sein, um die Spenden in den Räumen zu verteilen. „Wir brauchen noch zusätzliche Lagermöglichkeiten“, sagt Wilms. Denn die Spendenbereitschaft ist hoch, ebenso der Bedarf bei den Flüchtlingen.

Hosen häufig zu groß

„Warme Kleidung und Decken können wir immer gebrauchen. Die Flüchtlinge kommen aus Gebieten, in denen es sehr heiß ist. Hier frieren sie oft“, erklärt Wilms. Sie würde den Kinder gerne auch mehr Fahrräder und Tretroller mitgeben. Doch hier ist das Angebot überschaubar. Das gilt auch für eng geschnittene Herrenhosen. „Die Kleidung, die bei uns liegt, ist vielen Flüchtlingen zu groß“, sagt Wilms.

Das Team des Kleiderladens bekommt Besuch von nebenan. René Gräsel vom Jugendtreff Parkhaus quatscht mit den Mitarbeiterinnen. Er erzählt ihnen, dass er für die jungen Flüchtlinge demnächst ein Sportangebot plant. Azhar versteht nichts von den Gesprächen. Trotzdem bereitet er sich schon auf das Sportangebot vor. Aus einem Spendenberg fischt der junge Syrer ein Paar Torwarthandschuhe.