Duisburger „Riskid“-Projekt soll Schule machen

„Tatort Kinderzimmer“ war eine Info-Veranstaltung überschrieben.
„Tatort Kinderzimmer“ war eine Info-Veranstaltung überschrieben.
Foto: imago stock&people

Oberhausen/Duisburg. Im Kampf gegen Kindesmissbrauch wollen die Initiatoren des Duisburger Projekts „Riskid“ bundesweit Nachahmer finden. Das bisher einmalige Netzwerk von Ärzten, Polizei und Kliniken will dem ‘Ärzte-Hopping“ einen Riegel vorschieben.

„Tatort Kinderzimmer“: Jeden Tag werden in der Bundesrepublik Deutschland 50 Kinder missbraucht oder anderweitig Opfer brutaler Gewalt. Jede Woche sterben drei dieser Kinder. Das wollen Polizei und Ärzte nicht mehr hinnehmen. Ihre Forderung: Datenschutz darf nicht vor Kinderschutz gehen. Deshalb hatte der Bezirksverband Oberhausen des Bundes Deutscher Kriminalbeamter jetzt zu einer Informationsveranstaltung mit namhaften Referenten in die Burg Vondern eingeladen.

Ziel von Ärzten und Polizei ist es u.a., ein Duisburger Projekt zum Schutz von Kindern, „Riskid“, bundesweit einzuführen und auf völlig legale Beine zu stellen. Unter dem Begriff „Riskid“ haben sich alle Duisburger Kinder- und Jugendärzte aber auch einige Kliniken zusammengeschlossen zu einem gemeinsamen Datenaustausch, wenn es um misshandelte Kinder oder Verdachtsmomente von Misshandlung geht. So soll ein Riegel vor das sogenannte Ärzte-Hopping geschoben werden. Dabei wechseln Eltern, die ihre Kinder misshandeln, ständig den Arzt, damit die permanenten Verletzungen der Kinder nicht auffallen.

Projekt ist am Rande der Legalität

So lange tatsächlich eine Misshandlung vorliegt, ist der Datenaustausch legal. Liegt lediglich ein Verdacht vor, muss sich der Arzt die Erlaubnis der Erziehungsberechtigten einholen, um Informationen weiterzuleiten. „Wir haben das so geregelt“, sagt Dr. Ralf Kownatzki, Initiator des Riskid-Projektes, dass wir uns grundsätzlich von allen Eltern eine solche Erlaubnis besorgen. Für ganz wichtig hält Kownatzki, außerdem eine gesetzliche Regelung einzuführen, die es Ärzten trotz Schweigepflicht ermöglicht, auch wenn nur der Verdacht auf eine Misshandlung besteht, Mitarbeiter des Jugendamtes zu informieren.

„Wir bewegen uns jetzt mit ‘Riskid’, das wir bundesweit ausweiten wollen, immer noch am Rande der Legalität“, sagte auch der Oberhausener Kriminalhauptkommissar Reinhard Gerlach vom BDK, einer der Organisatoren der Info-Veranstaltung. Wer nichts tun wolle, der nehme den Datenschutz als Vorwand, bedauerte Gerlach.

Und dieses Nichtstun kann Kinder das Leben kosten. Heinz Sprenger, Leiter der Mordkommission Duisburg und Mitinitiator von „Riskid“, spricht von den schrecklichsten Zahlen des Jahres: „2008 wurden 186 Kinder getötet, 2009 waren es 152.“ Nimmt die Zahl der toten Kinder ab, steigt parallel dazu die der Misshandlungen. In Oberhausen wurden 2008 allein 34 Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern bekannt, 2009 waren es 17 Fälle. Misshandlungen verfolgte die Polizei sechs 2008 und zwölf Fälle 2009. Wobei die Dunkelziffer hoch sein soll.

Wie Misshandlungen aussehen, schilderte Sprenger. Da war zum Beispiel die vierjährige Tochter einer Oberhausener Prostituierten. Sprenger: „Wenn die Mutter mit ihrem Zuhälter zur Arbeit ging, wurde das Kind ans Bett gefesselt. Es wurde mit einem heißen Fön und brennenden Zigaretten traktiert.“ Ein anderer Fall: Colin wurde nur sieben Monate alt, wies 38 Hämatome auf, wog lediglich 4800 Gramm. Colin verdurstete. Kinder wie Colin landen dann bei Dr. Lars Althaus, dem Leiter des Instituts für Rechtsmedizin am Klinikum Duisburg. Wie der Junge, der mit einem Teppichklopfer totgeschlagen wurde, „weil er seinen Vater beim Fernsehen gestört hatte“.

 
 

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