Diskussion über Flüchtlingsheime in Lirich

So voll wie am Dienstagabend würde sich Stadtdechant Peter Fabritz die Kirche St. Katharina öfter wünschen. Dicht an dicht saßen und standen Liricher Bürger, um von Sozialdezernentin Elke Münich und Sozialamtsleiter Frank Bohnes mehr über die beiden Flüchtlingsheime zu erfahren, die an der Ruhrorter- und der Duisburger Straße errichtet werden. Sie stellten Fragen, äußerten Befürchtungen oder zeigten die Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement.

Betreuer für jeden Standort

In ihrer Einführung machten Münich und Bohnes deutlich, dass die Stadt keinen Einfluss darauf habe, wann wie viele und welche Asylbewerber die Bezirksregierung Arnsberg Oberhausen zuteile. Von den entstehenden Kosten habe die Stadt 77 Prozent zu tragen. Klar sei: 450 zusätzliche Plätze in Heimen würden auf jeden Fall benötigt, jeweils 100 davon an den beiden Standorten in Lirich. Bohnes sicherte zu, dass es an jedem Standort einen Betreuer geben werde, der die Arbeit der verschiedenen, auch vielen ehrenamtlichen Akteure vor Ort vernetze.

Fragen gab’s viele: Müssen aber ausgerechnet in einem Stadtteil, in dem schon jetzt viele Ausländer und Hartz IV-Empfänger wohnen, zwei Flüchtlingsheime gebaut werden? Und warum bleibt das sozial deutlich besser aufgestellte Königshardt außen vor? Der Hinweis, dass nach eingehender Prüfung der Kriterien (Verfügbarkeit, Fläche ist in städtischem Besitz, schnelle Realisierung) von 32 Standorten vier – neben den zweien in Lirich je einer an der Kapellen- und der Sperberstraße – die geeignetsten seien, wurde zur Kenntnis genommen. Ein gewisses Maß an Argwohn dürfte aber bei einigen Zuhörern geblieben sein. Münich versprach ihnen, dass man sich auch weiterhin um Verbesserungen kümmern werde.

Mancher befürchtet auch, dass über die 200 Plätze hinaus noch weitere auf den beiden Flächen hinzukommen, wenn denn die Flüchtlingszahlen weiter ansteigen – was durchaus nicht abwegig ist. Geplant sei das nicht, aber auszuschließen, dass vielleicht noch 50 Plätze hinzukämen, auch nicht.

Wann und wie genau gebaut wird, diese Frage konnten die Vertreter der Stadt nicht beantworten. Die Pläne werden derzeit noch erstellt.

Bedauerlich fand es eine Vertreterin des Förderkreises Saporoshje, der an der Duisburger Straße eine Außenstelle betreibt, dass sie bislang nicht informiert wurde. Ihr wurde zugesagt, dass der Verein nicht befürchten müsse, von heute auf morgen umziehen zu müssen.

Ihre Angst vor den neuen Fremden sprach eine Anwohnerin an. Die Polizei werde regelmäßig Präsenz zeigen, so Bohnes. Er machte aber auch deutlich: „Es gibt keine signifikanten Auffälligkeiten von Kriminalität im Umkreis von Flüchtlingsunterkünften.“

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