Die Toten Hosen singen ein Lied über Oberhausen

Dirk Hein
Ein Song auf ihrer neuen CD „Ballast der Republik“ trägt den Titel „Oberhausen“: Campino und die „Toten Hosen“.
Ein Song auf ihrer neuen CD „Ballast der Republik“ trägt den Titel „Oberhausen“: Campino und die „Toten Hosen“.
Foto: WAZ
Wenn Anfang Mai die neue CD „Ballast der Republik“ der Düsseldorfer Punk-Rocker „Die Toten Hosen“ erscheint, ist das Revier offenbar dabei: Ein Song trägt den Titel „Oberhausen“ - über den Inhalt wird noch gerätselt.

Oberhausen. Die Toten Hosen sind nicht als Freunde leiser Töne bekannt: Die Düsseldorfer Punk-Rock-Band hat in 30 Jahren so manchem Adressaten mit rotziger Kritik und rustikalen Texten die volle Breitseite mitgegeben. Bayern-Fans („Ich würde nie zum FC Bayern München gehn...“) können ein Lied davon singen - und bald auch alle Oberhausener?

Wenn Anfang Mai die neue CD „Ballast der Republik“ auf den Markt kommt, ist die Stadt dabei. Lied 14 trägt den Titel: „Oberhausen“. Selbst szenekundige Musiker zeigten sich davon völlig überrascht.

Was steckt also dahinter? Sowohl bei der Agentur der Gruppe als auch bei der Plattenfirma hieß es gestern auf Nachfrage: kein Kommentar! Das Stück der neuen Scheibe soll in Gänze erst wenige Tage vor der Veröffentlichung am 4. Mai vorgestellt werden. Vorher werden keine Details zu unveröffentlichten Songs bekannt gegeben. „Oberhausen“ wird zu „Rätselhausen“ - an Neugierde mangelt es in der Stadt jedenfalls nicht.

Synonym für krankende Kommunen

„Das ist eine Riesenüberraschung“, sagt etwa Kevin Kerndl von der hiesigen Musikvereinigung „RockO“. Auch wenn der blanke Songtext für den Organisator des Festivals „Olgas Rock“ angesichts des Albumtitels „Ballast der Republik“ zunächst eher negativ wirkt. „Da muss man abwarten, aber das wird für die hiesige Musikszene auf jeden Fall interessant.“

Oberhausen ist bundesweit die Stadt mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung. Überregionale Medien greifen dies gerne auf, die Stadt ist zum Synonym für krankende Kommunen im Revier geworden. Hier könnte die Gruppe von Campino und Co. angesetzt haben, meint jedenfalls Tim Kleinrensing, Sänger der Oberhausener Punkrockgruppe „Sondaschule“, die mit den Hosen bereits gemeinsam auf Festivals gespielt hat.

Arena Oberhausen als Lieblingsplatz

„Ich könnte mir vorstellen, dass dies im Geiste des Punk-Rocks ein Lobgesang auf die Stadt mit der höchsten Verschuldung wird.“ Kleinrensing hat mit „Sondaschule“ zuletzt für das Tourmagazin der Band „Die Ärzte“ einen Gastartikel geschrieben. Der Text beschäftigt sich ebenfalls ironisch mit der eigenen Stadt. Unter der Rubrik „Was kann man in Oberhausen am besten machen?“ steht: „Abhauen!“

„Ironie ist im Genre nicht selten - da kann alles kommen!“, meint Kleinrensing. Seine ehemalige Gruppe „Emscherkurve 77“ verfasste bereits mit dem Song „Alte dreckige Stadt“ eine Liebeshymne mit Augenzwinkern.

Oberhausen und die „Toten Hosen“ - die Verbindung ist nicht aus der Luft gegriffen: Die Band hat mehrere große Auftritte in der Arena gespielt - und die Halle unlängst zu einem ihrer Lieblingsplätze geadelt. Zuvor absolvierten die Düsseldorfer im Sterkrader „Old Daddy“ in den frühen 80er Jahren die ersten Konzerte ihrer Karriere überhaupt.

Abwarten, was da rauskommt

Fragt man auf der Straße nach, vermuten die Oberhausener hinter dem Hosen-Song gar ein Cover des wohl bekanntesten Oberhausen-Liedes: der Missfits. Gerburg Jahnke und Stephanie Überall stecken momentan im Proberaum zum neuen Stück „Pommes“. Im Ebertbad selbst hat man noch nichts gehört vom Campino-Song. „Wenn sich Düsseldorfer herablassen über Oberhausener zu texten, ist das schon beachtlich“, frotzelt Ebertbad-Bademeister und RWO-Präsident Hajo Sommers. Grundsätzlich findet er: „Erst mal abwarten, was hinten rauskommt!“ Und weiter: „So etwas kann schließlich auch nach hinten losgehen!“

OB Klaus Wehling möchte von „tote Hose“ in Oberhausen natürlich nichts wissen, will sich das Lied aber trotzdem anhören. „Das gehört doch zum Pflichtenheft eines Oberbürgermeisters.“ Auch wenn Wehling gesteht: „Die gesamte CD wird es wohl nicht werden.“