Die Schätze der Stadtsparkasse Oberhausen

Richard Große-Katthöfer, Leiter des Historischen Archivs der Stadtsparkasse Oberhausen, findet jedes archivierte Dokument.
Richard Große-Katthöfer, Leiter des Historischen Archivs der Stadtsparkasse Oberhausen, findet jedes archivierte Dokument.
Foto: Ulla Emig/ FUNKE Foto Services
1865 wurde das Institut gegründet. Im Archiv lagern viele Dokumente. Richard Große-Katthöfer leitet es ehrenamtlich. Er weiß viel zu erzählen.

Oberhausen.. „Wissen Sie, was das ist?“, fragt Richard Große-Katthöfer und gibt sogleich die Antwort: „Das ist eine kleine Münzwaage aus dem Jahre 1948. Damit konnte der Kassierer feststellen, ob ein Geldstück gefälscht ist. Die Mark war damals noch ziemlich viel wert, sonst hätte man kaum so ein Gerät benutzt.“ Es ist nur eines von zigtausenden Objekten und Dokumenten, die das Archiv der vor 150 Jahren gegründeten Stadtsparkasse Oberhausen besitzt. Und zu jedem kann Archivleiter Große-Katthöfer etwas erzählen.

Ein kleiner Teil der historischen Schätze lagert im Keller der Osterfelder Filiale an der Westfälischen Straße, die meisten Dokumente befinden sich aber im Dachgeschoss des Hauses nebenan. Seit vielen Jahren sammelt, katalogisiert und ordnet der heute 78-Jährige ehrenamtlich die Archivalien. „Das Wort Archiv kommt aus dem Griechischen und bedeutet ordnen.“ Er kann stolz auf die Sammlung sein, gehört sie doch zu den größten und vollständigsten aller Sparkassen in ganz Deutschland.

Zigtausende Dokumente

Es war das Jahr 1865, als Friedrich Schwartz – der erste Bürgermeister der jungen Gemeinde Oberhausen – die Errichtung einer Sparkasse anregte. Nur wenige Monate später, am 22. Mai 1865 wurde der Entwurf eines Statuts vom Oberpräsidenten der Rheinprovinz genehmigt: Die Stadtsparkasse Oberhausen war geboren.

Das schwerste Objekt steht im Keller der Filiale: ein Tresor aus der Zeit um 1880. Auf dem Schreibtisch nebenan liegt ein altes Kontobuch. „Sämtliche Ein- und Auszahlungen der Kontoinhaber wurden hier eingetragen. Daher kommt das Wort Buchführung“, erklärt Große-Katthöfer, der bis zu seiner Pensionierung als Revisor bei der Stadtsparkasse arbeitete. Später ersetzten Karten das Buch, für jeden Kontoinhaber gab es eine eigene Karte. Das machte die Arbeit übersichtlicher. Zwischen Weihnachten und Frühjahr wurden immer die Kontoabschlüsse erstellt, per Hand, immerhin gab es Rechen-, Buchungs- und Adressiermaschinen, von denen auch Exemplare ausgestellt sind. „Wir arbeiteten dann täglich von morgens bis 22 Uhr. Das war der Grund für die Einführung eines 13. Monatsgehalts.“ Ein anderer Schatz der Sammlung: der erste Kontoauszugsdrucker der Welt. „Den entwickelte Nixdorf mit den Sparkassen Köln und Oberhausen.“

Notgeld mit Burg-Motiv

In einer Vitrine kann der Besucher sehen, wie Geld seinen Wert verliert. Sie enthält zahllose Notgeldscheine aus der Zeit während und nach dem Ersten Weltkrieg und während der Hyperinflation 1923. Die Gemeinden waren dafür zuständig. Einen Schein der Gemeinde Osterfeld , die erst seit 1929 zu Oberhausen gehört, ziert zum Beispiel ein Motiv mit dem Schriftzug „Die Sage von Burg Vondern“. Warum das Notgeld im Ersten Weltkrieg eingeführt wurde? „Die Münzen wurden für die Rüstungsindustrie eingeschmolzen, um daraus Waffen zu produzieren.“

Unter dem Dach im Haus nebenan, wo neben einer Vielzahl an Werbeplakaten und Hausbroschüren zigtausende von Schriftstücken in Archivierungskartons lagern, hat Große-Katthöfer sein Büro. An einem alten PC erfasst er systematisch alle Quellen. So weiß er von jedem Dokument, in welchem Karton es lagert. Davon profitieren auch regelmäßig angehende Historiker, die das Archiv zum Studium nutzen. Es ist das Gedächtnis der Stadtsparkasse Oberhausen. „Und das wächst stetig“, so der Archivar.

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