Die Maschen der Betrüger

Andrea Micke
Am Telefon werden häufig Senioren abgezockt.  Foto: Martin Möller / WAZ FotoPool
Am Telefon werden häufig Senioren abgezockt. Foto: Martin Möller / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Betrüger gehen immer ähnlich vor. Sie modifizieren ihre Arbeitsweisen meist nur leicht. Die Polizei nennt die häufigsten Maschen der Gauner.

Oberhausen. Menschen sind vergesslich - Betrüger findig. Ralf Weyer, Leiter des für Betrug zuständigen Kriminalkommissariates, mahnt: „Es gibt einige Betrugsgeschichten, die sich mit kleinen Abwandlungen immer wiederholen.“ Wenn so eine Masche gerade zöge, informiere und warne die Polizei. Die Leute würden vorsichtiger. Die Betrüger hielten sich daraufhin einige Zeit zurück, um später erneut ihr Glück zu versuchen. Oft mit Erfolg, denn Menschen sind vergesslich . . .

Einer Oberhausener Schulleiterin passierte es kürzlich. „Bei einem Arzt gab es jetzt einen identischen Fall“, sagt Weyer. Betrüger knackten die E-Mail-Accounts der Betroffenen. Anschließend schickten sie an alle Adressen, die sie auf diesem Weg in Erfahrung gebracht hatten, eine Mail. Sowohl die Schulleiterin als auch der Arzt sollten sich im Urlaub und dort in einer Notlage befinden. Sprich, sie brauchten angeblich dringend Geld. Das Geld sollte mit „Western Union“ transferiert werden. „Dabei geht es immer nur um Summen von 400, 500 Euro, weil die ohne Ausweis nur mit einer Transaktionsnummer abgeholt werden können“, verdeutlicht Weyer. Sowohl im Falle der Schulleiterin als auch des Arztes seien Gelder geflossen.

Sperrung des Computers

Genauso wie im Fall der geknackten E-Mail-Accounts sind es Trojaner, die für eine komplette Sperrung des Computers sorgen können. Angeblich stecken hinter der Sperrung die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen oder das Bundeskriminalamt, dessen Beamte die Computerbesitzer als Mitglieder terroristischer Organisationen enttarnt haben wollen oder als Nutzer kinderpornografischer Seiten. Weil aber die Vergehen nun nicht ganz so schlimm seien, reiche eine Zahlung von 50 Euro, um den Computer wieder zu entsperren. „Das Geld zu überweisen, nützt aber auch nichts“, warnt Weyer. Er erzählt auch, wie peinlich es für Firmenmitarbeiter ist, wenn sie unerlaubter Weise mit ihrem PC ins Internet gingen und plötzlich angeblich auf kinderpornografischen Seiten gewesen sein sollen. „Es ist schwer, das dann dem Chef zu erklären“, so Weyer. Deshalb bezahlten besonders diese Betroffenen häufig sofort. Aber leider immer erfolglos.

Also der Tipp der Polizei, kein Geld überweisen und sich direkt an die Polizei wenden. Weyer: „Wir helfen auch beim Entsperren des Computers.“ Das ginge ganz einfach und könne mit telefonischer Unterstützung erledigt werden. Weyers zusätzlicher Rat: „Alle persönlichen Daten auf einer externen Festplatte speichern, damit sie nicht verloren gehen können.“

Briefe

In diesen Fällen erhalten Leute Briefe von vermeintlichen Rechtsanwälten. Dabei geht es entweder um Erbschaften oder um illegale Kriegsgewinne. „Wenn der Staatschef von Syrien, Baschar al Assad, gestürzt werden sollte, wird es zeitnah E-Mails geben, dass ein Bruder Assads etwa noch Geld aus illegalen Kriegsgewinnen auf dem Konto hätte“, sagt Weyer. Dieses Geld oder auch Erbschaften von Leuten, die zufällig so hießen wie die Mail-Empfänger, wollen die Betrüger angeblich auf die Konten der Opfer überweisen und dann mit ihnen teilen. Nur, dass vorher Gebührenforderungen fällig werden . . .

Opfer sind in diesen Fällen meist Senioren. Ihnen werden Gewinne, teure Autos oder Geld, suggeriert. „Ich hatte selbst mit zwei älteren Menschen zu tun, die 40 000 Euro gewonnen haben sollten“, erzählt Weyer. Die Opfer erhalten Anrufe - meist von Call-Centern in der Türkei. Doch das ist für die Opfer nicht ersichtlich, da sich die Call-Center-Mitarbeiter mit fiktiven Namen als Mitarbeiter von Rechtsanwaltskanzleien vorstellen. Diese Kanzleien können unter Festnetznummern auch zurückgerufen werden, was schon mal Vertrauen schafft. Doch auch hier werden die Opfer aufgefordert, in Vorleistung zu treten für den zu erwartenden Gewinn. „Grundsätzlich gilt, wenn ich was gewonnen habe, muss ich nichts bezahlen“, nennt Weyer eine einfach Faustregel.

Hunde aus Spanien

Arbeiten die Call-Center mit ihren Gewinnversprechen meist von der Türkei aus, sitzen unseriöse Tieranbieter oder Loverboys, die Frauen um ihr Geld bringen wollen, meist in Afrika. Weyer zum ersten Fall: „Da werden Hunde aus Spanien angeboten, die man adoptieren kann.“ Doch zuvor sind Zahlungen zu leisten - für einen Hund, den es gar nicht gibt. Natürlich gibt es auch viele seriöse Agenturen, die Tiere vermitteln. Weyer bittet Tierfreunde nur, sich gut zu informieren.

Die sogenannten Loverboys nehmen E-Mail-Kontakt zu Frauen auf, die einen Partner suchen. Diese Männer sitzen irgendwo - oft eben in Afrika. Sie schreiben sich eine ganze Zeit mit den Frauen, ehe sie sie um Geld bitten, etwa für eine Reise nach Deutschland.

E-Bay-Geschäfte

Auch bei Ebay-Geschäften ist Vorsicht geboten. „Wenn Sie zum Beispiel eine Kamera anbieten und sich jemand aus England meldet, der genau diese Kamera gesucht hat“, beginnt Weyer eine Form des Betruges zu schildern, die sich so fortsetzt: Der Interessent schickt einen Scheck mit einer höheren Summe als der geforderten. Dann meldet er sich und sagt: „Ist kein Problem, schicken Sie mir einfach die Kamera und überweisen das Restgeld.“ Wenn der Verkäufer beides erledigt hat, stellt sich heraus, der Scheck ist gar nicht gedeckt.

Bei der Oberhausener Verbraucherzentrale melden sich in letzter Zeit vornehmlich ältere Leute, denen Gewinnversprechen gemacht wurden. „Senioren werden angerufen und aufgefordert, ihre Kontodaten herauszugeben“, sagt Petra Gülker von der Verbraucherberatung. Die Daten werden dann genutzt, um Geld abzuheben. Eine Variante: Die Senioren sollen eine bestimmte Summe überweisen, um an einer Veranstaltung teilzunehmen, bei der der Gewinn überreicht werden soll. Gülker: „Eine solche Veranstaltung findet dann gar nicht statt oder entpuppt sich als Verkaufsveranstaltung.“

Kontakte

Um besonders Senioren zu erreichen und in Sicherheitsfragen beraten zu können, hat die Oberhausener Polizei vor zwei Jahren das Modell der Seniorensicherheitsberater ins Leben gerufen. Das sind speziell geschulte Männer und Frauen, die ehrenamtlich Senioren aufsuchen und sie informieren, wie man sich davor schützt, Opfer von Straftaten oder Verkehrsunfällen zu werden. Bei Sicherheitsfragen können sich Interessierte überhaupt und Senioren an folgenden Adressen wenden: Polizei Oberhausen / Kriminalprävention/0pferschutz, die Seniorensicherheitsberater, 0208 / 826 - 4511, die intensive Polizeiberatung www.polizei-beratung.de