Die Marktstraße renaturieren

Thomas Kindler und Michael Bassier, Inhaber der gleichnamigen Werbeagentur reden Tacheles.
Thomas Kindler und Michael Bassier, Inhaber der gleichnamigen Werbeagentur reden Tacheles.
Foto: WAZ FotoPool

Oberhausen.. Die Agentur Bassier, Bergmann & Kindler ist eine Erfolgsgeschichte: Die Kreativköpfe aus dem TZU zeichnen sich verantwortlich für alle Online-Auftritte von Porsche. Zudem gehören dutzende namhafte Unternehmen, darunter Sal. Oppenheim, Metro, die Telekom und Eon, zu den Kunden. 200 Mitarbeiter beschäftigt die Agentur, allein im vergangenen Jahr hat das Unternehmen 70 neue Stellen geschaffen. Die Gründer Thomas Kindler und Michael Bassier sind überzeugte Oberhausener, auch wenn sie vor einigen Jahren weggezogen sind. Dennoch verfolgen sie die Entwicklung in „ihrer Stadt“. Ein Gespräch über das Image Oberhausens und was sich Sicht der Agentur-Gründer in der Stadt ändern sollte.

Eine Agentur von Ihrem Format würde man eher in Düsseldorf vermuten.

Michael Bassier: Wir haben uns vor 14 Jahren selbstständig gemacht und weil wir beide aus Oberhausen sind, haben wir uns eben hier angesiedelt. Unseren Kunden ist es egal, wo wir sitzen – die kommen überall her, nur nicht von hier.

Ist es schwierig, Mitarbeiter für den Standort Oberhausen zu gewinnen?

Thomas Kindler: Einfach ist es nicht. Aber wir bieten gute Sozialleistungen, übernehmen beispielsweise Kindergartenbeiträge oder bieten Sabbaticals an. Vor allem aber überzeugen wir durch unsere Kunden und Projekte. Im Grunde argumentieren wir mit allem, nur nicht mit Oberhausen.

Warum?

Kindler: Weil eine gute Verkehrsanbindung leider keinen Kreativen hinter dem Ofen herlockt. Oberhausen ist inzwischen überregional bekannt als Pleitestadt, die besonders leidet.

Fällt Ihnen ein Slogan ein, mit dem man das Image verbessern könnte?

Kindler: Da hilft kein Slogan, da muss man grundsätzlicher an den Problemen arbeiten.

Wie wär’s mit: „Woanders is’ auch scheiße“, wie Frank Goosen immer sagt?

Kindler: Das würde passen. Versteht aber nur einer aus dem Ruhrgebiet. Und dem wiederum muss man Oberhausen nicht schönreden.

Was sind denn aus Ihrer Sicht die Probleme von Oberhausen?

Kindler: Die Alte Mitte wurde auf dem Altar der Neuen Mitte geopfert. Das Centro schafft weder Anlass sich heimisch zu fühlen, noch deshalb nach Oberhausen zu ziehen. Das ist eine komplett verfehlte

Stadtpolitik.

Bassier: Der Oberhausener geht kaum ins Centro und die Stadt profitiert auch nicht von den Besuchern, die dort die Geschäfte und die Gastronomie nutzen. Es ist ein Problem, hoch qualifizierte Leute in die Stadt zu ziehen, weil es hier kaum Viertel mit Entwicklungspotenzial gibt. Höchstens vielleicht das Marienviertel. Dort ist schöne alte Bausubstanz vorhanden. Flair zieht an. Und vielleicht könnte man dieses Viertel zu einer Art Inkubator für die Veränderung machen.
Kindler: Man braucht solche Viertel, denn die Leute, die hier arbeiten, aber nicht hier wohnen, geben ihr Geld ja auch nicht hier aus, sondern shoppen oder gehen nach Feierabend woanders etwas trinken.

Was könnte man mit der Marktstraße machen?

Kindler: Vielleicht sollte man das Renaturierungsprogramm der Emscher auf die Altstadt ausweiten.
Bassier: Das ist überhaupt ein Punkt: Wer kein Geld hat, muss eben gute Ideen entwickeln.

Gibt es in Oberhausen Personen, die mit guten Ideen überzeugen?

Kindler: Das sehe ich nicht. Auch von der Wirtschaftsförderung kommt da nicht viel. Es gibt durchaus Leute in der Oberhausener Wirtschaft, die gute Ideen haben und die sich engagieren würden – aber nicht bei diesen Rahmenbedingungen, nicht bei so einer Verwaltung.
Bassier: In anderen Städten ist das anders. Als wir vor einigen Jahren expandieren wollten, haben wir uns auch in Duisburg umgesehen. Und da haben sich eine ganze Reihe von Leuten intensiv mit uns beschäftigt und sich darum bemüht, uns ein Angebot zu unterbreiten: Von der Wirtschaftsförderung bis zum Oberbürgermeister. Zudem muss man sagen, dass man in Oberhausen die höchsten Gewerbesteuern zahlt. Auch das lässt sich nicht unbedingt als Standortvorteil vermarkten.

Welche Dinge sollten in Angriff genommen werden? Was sollte man tun, um das Image zu verbessern?

Kindler: Man sollte diejenigen besonders unterstützen, die etwas zur Attraktivitätssteigerung dieser Stadt beitragen. Um ein Umfeld zu schaffen, indem für ein hoch qualifiziertes, kaufkräftiges Klientel Oberhausen auch als Wohnort eine Perspektive sein kann. Unter attraktivitätssteigernd verstehe ich hier zum Beispiel die liebevoll gemachte Suppenküche im Kiez – nicht aber eine weitere Filiale einer Systemgastronomie. Das hilft nicht.

Bassier: Hajo Sommers vom Ebertbad ist zum Beispiel so einer. Man sollte nicht unterschätzen, was die Kulturszene in dieser Stadt für Oberhausen leistet. Damit tut er mehr für die Stadt als viele andere, die sich sonst um Stadtmarketing kümmern.

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